Ölpreis-Absturz wirft in der Luftfahrt neue Fragen auf

US-Sorte rutscht ins Minus.

Foto: Condor.

Der Ölpreis ist zu Wochenbeginn auf ein historisches Tief gefallen. Die US-Sorte WTI kostete am Montagabend europäischer Zeit bis zu minus 35 Dollar. Sprich, wer am Markt Öl abnahm, bekam Geld. Die für Europa maßgeblich interessante Nordseesorte Brent notiert mit leichten Abschlägen bei etwa 25 Dollar je Barrel (159 Liter).

Auf die Luftfahrt habe der WTI-Preisrutsch aufgrund der Brent-Dominanz und dem Fakt, dass „ohnehin kaum geflogen wird“, keinen Einfluss auf Airlines oder Luftfahrt-Industrie, so Experte Michael Santo von der Unternehmensberatung H&Z, die Zulieferer im Airbus-Umfeld berät. „Spannend hingegen ist die Frage, auf welchem Niveau sich der Ölpreis nach Wiederanlauf der Industrie in Europa und Nordamerika sich stabilisiert.“

Denn Low-Coster wie Ryanair und Easyjet haben in ihrer DNS eingebaut, dass sie immer wieder ihre Flotte überholen und werksneue Maschinen unterbringen. „Bleibt der Ölpreis dauerhaft niedrig, gibt es kaum einen sinnvollen Grund, die Neo-Modelle von Airbus oder die Max-Reihen von Boeing einzuflotten“, so Santo. „Der Wettbewerbsvorteil, der dadurch entstehen sollte, verpufft.“

So rutschte der Preis ins Minus

Dass der WTI-Preis am Montagabend ins Negative rutschte, ist leicht zu erklären und regelrecht erwartbar gewesen: Denn am Dienstag wurden die WTI-Futures fällig. Optionen auf Öllieferungen im Mai treten also in Kraft. Allerdings setzen viele Spekulanten darauf, dass sie die im Normalfall begehrten Vorbestellungen kurzfristig teuer weiterverkaufen können – an die, die Öl brauchen.

Doch aktuell ist weltweit kaum eine Nachfrage an Rohöl da. Die Händler mussten bei ihren Futures also sogar draufzahlen, um sie loszuwerden. Das Problem dahinter: Die Förder-Länder haben sich zu spät und zu zögerlich auf eine Drosselung geeinigt. Eine Einigung der OPEC-Staaten und ihrer Verbündeten lag erst nach Ostern vor – damals wurden weltweit hingegen schon 1,5 Millionen Corona-Infizierte gezählt.

Experten schätzen, dass Förder-Länder wie Saudi-Arabien oder Kuwait erst ab einem Ölpreis von 70 Dollar je Barrel ihre Kosten decken können. Bei Iran schätzt der IWF die Schwelle sogar auf knapp 400 Dollar.

Autor: Carlo Sporkmann
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Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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