Penghu: Die unbekannte Naturschönheit

Wer über mögliche Urlaubsziele nachdenkt, dem kommt Taiwan nicht gleich in den Sinn. Zu unbekannt ist das Land mit seiner vielfältigen und pittoresken Landschaft, der alten chinesischen Tradition und der modernen, pulsierenden Hauptstadt Taipeh, die chinesischen Flair mit europäischer Moderne verbindet. Und unter fast gänzlich unbekannt fällt der Penghu-Archipel im Südwesten Taiwans. AviationNetOnline hat die Inseln besucht.

Fotos: Michael Csoklich.

Es ist vor allem die Landschaft, durch die die vielen kleinen Inseln bestechen. Eine Landschaft, die einen Vergleich, zum Beispiel mit der Bretagne, nicht wirklich scheuen muss. Penghu besteht aus 64 Inseln, die sich über eine Länge von 60 Kilometern und eine Breite von 22 Kilometern erstrecken. Die Inseln, auf denen rund 100.000 Menschen leben, liegen in der Taiwan-Straße, in der Mitte zwischen Taiwan und Festlandchina.

Touristisch sind die Inseln, wenn man noch einmal den Vergleich mit der Bretagne strapazieren möchte, Niemandsland bzw. Entwicklungsland. Was aber den Reiz eines Besuchs durchaus erhöhen kann, wenn man die lauter werdende Kritik an Touristenmassen im Ohr hat. Die meisten Touristen, die nach Taiwan und damit nach Penghu reisen, kommen aus China. Kein Wunder, betrachtet China Taiwan ja nach wie vor als zu China gehörend. Hotels gibt es wenige, solche mit westlichem Standard kaum. Und das, obwohl 1995 der Penghu-Archipel zum dritten Nationalen Landschaftsschutzgebiet Taiwans erklärt worden ist mit dem Ziel, private Investoren dabei zu unterstützen, Hotels, Restaurants und Erholungseinrichtungen zu errichten.

Erforscht werden können die Inseln am besten im Rahmen einer Bustour, oder mit Nahverkehrsbussen, Taxis oder Leihmopeds. Brücken verbinden die Hauptinseln Makung, Peishan und Hsiyu. Die eigentliche Sehenswürdigkeit ist, wie erwähnt, die Landschaft. Über und unter Wasser. Einsame, lange und herrliche Sandstrände laden zum Schwimmen im warmen Wasser ein, zu Spaziergängen, zum Durchatmen. Die Korallenriffe samt den unzähligen Tropenfische sind ein Paradies für Taucher und Schnorchler. Alternativ kann man ein Glasbodenboot mieten, fischen oder per Boot Delphine beobachten. Die Inseln sind grundsätzlich flach, haben jedoch oft steil ins Meer abfallende Felsen. An vielen Stellen besteht die zerklüftete Küste aus schwarzen Basaltpfeilern, die wie Orgelpfeifen dicht nebeneinander stehen. 

Was bieten die Inseln nun an „Sehenswürdigkeiten“? Einen 300 Jahre alten Banyanbaum, der mit über 90 Wurzeln im Boden verankert ist, und der sich über 200 m2 erstreckt. Das „Alte Fort“ wurde  in der Ch‘ing-Dynastie, 1644-1911, erbaut. Ein Grabmal, das zu Ehren von sieben Frauen aus der Ming-Dynastie (1368-1644) errichtet worden ist, die sich lieber ertränkten als sich japanischen Piraten auszuliefern. Den 1592 zu Ehren der Meeresgöttin Matsu erbauten Tempel, der auch Taiwans ältester ist, samt dem alten „Vieräugigen Brunnen“. Oder am äußersten Ende der Inselkette einen wunderschönen Leuchtturm. Am Weg begegnen einem immer wieder alte Häuser und Wohnanlagen in der typischen traditionellen Architektur. 

Westlichen Standard darf man sich auch bei den Sehenswürdigkeiten nicht erwarten. Erwähnt sei auch, dass der gesamte Tourismusbetrieb fast ausschließlich auf Gäste aus Taiwan oder China ausgerichtet ist. Das gilt auch für den kulinarischen Teil, der von Fisch und Meeresfrüchten aller Art geprägt wird. Fischfang ist, neben dem aufstrebenden Tourismussektor auch die Haupteinnahmequelle der Bewohner Penghus. 

Penghu ist von Taipeh aus mit dem Flugzeug in nur 40 Minuten erreichbar. Wichtigster Anbieter ist hier Uni Air, eine Schwestergesellschaft von Eva Air. Die Flotte besteht aus zwei A321 und 13 ATR 72-600. 

Unterm Strich: das Archipel von Penghu ist eine Reise wert, wenn man schon auf Taiwan oder geografisch in der Nähe ist. Inseln mit gastfreundlichen, beschalichen Menschen, die in sehr einfachen Verhältnissen Leben. Penghu ist ein Erlebnis für Fans besonderer Landschaften, in der chinesische Schriftzeichen und in der die chinesische Lebensweise dominiert, auch wenn man politisch mit dem großen Nachbarn nicht viel zu tun haben will.

Generelle Informationen zu Penghu finden sich hier:

https://www.taiwantourismus.de/reiseziele/inselwelt/penghu/ 
https://eng.taiwan.net.tw/m1.aspx?sNo=0002125
https://tour.penghu.gov.tw/en/index.aspx
https://www.penghu.gov.tw/en/index.jsp

Diese Reise wurde von Chilling and Spice Travel von EETS unterstützt.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Er ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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