People's Group: "Krise vergleichbar mit der großen Depression der 30er Jahre"

Finanzvorstand Thomas Mary im Interview.

Crewmitglieder von People's am Flughafen St. Gallen/Altenrhein (Foto: Martin Dichler).

Die österreichische People's Group ist im doppelten Sinn von der aktuellen Luftfahrtkrise betroffen. Zum einen konnte die Fluglinie People's über mehrere Wochen hinweg nicht zwischen Wien und Altenrhein operieren, zum anderen untersagte die Schweiz alle Privat- und Businessflüge auf dem People's Airport St. Gallen/Altenrhein. AviationNetOnline sprach mit People's Group Finanzvorstand Thomas Mary über die Auswirkungen der aktuellen Krise auf das Unternehmen.

AviationNetOnline: People's hat aufgrund der Corona Krise zwischen 16. März und 15. Juni die Verbindung zwischen Wien und St. Gallen/Altenrhein einstellen müssen. Wie haben Sie die Krise erlebt und welche Auswirkungen hatte der Lockdown auf die Mitarbeiter des Unternehmens? 

Thomas Mary: Eine solche Krise haben wir alle wohl noch nie erlebt, vergleichbar mit der großen Depression der 30er Jahre. Niemand hätte anfangs gedacht, dass es solche Auswirkungen haben wird. Für die Luftfahrt der Worst Case. Dank Entschädigungen für Kurzarbeit und Überbrückungskredit (die ja alle zurückbezahlt werden müssen) kommen wir durch die Krise, vorausgesetzt wir können langsam wieder hochfahren. Gespannt schauen wir auf mögliche Zuschüsse, die der AUA gewährt werden sollen. Da hätten wir kein Verständnis, wenn eine solch marode Fluggesellschaft unterstützt werden würde. Es fragt sich, ob diese enormen Summen, die da gehandelt werden, nicht besser bei den Tausenden von KMUs investiert wären.

Ihre Wien - Verbindung ist von besonderer Bedeutung für die Vorarlberger Wirtschaft, rechnen Sie mit einer entsprechenden Nachfrage sobald die Flüge wieder verfügbar sind?

Das Hoffen wir doch sehr, das Echo war bisher sehr positiv. Wir werden sehen, wie sich die Buchungseingänge entwickeln, aber wir sind sehr zuversichtlich, dass wir am 15. Juni bei entsprechender Nachfrage abheben können.

Mit ihren Partnern Rhomberg Reisen & Highlife Reisen bieten Sie Charterflüge ab St. Gallen/ Altenrhein nach Italien, Spanien und Kroatien an. Rechnen Sie hier noch mit einem Bedarf im heurigen Jahr?

Auch hier ist das Echo der Reiseveranstalter positiv, sie haben immer noch einen ordentlichen Buchungsbestand für den Sommer und Herbst. Wir müssen sehen, wie sich die entsprechenden Vorschriften der Reiseländer verändern. Übrigens wir bieten auch Flüge nach Griechenland an.

People's Finanzvorstand Thomas Mary (Foto: People's).

Wie sieht ihre Prognose für das restliche Jahr aus, wie hoch wird der Passagier- bzw. Umsatzverlust gegenüber dem letzten Jahr ausfallen?

Das ist ein Blick in die Glaskugel. Wir können nicht sicher abschätzen, wie sich die Passagiere verhalten. Fliegen sie wieder, verschieben sie noch so lange wie möglich oder fliegen sie gar nicht mehr (Stichwort Video Konferenz)? Wir können nur vage Annahmen treffen, der Verlust wird aber höchst wahrscheinlich über 50 Prozent sein.

Der Lufthansa-Konzern verhandelt gerade mit der österreichischen Bundesregierung über einen 767 Millionen Euro teuren Rettungsschirm. Könnte es sein, dass People's als österreichische Fluglinie auch bald um staatliche Hilfen ansucht?

Das könnte sein, wir hoffen aber immer noch, dass es nicht notwendig sein wird. Interessiert sind wir sicher an Zuschüssen, sollten solche gewährt werden können.

Die People's Group betreibt neben der Fluglinie auch den People's Airport in St. Gallen/Altenrhein. Welche Auswirkungen hat das Coronavirus auf den restlichen Flugbetrieb?  

Genau gleich, wir hatten nur ganz wenig Flugbetrieb, der ja von Bern (mit ganz wenigen Ausnahmen) untersagt wurde. Vergleichen Sie mit Zürich, sie hatten einen Einbruch von 99 Prozent, Wien von 99,6 Prozent bei den Passagieren.

Autor: Martin Dichler
Martin Dichler war bis 2019 Vorsitzender der Flughafenfreunde Wien und schreibt seit Jahren als freier Journalist für diverse Luftfahrt- und Reisemedien.

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