Phantom Sayonara

Die Japanischen Selbstverteidigungskräfte, abgekürzt mit JASDF, gehören zu den letzten Betreibern der F-4 Phantom und ihrer Unterversionen. Viele andere Länder, die dieses klassische Kampfflugzeug früher betrieben, haben ihre Phantoms längst außer Dienst gestellt – daher kann man den Typ oft nur noch im Museum und nicht mehr aktiv erleben. Daher war die Ankündigung eines Flugtags für Anfang Dezember 2019 auf der Basis Hyakuri, Japan, auf der alle verbleibenden Phantom Staffeln 2016 zusammengezogen wurden, äußerst willkommen.

Alle Fotos: Florian Szczepanek

Die Japanische Luftwaffe erhielt insgesamt 140 Maschinen des Typs F-4EJs, von denen bis auf zwei alle von Mitsubishi Heavy Industries in Japan montiert wurden, sowie 14 RF-4Es für den Aufklärungsdienst – insgesamt also 154 Flugzeuge. Die letzte dieser F-4EJ war sogar die letzte jemals gebaute Phantom – sie rollte 1981 von der Fertigungslinie. 96 dieser Flugzeuge wurden während der 1980er Jahre auf den F-4EJ Kai Standard modifiziert, vergleichbare Modifikationen änderten auch die RF-4Es zu RF-4J Kais. Alle diesen Maschinen rüsteten insgesamt 7 operative Staffeln aus – sechs Jagdstaffeln sowie eine Aufklärungsstaffel – und eine Test Staffel – im japanischen Hikotai genannt:

  • Die 301 – die Frösche – war die erste Staffel die die F-4EJ 1973 erhielt, damals stationiert auf der Basis Hyakuri. 1984 verlegte die Staffel nach Nyuatabaru, kehrte aber 2016 nach Hyakuri zurück. Dies ist die letzte operative F-4EJ Hikotai der JASDF und wird die Maschinen bis zum Ende des Fiskaljahres Ende März 2020 fliegen. Danach ist eine Verlegung nach Misawa sowie der Wechsel auf die F-35 geplant.
  • Die 302 – die Falken – erhielt die Phantom 1974, stationiert in Chitose. Die Hikotai verlegte nach Naha in Okinawa 1985 und nach Hyakuri im Jahre 2008. Die 302 beendete die Nutzung der Phantom Ende März 2019 und hat danach auf die F-35 gewechselt – dafür erfolgte die Verlegung der Staffel nach Misawa.
  • Die 303 – die Drachen – begann den Einsatz mit Phantoms 1977 von der Basis Komatsu. Nach nur 10 Jahren operativem Betrieb mit Phantoms erfolgte der Wechsel auf F-15Js. Die Staffel fliegt heute noch aus Komatsu.
  • Die 304 – die Tengus (vergleichbar mit einem Kobold) – flog ab 1977 mit Phantom von der Basis in Tsuiki. 1990 gab die Staffel ihre F-4EJ ab und erhielt ebenso Eagles. Heute fliegt die Staffel nach wie vor mit F-15Js aber von der Basis Naha in Okinawa.
  • Die 305 – die Kirschblüten – nutzte die F-4EJs von 1978 bis 1993 in Hyakuri. Nach dem Wechsel auf F-15Js fliegt die Staffel heute aus Nyuatabaru.
  • Die 306 – die Goldenen Adler – war die letzte operative Staffel die den Betrieb mit F-4EJ aufnahm – und flog mit der Phantom von 1981 bis 1997 von der Basis Komatsu. Heute fliegt diese Hikotai vom gleichen Platz mit F-15Js.
  • Die 501 – die Spechte (die als Staffelwappen den Kopf der amerikanischen Comicfigur Woody Woodpecker benutzen) – erhielten ihre RF-4Es 1974 und waren immer in Hyakuri stationiert. Die Stärke der Staffel wuchs mit dem Umbau von 15 F-4EJs (sieben) und F-4EJ Kais (acht) zu RF-4EJ Kai Standard in den frühen Neunzigern. Diese modifizierten RF-4EJ Kais können leicht erkannt werden, da der Umbau nur die andere Ausrüstung (Pods, Elektronik, Cockpit etc.) aber nicht den Einbau der Radarnase beinhaltete. Diese Aufklärungsstaffel wird Ende März 2020 genauso wie die benachbarte 301 Jagdstaffel den Betrieb mit der Phantom beenden, danach wird die 501 aufgelöst. Aktuell sieht die Planung einen Ersatz der Aufklärungsfähigkeit durch einen Aufklärungs-Pod für die F-15Js vor. Es gibt aber auch Stimmen die besagen, dass die 501 neu mit F-15 ausgerüstet wird - und weiter von Hyakuri fliegen wird.
  • Die Test-Staffel in Gifu nutzt bis heute ebenfalls F-4EJs. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch dass mit der Außerdienststellung der F-4EJs und RF-4Es/RF-4EJS Kais bei den operativen Staffeln Ende März 2020 auch hier die Nutzung enden wird.

Wie aus den kurzen Staffelgeschichten oben ersichtlich, nahm die Zahl der operativen Phantom Staffeln im Laufe der 1990er Jahre kontinuierlich ab und letztendlich wurden alle verbleibenden in Hyakuri zentralisiert (als letzte verlegte die 301 von Nyuatabaru 2016). Wohingegen die 302 ihre letzten Flüge Ende März zum Abschluss des Fiskaljahres durchführte (dieses dauert in Japan von Anfang April bis Ende März des Folgejahres), werden die 301 mit ihren F-4EJ Kais sowie die 501 mit RF-4EJ Kais (mit und ohne Radarbase) bis Ende März 2020 weiterfliegen. Basierend auf diesen Rahmenbedingungen ließ die Airshow sowie die Tage zuvor Anfang Dezember 2019 darauf hoffen nochmals ausgiebig Phantoms in Action zu fotografieren.

Die Farbgebung der F-4EJ besteht inzwischen aus einem einheitlich sogenannten Luftüberlegenheitsgrau – mit Ausnahme einer sonderlackierten Maschine mit gelben Elementen und dem Staffelemblem, dem Frosch. Die RF-4EJ Kais (die Maschinen mit der Radarnase) sind dagegen in Tarnanstrichen gehalten, entweder in Blau und Grau Tönen (nur noch eine operative Maschine im Dezember 2019) oder in Erde und Grün Tönen. Die umgebauten RF-4EJ Kais (also die Maschinen ohne Radarnase) sind dagegen wieder anders in einer Kombination aus Grau und Grün Tönen lackiert.

Ein weiteres Element was die Reise nach Japan noch interessanter machte, ist eine sehr spezielle Fotoposition bei der Basis Hyakuri. Die Gegend war ursprünglich landwirtschaftlich genutztes Gelände und obwohl viele Bauern ihr Gebiet an das Militär verkauft haben, wollten einige wenige nicht verkaufen – und wurden auch in der Anti-Kriegs-Bewegung in Japan aktiv. Auf dem Areal bauten sie Schreine und sogenannte „Friedens-Türme“, erhöhte Plattformen von wo aus sie das Geschehen auf der Basis beobachteten. Ein Feldweg führt in diesen U-förmigen Park, auf beiden Seiten von Zäunen begrenzt. Die Eigentümer erkannten bald, dass Luftfahrt-Enthusiasten und –Fotografen an solchen Positionen sehr interessiert waren. Daher sind die erhöhten Plattformen inzwischen für Fotografen gegen eine Gebühr (derzeit 1500 Yen) zugänglich – was herausragende Fotos auf Rollwege, Startbahn und die Rampe sowie die Hangars ermöglicht. Da das Areal, insbesondere in den Tagen vor der Show, sehr voll wurde, war es teils sogar in der Nacht geöffnet – und erlaubte Fotos der Rampe und der Hangars bei Nacht.

Aus Anlass der bevorstehenden Außerdienststellung haben beide Staffeln Flugzeuge mit Sonderlackierungen versehen. Die 301 Hikotai lackierte eine F-4EJ mit einer Sonderbemalung in gelb. Die 501 Hikotai dagegen fügte ihren ohnehin schon bunten Maschinen (mehrere Schemas durch die unterschiedlichen Tarnanstriche) ein Band um den Rumpf hinzu, auf dem die Dauer des Einsatzes der Maschinen vermerkt ist. Das nahe Ende der Verwendung war auch dadurch sichtbar, dass wir insgesamt noch 14 oder 15 aktive F-4EJs sahen – und nur noch sieben aktive RF-4EJ Kais. Glücklicherweise war eine zweite blaue RF-4 immer noch auf der Basis – und obwohl nicht mehr flugtauglich eine willkommene Bereicherung für das Static Display während der Show. Ebenfalls ausgestellt waren die beiden sonderlackierten F-4EJ Kais der 302 Hikotai vom Vorjahr. Die Maschinen wurden offenbar im Hangar abgestellt und sahen faktisch fabrikneu aus.

In der nahen Zukunft wird in Hyakuri eine Staffel F-2 Abfangjäger stationiert (inoffizielle Quellen sprechen von März 2020). Vermutlich wird es die Staffel aus Misawa sein, da die dortige Basis als Hauptplatz für die neuen F-35 ausgewählt wurde. Die Verlegung der F-2 hat ihre Ursache auch in der Bedeutung von Hyakuri – der Platz ist für die Luftverteidigung von Tokyo verantwortlich. Daher werden die ebenso hier stationierten U125 und UH-60J des Rettungsgeschwaders nicht alleine auf dem Platz bleiben, Jagdflugzeuge werden weiterhin von hier starten – und von den Luftfahrt-Enthusiasten aus der ganzen Welt von den „Friedens-Türmen“ aus fotografiert werden.

Autor: Florian Szczepanek

    Special Visitors

    Volga-Dnepr Airlines / RA-82042
    ROSSIYA / EI-UNP
    Antonov Airlines / UR-82007
    National Airlines / N952CA
    Atlantic Airways / OY-RCK
    Danish Air Transport / OY-RUE
    LGW - Luftfahrtgesellschaft Walter / D-ABQA

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    Carlo Sporkmann

    Granit Pireci

    Michael David