Pink Skyvan Boogie 2020

Zweimal im Jahr wiederholt sich am südburgenländischen Flugplatz Punitz die gleiche Szene: Zahlreiche Fallschirmspringer aus dem In- und Ausland versammeln sich, um gemeinsam das "Pink Skyvan Boogie" des Vereins freifall.at zu feiern. Auch die Covid-19 Pandemie konnte heuer an dieser langjährigen Tradition nichts ändern - unter besonderen Sicherheitsauflagen traf sich Mitte September die Skydiver-Community zum gemeinsamen Fallschirmsprung.

Die allseits bekannte pinke Skyvan (alle Fotos - wenn nicht anders angegeben: Martin Dichler).

Bis zu 20-mal pro Tag hob eine Maschine vom Flugplatz Punitz ab, um die begeisterten Fallschirmspringer auf eine Höhe von 4.300 oder 6.000 Metern zu bringen. Ziel war es, den Springern das unbeschreibliche Gefühl des freien Falles so lange wie möglich zu bieten. Als Transportmittel diente dafür ein in Europa inzwischen überaus selten gewordenes Flugzeug: Eine Short SC.7 Skyvan der österreichischen Pink Aviation Services.

Der steirische Fallschirmsprungverein freifall.at setzt sich seit mehr als 30 Jahren zum Ziel, die Sportart in der Region zu fördern, wie Obmann Stellvertreter Mario Gölles im Gespräch mit AviationNetOnline erklärt. Seit dem Jahr 2013 ist der Verein am burgenländischen Flugplatz des Union Sportfliegerclubs Punitz angesiedelt. Neben einer vereinseigenen Cessna 182P, die ganzjährig für Absetzsprünge zur Verfügung steht, mietet man zweimal im Jahr die Short SC.7 Skyvan der Pink Aviation Services für das große "Pink Skyvan Boogie" zusätzlich an.

Der Hochdecker, von dem zwischen 1963 und 1976 insgesamt nur 155 Exemplare gebaut worden sind, bietet sich mit seiner Ladekapazität von knapp zwei Tonnen bzw. maximal 24 Passagieren ideal zum Absetzen von Fallschirmspringern aus großer Höhe an, wie Mario Gölles betont: "Der besondere Reiz an der Skyvan liegt in der großen Absetzhöhe von über 4300 Metern, sowie der Möglichkeit, durch die 2 mal 2 Meter großen Heckklappe möglichst viele Springer gleichzeitig für Formationssprünge absetzen zu können".

Die Skyvan-Fangemeinde unter den Fallschirmspringern ist inzwischen so groß, dass viele der Springer dem Flugzeug von Flugplatz zu Flugplatz während ihrer ganzjährigen Europatour folgen. Auch beim diesjährigen Event des Vereines erfreute sich die Skyvan wieder großer Beliebtheit: "An einem regulären Boogie Wochenende werden mit der Maschine an die 50 Starts durchgeführt und dabei über 1.000 Fallschirmspringer abgesetzt", so Gölles.

Mario Gölles (links) und Norbert Meyer.

Die Entwicklung der Skyvan geht in die frühen 1960er Jahre zurück, als der britische Hersteller Short ein STOL-Mehrzweckflugzeug entworfen hat, dass eine robuste Bauweise mit möglichst geringen Wartungskosten vereinen sollte. Es entstand ein wahres "Buschflugzeug", das unter allen klimatischen Verhältnissen zum Einsatz kommen konnte und dabei mit seinen hervorragenden Kurzstarteigenschaften von nur 650 Metern beeindruckte.

Durch ihre markante, quadratische Bauform wurde die Short SC.7 Skyvan sehr oft verächtlich als "fliegende Schuhschachtel" bezeichnet, doch so plump das Flugzeug auch aussieht - die Flugeigenschaften und Leistungsmerkmale überzeugten viele Käufer. In weiterer Folge diente das Konzept der Short SC.7 Skyvan auch als Vorlage für die Entwicklung der größeren Nachfolgemodelle Short 330 und 360.

Foto: Gerhard Tramer - freifall.at 

Der Erstflug des Skyvan Prototyps fand am 17. Jänner 1963 statt. Die Maschine wurde von zwei 390 PS starken Continental GTSIO-529 Kolbenmotoren angetrieben, die sich aber schon bald als zu schwach erwiesen. Erst durch den Einbau der leistungsstärkeren 660 PS starken Turbomeca Propellerturbinen im Herbst des gleichen Jahres, konnten bessere Leistungswerte erzielt werden. Mit der Short SC.7 Skyvan Version 3, die ab 1968 mit zwei modernen amerikanischen Garret-TPE331 Turbinen auf den Markt kam, gelang der endgültige Durchbruch am Markt für Flugzeuge mit einem maximalen Abfluggewicht von sechs Tonnen.

Das Muster wurde zum Arbeitswerkzeug so mancher regionalen Fluglinie. Die griechische Olympic Aviation und die norwegische Busy Bee setzten den Flugzeugtyp in einer 18-sitzigen Skyliner-Ausstattung für Passagierflüge ein, während kleine Frachtfluglinien rund um den Globus die einfache Beladung des 22,1 Quadratmeter großen Frachtraumes dank seiner großen Heckrampe liebten. Von der Militärvariante M3 wurden insgesamt 60 Stück gebaut, die bei insgesamt 21 Luftwaffen zum Einsatz kamen. Darunter auch beim österreichischen Bundesheer, welches zwei Maschinen zwischen 1969 und 2007 für Truppen- und Materialtransporte einsetzte.

Die Geschichte der Pink Aviation Services begann im Jahr 1986 als man in Singapur eine erste Maschine für Fallschirm- Absetzsprünge ankaufte. Nachdem die Skyvan nur über eine Reichweite von ca. 1.120 Kilometer verfügt, war der Überstellungsflug nach Österreich die erste große Herausforderung für das noch junge Unternehmen. Auf die Erfahrungswerte aus dem ersten Überstellungsflug konnte man später aber bauen, als man bei weiteren Flugzeugankäufen in Sri Lanka, Ghana, Botswana und Südafrika die Maschinen in oftmals abenteuerlichen Überstellungsflügen nach Österreich brachte.

Während des letzten "Pink Skyvan Boogies" kam die OE-FDN, eine im Jahr 1979 gebaute und ursprünglich an die Botswana Defense Force ausgelieferte Short SC.7 Skyvan 3M-400 zum Einsatz. Seit dem Jahr 2005 steht das Flugzeug im Besitz von Pink Aviation Services, wobei die Skyvan einer Grundüberholung samt Einbau zweier 5-Blatt Propeller unterzogen wurde.

Geflogen wurde die Maschine von Norbert Meyer, einem ehemaligen Tornado Kampfjet Piloten der Deutschen Luftwaffe, der nun in Teilzeit für Pink Aviation tätig ist. Auf den gewaltigen Unterschied zwischen seinem früheren Arbeitsgerätund der Short Skyvan angesprochen, meint Meyer: "Natürlich ist es ein Unterschied, ob man eine Skyvan oder einen Tornado Kampfjet fliegt. Eine Skyvan zu fliegen, bedeutet für den Piloten noch richtig manuell zu arbeiten. Es gibt keinen Autopiloten und das spricht schon alleine für sich. Man muss ein Gespür für das Flugzeug bekommen, da man viel auf Sicht fliegt. Die Skyvan ist ein schönes Fluggerät, das Model zu fliegen bedeutet aber auch eine Menge Arbeit, eine Arbeit die aber richtig Spaß macht."

Captain Norbert Mayer im Skyvan-Cockpit.

Pink Aviation Services wurde in den vergangenen drei Jahrzehnten zum größten europäischen Betreiber der Short SC.7 Skyvan. In der bisherigen Firmengeschichte wurden bereits neun Skyvan betrieben, wobei heute nur noch vier Maschinen (OE-FDI/K/N/E) im Einsatz stehen. Nach Schätzung von Pink Aviation Geschäftsführers Thomas Lewetz, fliegen heute gerade einmal noch Exemplare des Typs weltweit. Egal wo die Pink Aviation Flotte gerade ihren Einsatz in Europa versieht, die auffällige Bemalung mit dem berühmten "Pink-Mund" samt heraushängender Zunge auf der Flugzeugnase, ist immer ein Hingucker.

Neben den privat von Fallschirmvereinen organisierten Sprungevents wie zuletzt in Punitz fliegt das Pink Aviation Team seit Jahren auch Übungseinsätze für verschiedene Militärs. Da die Lebensdauer einer Skyvan aber auf nur 30.000 Start und Landungen begrenzt ist, stellt sich inzwischen immer mehr die Frage nach einer künftigen Ablöse des Musters: "Derzeit gibt es leider kein Nachfolgemodel für die Shorts Skyvan am Markt. Kein anderes Flugzeug ist genauso geräumig und kostengünstig zu betreiben wie unsere Skyvan. Gebrauchte Maschinen sind nicht mehr erhältlich, in den letzten sechs Jahren stand gerade einmal eine Skyvan zum Verkauf", so Lewetz.

Vielleicht könnte hier eine angedachte Wiederaufnahme der Short Skyvan Produktion - ähnlich der aktuellen Produktion der beliebten DHC 6-400 Twin Otter durch den kanadischen Hersteller Viking Air - ein mögliches Zukunftsszenario sein. Schließlich möchten die vielen tausenden Fallschirmspringer auch in Zukunft aus dem Bauch einer Skyvan in die Tiefe stürzen.

Autor: Martin Dichler
Martin Dichler war bis 2019 Vorsitzender der Flughafenfreunde Wien und schreibt seit Jahren als freier Journalist für diverse Luftfahrt- und Reisemedien.

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