O'Leary will Lauda auf Boeing 737 umflotten

Geschäftsführer David O'Brien rechnet nicht mit einer Einigung mit der Gewerkschaft Vida.

Foto: Thomas Ramgraber.

Die Ryanair Group prüft derzeit das „Airbus-Experiment“ zu beenden und die Tochtergesellschaft Lauda mittelfristig auf Boeing 737 umzuflotten. Konzernchef Michael O’Leary erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass sich die A320-Flotte auf rund 30 Flugzeuge einpendeln soll. In den nächsten Jahren soll diese schrittweise durch Boeing 737 ersetzt werden, sofern seitens des U.S.-amerikanischen Herstellers entsprechende Entschädigungen aufgrund der 737-Max-Lieferverzögerungen gewährt werden. Dennoch wird man alle für die nächsten 12 Monate geplanten Übernahmen von geleasten Airbus A320 stornieren.

Damit sinken die Chancen, dass Ryanair eine rund 100 Flugzeuge umfassende A320neo-Flotte bei der Tochtergesellschaft Lauda aufbauen wird. Die Tendenz, die Michael O’Leary nun durchklingen hat lassen, ist, dass konzernweit auf Boeing 737-800 und langfristig eben auf Boeing 737 Max 200 gesetzt wird. Somit würden dann Ryanair, Ryanair UK, Malta Air, Buzz und Lauda das idente Muster betreiben. Dieser Schritt kommt für Branchenkenner wenig überraschend, denn insbesondere Michael O’Leary galt nie als großer Freund der A320-Reihe.

Hinsichtlich der Zukunft der Tochtergesellschaft Lauda scheint derzeit nur gesichert zu sein, dass diese ab Düsseldorf und Stuttgart wieder unter eigener Marke abheben wird. Die Basis in Wien ist aufgrund des schwelenden Streits mit der Gewerkschaft Vida, deren Obmann Roman Hebenstreit kürzlich sagte, dass man mit den „ausländischen Fluggesellschaften Lauda und Austrian Airlines“ nicht verhandeln werde, in akuter Gefahr. So bis zum 21. Mai 2020 keine Einigung in Form eines neuen Kollektivvertrags, der von der Wirtschaftskammer und der Gewerkschaft zu unterschreiben ist, erzielt wird, soll die Airbus-Basis Wien geschlossen werden und sämtliche Strecken von Konzernschwestern übernommen werden. Die Slots, die bislang von Lauda in Wien gehalten wurden, hat man zwischenzeitlich bereits auf die Ryanair DAC übertragen.

Lauda-Chef David O’Brien sagte gegenüber der Deutschen Presseagentur, dass die Schließung der Lauda-Airbus-Base in Wien höchstwahrscheinlich ist. Er rechnet nicht damit, dass die Gewerkschaft Vida dem Abschluss eines neuen Kollektivvertrags zustimmen wird und dann würde man mit Monatsende die Base schließen, die Kurzarbeit beenden und die rund 560 fliegenden Mitarbeiter ordentlich kündigen. Die Routen werden dann Boeing 737-800 der Konzernschwestern übernehmen. Demnach wäre es derzeit noch unklar, ob auch Lauda ab Juli 2020 wieder 40 Prozent der Kapazität anbieten kann. Der Neustart ab Düsseldorf und Stuttgart soll hingegen nicht in Frage stehen.

Bei Lauda und Ryanair erwartet man offensichtlich mit Hochspannung die Empfehlungen, die die EU-Kommission am Mittwoch hinsichtlich der Öffnung der Schengen-Grenzen aussprechen will. Dies ist ein wichtiger Schritt, um den Flugverkehr zumindest innerhalb des gemeinsamen Zoll- und Wirtschaftsraums wieder in Gang zu bringen. Derzeit spricht sich die Kommission dafür aus, dass binnen 30 Tagen zügig, jedoch koordiniert und abgestimmt schrittweise die Reisefreiheit in der Schengen-Area wiederhergestellt wird. Ob die einzelnen Nationalstaaten dies dann auch umsetzen oder weiterhin Alleingänge machen, bleibt abzuwarten. Im Anschluss sollen auch die Außengrenzen zumindest gelockert werden, was für die Luftfahrt ebenfalls sehr wichtig ist. Von den Ergebnissen dürfte bei Ryanair und anderen Airlines der finale Plan zum Neustart stark abhängig sein, denn sollten die aktuellen Quarantänebestimmungen verschiedener Länder beibehalten werden, so ist mit einer Nachfrage zu rechnen, die annähernd Null ist.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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