Österreichs Flughäfen auf der grünen Welle

Die sechs heimischen Airports wollen bis spätestens 2050 CO2-neutral sein.

Die Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Verkehrsflughäfen wird von Julian Jäger (links) und Gerhard Widmann geleitet (Foto: Martin Metzenbauer).

Der Flugverkehr wird ja noch immer gerne plakativ als der größte Umweltsünder überhaupt dargestellt. Mittlerweile hat es sich allerdings schon ein wenig herumgesprochen, dass die Flugzeuge weltweit nur für weniger als drei Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich sind - in Österreich sind es laut Berechnungen überhaupt weniger als ein Fünftel Prozent. Damit diese Werte weiterhin nicht steigen sondern sogar sinken, unternehmen die Flugzeughersteller ja so einiges - Triebwerke sind heute viel weniger schluckfreudig als noch vor 20 Jahren und erzeugen dadurch auch weniger CO2. Dieser Werte werden sich in Zukunft durch neue Technologien und Treibstoffe noch weiter verbessern.

Nicht außer Acht darf man allerdings auch die Flughäfen selbst lassen. Welchen Anteil diese an den CO2-Emissionen der gesamten Branche haben, lässt sich zwar nicht so einfach errechnen. Airports sind heutzutage jedoch meist richtige Städte - auch mit den entsprechenden (meist nicht sehr positiven) Effekten auf die Umwelt. In Österreich haben die sechs Verkehrsflughäfen in den letzten acht Jahren allerdings ihren ökologischen Fußabdruck deutlich verbessert: Um mehr als 60 Prozent konnten die CO2-Emissionen von 2010 bis 2018 gesenkt werden - gleichzeitig ist die Passagierzahl um fast 30 Prozent gestiegen.

Die österreichischen Flughäfen haben von 2010 bis 2018 massiv CO2 eingespart (Grafik: ÖAV).

Das ist den österreichischen Flughäfen allerdings nicht genug: Bis zum Jahr 2050 wollen die heimischen Airports überhaupt CO2-neutral unterwegs sein, wie am Mittwoch bekannt gegeben wurde. Am Flughafen Wien rechnet man damit sogar bereits in rund zehn Jahren - Airport-Chef Julian Jäger (derzeit auch Präsident der Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Verkehrsflughäfen - AÖV) ist zuversichtlich, dass dies zu schaffen ist. Dies hat allerdings auch mit dem Mega-Projekt dritten Piste zu tun: Eine Auflage dafür ist nämlich, dass der Vienna International Airport bis 2030 CO2-neutral ist. Die Kosten für Investitionen in Richtung CO2-Neutralität bewegen sich laut Jäger in Wien im zweistelliger Millionenhöhe - allerdings sind auch deutlich niedrigere Betriebskosten zu erwarten.

Insbesondere hat man in Sachen CO2-Reduzierung vier Handlungsfelder im Visier: Energieversorgung, Gebäudetechnik, Fuhrpark/Mobilität sowie flughafenspezifische Anlagen. So will man im Energiebereich vermehrt auf erneuerbare Energien setzen - in Wien beispielsweise erzeugt man über Solarpanels künftig rund drei Millionen Kilowattstunden Strom (damit könnte man rund 1.000 Zweipersonen-Haushalte für ein Jahr versorgen). Aber auch der Verbrauch selbst soll durch Optimierungsmaßnahmen gesenkt werden

Gerhard Widmann (links), Julian Jäger (Mitte) und der Umweltanalytiker Reinhard Ellinger (rechts) stellten das Projekt "Net Zero 2050" vor (Foto: Martin Metzenbauer).

Potential gibt es auch bei der Gebäudetechnik - beispielsweise durch energieeffiziente Heizungs- und Kühlungssysteme mittels Geothermie. Die E-Mobilität nimmt ebenfalls einen gewissen Stellenwert ein. So erklärt Gerhard Widmann - Geschäftsführer des Flughafen Graz und Vizepräsident der AÖV - dass auf seinem Airport der E-Anteil am Fuhrpark bereits mehr als 20 Prozent beträgt und das Angebot an E-Ladepunkten auf den Parkplätzen deutlich ausgebaut worden ist. Schließlich kann man durch Umstellungen auf diversen flughafenspezifischen Anlagen von der Befeuerung bis hin zu Gepäckförderanlagen Verbesserungen erzielen.

Woran die Flughäfen wenig ändern können, sind die Belastungen durch Flugzeuge selbst - allerdings gibt es hier auch (zumindest indirekt wirksame) Ansatzpunkte. So wird der Flughafen Wien ab kommendem Jahr ein neues Lärmgebührenmodell einführen, bei dem die Betreiber von lauteren (und damit in der Regel älteren und verbrauchsintensiveren) Flugzeugen stärker zur Kasse gebeten werden. „Landungen von lauten Flugzeugen werden um rund 1.000 Euro mehr kosten, die den Betreibern von leiseren Maschinen zugute kommen werden“, so VIE-Vorstand Julian Jäger.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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