Pieter Elbers: "Die Millennials fliegen überall hin mit dem Flugzeug"

Elektroflugzeuge sind frühestens in 15 bis 20 Jahren verfügbar.

Pieter Elbers ist Geschäftsführer von KLM (Fotos: Jan Gruber).

Die aktuelle Klimadebatte wirkt sich laut KLM-Chef Pieter Elbers ganz und gar nicht auf die Fluggastzahlen aus, die seinen Angaben nach weiter stark steigend sind. Angesprochen darauf, ob er befürchtet, dass sich dies durch die „Millennials-Generation“ ändern könnte, sagte er: „Dass die Millennials weniger oder gar nicht fliegen ist einfach Unsinn. Gehen Sie doch einfach mal zum Schiphol und achten Sie auf das Alter der Passagiere. Gerade diese Altersgruppe fliegt überall mit dem Flugzeug hin. Ob zum Studienort, zum Familienbesuch, an den Strand mit Freunden oder zum Shoppen, überall hin wird geflogen. Die Klimadebatte hat überhaupt keine Verhaltensänderung bewirkt, denn es wird definitiv nicht weniger geflogen.“

Die Aussagen von Pieter Elbers hinsichtlich steigender Fluggastzahlen trotz Klimadebatte decken sich auch mit den von Airlines und Flughäfen veröffentlichten Zahlen. So ist ein starkes Wachstum zu verzeichnen und kein Rückgang. Dies steht allerdings auch in krassem Widerspruch zu den von der Thunberg-Bewegung gemachten Ankündigungen.

Betreffend KLM sieht Pieter Elbers durchaus Potential für Hochgeschwindigkeitsverbindungen auf der Schiene, die diverse Kurzstreckenverbindungen ersetzen könnten. Allerdings müssen diese eine attraktive Alternative darstellen und in diversen europäischen Ländern würde einiges an Nachholbedarf bestehen. Als positives Beispiel führte der Manager die TGV-Verbindungen innerhalb Frankreichs an, die zahlreiche Inlandsstrecken obsolet gemacht haben. Allerdings ist der Zug keine Wunderwaffe, denn: „Wenn die Infrastruktur und damit auch die Reisezeiten passen, ist es vorstellbar, dass beispielsweise Düsseldorf-Amsterdam auf die Schiene verlagert werden kann. Bei Berlin-Amsterdam wird sich das allerdings nur sehr schwer umsetzen lassen, denn die Reisezeit im Schienenverkehr ist sehr lange und es ist einfach nicht attraktiv vor einem Langstreckenflug eine Zugfahrt zu haben, die fast so lange dauert wie der Interkontinentalflug. Solange die Reisezeit bei solchen Verbindungen nicht attraktiv ist, wird das Flugzeug weiterhin für viele die erste Wahl bleiben“.

Die Luftfahrt wird sich weiterentwickeln und weniger klimaschädlich werden. Zweifel hat Pieter Elbers aber daran, dass in naher Zukunft Elektroflugzeuge kommerziell eingesetzt werden können. „Diese Technologie steckt noch in den Kinderschuhen und das Hauptproblem, das es zu überwinden gilt sind die Akkus. Diese müssen leistungsstark und gleichzeitig möglichst leicht sein und das ist mit heutigem Stand noch nicht erreicht“, so Elbers. „Meiner Meinung nach wird es noch mindestens 15 bis 20 Jahre dauern bis Elektroflugzeuge kommerziell auf der Kurzstrecke eingesetzt werden können. Vielleicht werden wir dann beispielsweise Amsterdam-London elektrisch fliegen können, aber auf der Langstrecke wird es noch länger dauern. Ich denke, dass es richtig ist, dass die Hersteller und Universitäten in verschiedene Richtungen forschen und sich nicht ausschließlich auf Elektroantriebe fokussieren. Es gibt auch andere Möglichkeiten und letztlich wird sich die beste Technologie dann durchsetzen, aber, wie gesagt, wir befinden uns noch in einem frühen Stadium der Entwicklung und Forschung.“

Ebenfalls von Umweltdebatten ist auch der Flughafen Lelystad, der als Entlastung für Schiphol dienen soll, beeinträchtigt. Die niederländische Regierung erhöhte erst kürzlich die Anzahl der maximalen Flugbewegungen ab Amsterdam von 500.000 auf 540.000 pro Jahr. Der Point-to-Point- und Lowcost-Verkehr soll künftig primär ab Lelystad abgewickelt werden, während Schiphol sich stärker auf die Drehkreuzfunktion fokussieren soll. „Ich gehe davon aus, dass unsere Tochtergesellschaft Transavia dann ab Lelystad fliegen wird. Momentan bedient Transavia die meisten sekundären Airports in den Niederlanden. Übrigens: KLM hat noch nie Flüge innerhalb der Niederlande durchgeführt, so dass sich bei uns die Frage gar nicht stellt, ob wir Inlandsflüge auf die Schiene verlagern oder nicht. Schon immer haben wir uns auf Schiphol konzentriert und Zubringer per Bus und Bahn angeboten“, erklärt Pieter Elbers.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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