Norwegian schickt vier Leiharbeitstöchter in die Insolvenz

Dänemark und Schweden sind betroffen.

Boeing 787-9 (Foto: Thomas Ramgraber).

Bereits lange vor der Corona-Pandemie war die Finanzlage der Billigfluggesellschaft Norwegian Air Shuttle massiv angespannt. Nun musste der Konzern vier Tochtergesellschaft in die Insolvenz schicken. Konkret handelt es sich dabei um Norwegian Pilot Services Sweden AB, Norwegian Pilot Services Denmark ApS, Norwegian Cabin Services Denmark ApS und Norwegian Air Resources Denmark LH ApS.

Norwegian beschäftigt insbesondere im skandinavischen Raum das fliegende Personal über konzerneigene Leiharbeitsfirmen. Für diese Praxis stand man in der Vergangenheit schon öfters im Kreuzfeuer der Kritik. Für vier dieser Gesellschaften musste am Montag Insolvenz angemeldet werden, teilte Norwegian in einer Aussendung mit. Hintergrund soll insbesondere sein, dass Dänemark und Schweden keine Kurzarbeitsmodelle anbieten.

„Die Auswirkungen des Coronavirus auf die Luftfahrtindustrie sind beispiellos. Wir haben alles getan, um diese letzte Entscheidung zu vermeiden, und wir haben um Zugang zu staatlicher Unterstützung sowohl in Schweden als auch in Dänemark gebeten“, so Norwegian-Chef Jacob Schram. „Unsere Piloten und das Kabinenpersonal bilden den Kern unseres Geschäfts und haben seit vielen Jahren fantastische Arbeit geleistet. Es ist herzzerreißend, dass unsere schwedischen und dänischen Tochtergesellschaften für Piloten und Kabinenpersonal nun gezwungen sind, Insolvenz anzumelden, und es tut mir wirklich leid, welche Konsequenzen dies für unsere Kollegen haben wird. Wir arbeiten rund um die Uhr daran, diese Krise zu überwinden und als stärkerer Norweger zurückzukehren, um so viele Kollegen wie möglich wieder in die Luft zu bringen“.

In einer Aussendung verweist Norwegian darauf, dass es in Norwegen – im Gegensatz zu Dänemark und Schweden – Kurzarbeitsmodelle übernimmt. Für die Dauer der Beurlaubung übernimmt der norwegische Staat sämtliche Gehaltskosten. Dies gibt es in Dänemark und Schweden allerdings nicht. Auch sollen die beiden Staaten der Fluggesellschaft Norwegian finanzielle Unterstützung für ihre Leiharbeitsfirmen verweigert haben, so dass dem Vorstand in Sachen Insolvenzanmeldung die Hände gebunden waren.

Aufgrund der außergewöhnlichen Situation (höhere Gewalt) hat Norwegian OSM Aviation auch darüber informiert, dass es die Vereinbarungen zur Bereitstellung von Besatzungsmitgliedern mit mehreren seiner gemeinsamen OSM Aviation-Tochtergesellschaften gekündigt hat. Diese Unternehmen haben Besatzungsmitglieder in Spanien, Großbritannien, Finnland, Schweden und den USA. Die oben genannten Maßnahmen betreffen 1.571 Piloten und 3.134 Kabinenpersonal. Rund 700 Piloten und 1.300 Flugbegleiter in Norwegen, Frankreich und Italien sind nicht betroffen.

Der Prozess der Insolvenzanträge der Tochtergesellschaften wird nun von Insolvenzgerichten und Insolvenzverwaltern in den jeweiligen Ländern verwaltet.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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