No-Show-Klauseln: Lufthansa erleidet Schlappe vor Gericht

Kranich zog die Berufung vor dem Landgericht Berlin zurück.

Airbus A320 (Foto: Thomas Ramgraber).

Die Preisgestaltung von Flugticketpreisen ist für Konsumenten nur schwer nachvollziehbar, denn nicht gerade selten kann es dazu kommen, dass eine Langstreckenverbindung mit Zubringerflügen günstiger verkauft wird als der Interkontinentalflug Point-to-Point. Rechtlich umstrittene No-Show-Klauseln sollen verhindern, dass Passagiere ihre Reise nicht in der gebuchten Reihenfolge in Anspruch nehmen. Also beispielsweise auf den Zubringer verzichten oder auf der Rückreise den Weiterflug nicht in Anspruch nehmen.

Lufthansa erlitt in diesem Zusammenhang eine Schlappe vor dem Berliner Landgericht, denn ein Passagier, der eine Business-Class-Reise von Oslo via Frankfurt am Main und zurück gebucht hatte, nahm auf dem Heimweg den Weiterflug in die norwegische Hauptstadt jedoch nicht in Anspruch, sondern stieg in Frankfurt aus. Anschließend reiste er mit einem anderen Flugticket nach Berlin weiter.

Laut Bildzeitung schickte Lufthansa dem Mann anschließend eine Rechnung über 2.112 Euro zu. Ursprünglich bezahlte der Passagier für den Return-Trip lediglich rund 657 Euro. Selbstredend, dass die Entrichtung der Nachzahlung verweigert wurde. Der Kranich reichte daraufhin vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte Klage ein und unterlag in erster Instanz. Die simple Erklärung des Gerichts: Die Dienstleistung war ohnehin bereits bezahlt und es gibt keine Verpflichtung diese auch tatsächlich in Anspruch zu nehmen und nachträgliche Preisänderungen sind unzulässig.

Das wollte Lufthansa offensichtlich nicht auf sich sitzen lassen und ging in Berufung vor das Landgericht Berlin. Doch diese wurde in der Verhandlung zurückgezogen, so dass das erstinstanzliche Urteil nun rechtskräftig ist. Laut jenem Rechtsanwalt, der den Passagier vertreten hatte, würde nun Rechtssicherheit bestehen, da der Kranich die Berufung zurückgezogen habe.

Diverse Fluggesellschaften haben in ihren Beförderungsbedingungen Klauseln verankert, die besagen, dass die Flüge in der gebuchten Reihenfolge angetreten werden müssen. Dies ist Konsumentenschützern ein Dorn im Auge, denn es ist wiederholt bei der Lufthansa Group dazu gekommen, dass wenn Reisende beispielsweise ihren Hinflug verpasst haben und sich dann oneway einen persönlichen Ersatzflug (oder eine sonstige alternative Reisemöglichkeit organisiert hatten), dann jedoch den gebuchten Rückflug antreten wollten, Nachzahlungen am Flughafen verlangt wurden. Bislang unterlagen die Airlines stets vor Gericht, dennoch praktizieren viele Fluggesellschaften diese Klauseln weiterhin. Der Fall, der in Berlin vor Gericht landete, ist insofern ungewöhnlich, da es selten vorkommt, dass eine Airline bei Nichtinanspruchnahme des letzten Flugsegments nachträglich eine Rechnung zuschickt.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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