Österreichs Wirtschaft in New England: Von Hightech bis Wollpatschen

Über die neuen AUA-Flüge von Wien nach Boston wird sich auch die Wirtschaft freuen: Im Nordosten der USA sind viele Unternehmen aus der Alpenrepublik präsent.

In New England sind nicht nur Landschaft und Indian Summer attraktiv - auch als Wirtschaftsregion ist der Nordosten der USA bedeutend (Foto: Pixabay).

Ab Ende März 2020 wird Austrian Airlines im Liniendienst Boston im Nordosten der USA anfliegen. Die Stadt am Charles River ist wohl das Zentrum New Englands schlechthin - der Region, welcher die sechs Staaten Massachusetts, Maine, New Hampshire, Vermont, Rhode Island und Connecticut angehören. Die AUA will bei ihren Flügen auf der einen Seite Touristen ansprechen, die (nicht nur) den Indian Summer genießen dürfen. Zum anderen geht es natürlich auch um einen erklecklichen Anteil an Passagieren, die beruflich unterwegs sind. Austrian-CCO Andreas Otto erklärte im Interview mit AviationNetOnline: "Boston ist für Touristen und Geschäftsreisende gleichermaßen interessant."

Dass die Wirtschaftslage in New England gut sein dürfte, zeigen schon die nackten Zahlen. "Die Arbeitslosenquote liegt im gesamten Bundesstaat mit 3,5 Prozent unter dem nationalen Durschnitt. Das Wirtschaftswachstum setzt sich speziell in Boston fort und trägt zur niedrigen Arbeitslosigkeit sowie einem Immobilienmarkt, der sich noch inmitten eines Baubooms befindet, bei. Kooperationen zwischen Politik, Industrie und angesehenen Universitäten führt zur Ansiedlung von hochkarätige Unternehmen in Boston und macht die Region zu einem Hotspot für Innovation und High-Tech. Die Ansiedlung innovativer Unternehmen in Boston führt auch zu hohen Risikokapitalinvestitionen", erklärte eine Sprecherin des für die Region zuständigen AußenwirtschaftCenter New York gegenüber AviationNetOnline.

Boston ist auch für die beiden Eliteuniversitäten Harvard (am Bild) und MIT bekannt (Foto: Pixabay).

Neben den Amerikanern, die nach Österreich (und durch den erwarteten 60-prozentigen Umsteigeranteil zu den diversen Transferzielen) zwecks Business anreisen, ist New England also auch als Ziel für österreichische Geschäftsreisende interessant: Gar nicht einmal so wenige Unternehmen aus der Alpenrepublik besitzen in der Gegend Niederlassungen. Zentrum dafür ist abermals die Metropolregion Boston sowie der Bundesstaat Massachusetts. Und hier sind es vor allem IT- und Tech-Unternehmen, die hier wohl nicht zuletzt aufgrund des universitären Umfeldes mit Harvard und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) ihre Heimat gefunden haben.

So hat beispielsweise der Wiener Softwareentwickler Altova (www.altova.com) sein US-Hauptquartier im Großraum Boston eröffnet - genauso wie der Vorarlberger Spezialist für Automatisierungstechnik Bachmann Electronic (www.bachmann.info). Das ursprünglich aus Oberösterreich stammende Softwareunternehmen Dynatrace (www.dynatrace.com) hat überhaupt seinen weltweiten Firmensitz nach Massachusetts verlegt - seit Sommer 2019 notiert das Unternehmen sogar an der New York Stock Exchange.

TTTech stellt unter anderem der Luftfahrt- und Automobilindustrie hochentwickelte Netzwerktechnologien zur Verfügung (Foto: TTTech).

Auch die Wiener IT-Firma Panagenda (www.panagenda.com) steuert ihre US-Operations von Boston aus. Das nicht zuletzt in der Aviation-Industrie bekannte Unternehmen für Netzwerkplattformen und Sicherheitssteuerungen TTTech (www.tttech.com) unterhält im Großraum Boston ebenfalls einen Firmensitz. Auch die oberösterreichische Erema Group (www.erema.com), die auf Recyclingtechnologien spezialisiert ist, hat ihren US-Sitz in der Nähe von Boston.

Aber es ist nicht nur Boston und Massachusetts, wo sich in New England österreichische Unternehmen finden - auch in den anderen umliegenden Staaten betreiben gar nicht einmal so wenige Austro-Firmen größere Niederlassungen: So ist Fischer Ski (www.fischersports.com) mit seinem US-Headquarter in Auburn, New Hampshire zuhause. Im gleichen Bundesstaat hat der Salzburger Industrie-Shredder-Hersteller UNTHA (www.untha-america.com) seine Niederlassung für Nordamerika. Dewetron - ein Produzent von Mess-Systemen (www.dewtron.com) - bedient den US-Markt von Rhode Island aus.

Fischer Sports steuert das US-Geschäft von New Hampshire aus (Foto: Fischer Sports).

Weniger technisch geht es bei Geiger (hp.geiger-fashion.info) zu - der Trachtenhersteller hat sein US-Hauptquartier in Vermont aufgeschlagen. Süßes für die Vereinigten Staaten und Kanada vertreibt PEZ (www.pez.com) von Connecticut aus. Und der omnipräsente Kristallhersteller Swarovski (www.swarovskigroup.com) steuert die nordamerikanischen Märkte von Rhode Island aus - beachtliche 350 Mitarbeiter sind hier für das international tätige Tiroler Unternehmen tätig. Unter dem Motto „Wool is Cool“ kümmert sich Giesswein (www.giesswein-usa.com) von Maine aus darum, dass die US-Amerikaner mit Wollpatschen versorgt werden.

Es sind also einige Unternehmen aus Österreich (die hier genannten stellen nur einen Teil davon da) in den sechs New-England-Staaten mit ihren rund 15 Millionen Einwohnern präsent. Und zwar in einigen Sparten - allerdings mit einem klaren Fokus auf dem Tech-Sektor. Die neue Nonstop-Verbindung zwischen Österreich und Boston dürfte also durchaus gerade von österreichischer Sicht Potential für Geschäftsreisende besitzen.

Die Kristalle von Swarovski sind auch in den USA begehrt - dieser Markt wird von Providence im New-England-Bundesstaat Rhode Island aus gesteuert (Foto: Swarovski).

Aber auch in der Gegenrichtung dürfte die neue Verbindung Freunde finden: So sind General Electric (GE), die Boston Consulting Group (BCG) oder auch Fidelity Investments in Boston beheimatet - der GE-Konzern unterhält in Österreich eine Niederlassung mit rund 1.000 Angestellten und auch die beiden anderen Unternehmen sind mit Büros in Wien vertreten.

Am 29. März 2020 geht es mit der Verbindung los. Zuerst wird sie viermal und ab Mitte April sechsmal pro Woche angesteuert.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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