Österreich verbietet Flüge aus Spanien, Frankreich und der Schweiz

Maßnahme soll am Montag in Kraft treten.

Tower am Flughafen Graz (Foto: René Steuer).

Mit Hochspannung wurde die Pressekonferenz der österreichischen Bundesregierung zu weiteren Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus erwartet. Im Vorfeld kursierten viele Gerüchte, die zum Teil zu Hamsterkäufen führten. Besonders bedenklich erscheint auch, dass es laut diversen Medienberichten vereinzelt auch zu verstärkten Munitionskäufen in Waffengeschäften gekommen sein soll. Österreichs Innenminister musste schon vor der für 14 Uhr 00 angesetzten Regierungserklärung vor die Öffentlichkeit treten, um das Gerücht, dass es zu Ausgangssperren kommen könnte, aus der Welt zu schaffen.

Das soziale Leben soll ab Montag auf ein Minimum reduziert werden. Dies hat zur Folge, dass laut Bundeskanzler Sebastian Kurz die Restaurants, Bars und Cafés jeweils um 15 Uhr 00 schließen. Viele Läden und Geschäfte müssen ebenfalls geschlossen bleiben. Kurz betonte allerdings, dass dies ausdrücklich nicht für Lebensmittel, Apotheken, Tierfutter, Banken, Post und andere wichtige Versorger betreffen wird. Der Bundeskanzler sagte ausdrücklich, dass die Grundversorgung in jedem Fall gewährleistet bleibt. Auch Zustelldienste dürften weiterhin ihre Dienstleistungen anbieten. Beispielsweise Fitnessstudios müssen laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober allerdings geschlossen bleiben. Vorerst sollen die Einschränkungen eine Woche andauern, wobei laut Kurz täglich die Situation neu bewertet werden soll.

Die Grenzen sollen weiterhin nicht geschlossen werden, allerdings dürften laut Sebastian Kurz ab Montag keine Flüge aus Spanien, Frankreich und der Schweiz mehr in Österreich landen. Die Landgrenzen zur Eidgenossenschaft und zu Liechtenstein sollen aufgrund der aktuellen Corona-Krise wieder kontrolliert werden. Von der Einstellung der Flugverbindungen sind zahlreiche AIrlines, darunter Air France, Transavia, Austrian Airlines, Level Europe, Vueling, Swiss, Volotea und Lauda betroffen. Wie die Airlines darauf reagieren, ist zur Stunde noch unbekannt. Das Außenministerium rief laut Innenminister Karl Nehammer für Frankreich, Spanien und die Schweiz die höchste Reisewarnstufe aus.

In Österreich gibt es laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober derzeit 432 positive Testungen. In den letzten Tagen habe sich die Zahl um rund 40 Prozent erhöht. Es würden derzeit kontinuierlich mehr werden und die Entwicklungen wären verheerend. Unter Verweis auf die aktuelle Lage in Italien meinte der Politiker, dass Österreich derzeit gerade zwei Wochen Vorsprung gegenüber Italien hatte. Die Berichterstattung verglich der Gesundheitsminister mit Kriegsberichterstattung, denn die Anzahl der Todesfälle in Italien würde sprunghaft ansteigen. Eine Entwicklung wie im Nachbarland will man in jedem Fall vermeiden. Hierzu sollen insbesondere die sozialen Kontakte unter der Bevölkerung Österreichs reduziert werden. Dazu zählen auch weitgehende Besuchsverbote in den Spitälern in Österreich, denn so soll die Einschleppung des Virus’ vermieden werden.

Durch die Summe aller Maßnahmen sollen insbesondere hochgefährdete Personengruppen geschützt werden. In weiterer Folge will Österreichs Regierung Zustände wie in Italien vermeiden. Sowohl Kurz als auch Anschober betonten, dass es für die Bevölkerung zu Einschränkungen kommen wird, jedoch appelliert man an den Zusammenhalt der Österreicher.

Innenminister Karl Nehammer übte heftige Kritik an über Social-Media-Plattformen verbreitete Fehlinformationen. Er appellierte an die Bevölkerung, dass diese solche Meldungen nicht an sich herankommen lassen sollen und rief alle Verbreiter dazu auf dies zu unterlassen. Es würde nicht der Wahrheit entsprechen, dass Ausgangssperren geplant sind und alle Geschäfte geschlossen werden. Offen bleiben, wie von Bundeskanzler Kurz angekündigt, zahlreiche wichtige Branchen.

Das Paznauntal und St. Anton werden unter behördliche Quarantäne gestellt. Die Einheimischen dürften die Region für rund 14 Tage nicht verlassen, sollen jedoch durch die Behörden versorgt werden. Touristen müssen diese Regionen auf dem direkten Weg verlassen und haben sich anschließend in direkte Quarantäne zu begeben. 

Zwischenzeitlich schotten sich immer mehr Staaten ab und gaben Einreiseverbote für Europäer bekannt oder aber kündigten an, dass der Flug-, Zug-, und Fernbusverkehr eingestellt werden muss. Beispielsweise dürfen derzeit keine internationalen Passagierflüge ab den slowakischen Airports durchgeführt werden. Andere Länder, darunter beispielsweise Bulgarien, wollen derzeit noch nicht zu so drastischen Maßnahmen greifen. Die Entwicklungen der letzten Tage zeigen allerdings, dass dies manchmal auch nur eine Frage von Stunden sein kann bis die Verantwortlichen ihre Ansicht ändern und die regelrechte Abschottung des jeweiligen Landes ankündigen.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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