Neue Hubschrauber für das marode Heer

Neue Hubschrauber braucht das Land. Einen neuen Eurofighterskandal braucht es aber nicht. Deswegen werden die Hubschrauber ohne Ausschreibung per Regierungsgeschäft beschafft. Die Entscheidung soll in den nächsten Wochen fallen.

Foto: Michael Csoklich.

63 Hubschrauber hat das Bundesheer derzeit. 9 Black Hawk, 23 Agusta Bell 212, 10 Bell OH-58 und 21 Alouette 3. Drei zusätzliche Black Hawk kommen demnächst, die 21 Stück Alouette müssen ersetzt werden. Ihre Lebensdauer ist 2023 zu Ende.

Ein möglicher Nachfolger der Alouette ist der Multifunktionshubschrauber H145M von Airbus. Gemeinsam mit dem kleineren Modell H135 wurde er von Deutschland eingeflogen und am Flugplatz Wiener Neustadt der Presse vorgeführt. Das allerneueste Modell der H145 hat fünf Rotorblätter, keinen Rotorkopf mehr, besteht aus Faserverbundwerkstoffen und hat ein Leergewicht von 1.895 kg. Mit einer Nutzlast von 1.905 kg kann der Hubschrauber mehr transportieren als er selbst wiegt. Aus der Sicht von Airbus ein wichtiges Verkaufsargument. Und Airbus bringt weitere Vorteile seines Hubschraubers gegenüber der Konkurrenz ins Spiel. Er kann bis zu 7000 m hoch fliegen, er sei der leiseste seiner Klasse, und die Direct Operating Costs liegen laut Experten mit 1.113 $ pro Flugstunde deutlich unter jenen der Konkurrenz. Für die militärische Ausrüstung bietet Airbus ein Modulsystem mit vielfältigen Varianten an. Und in nur wenigen Minuten kann der Hubschrauber zu einem Rettungshubschrauber umgerüstet werden.

Die Kosten des H145M liegen laut Airbus unter 10 Millionen € pro Stück. Je nach militärischer Ausrüstung erhöht sich der Preis um rund 25%. 300 Stück fliegen bis jetzt, 60 davon beim Militär. Sollte sich Österreich für Airbus entscheiden, könnten die Hubschrauber 18 Monate nach Bestellung ausgeliefert werden. Derzeit werden im Werk in Donauwörth 70 - 80 Stück pro Jahr gebaut, Corona habe bis jetzt keine Einschnitte gebracht.

Fünf österreichische Partnerunternehmen hat Airbus im Boot. Scotty, Schiebel, Fire Kraft, AMST und AAT. Diese Unternehmen kooperieren mit Airbus bei Satellitenverbindungen, Drohnensteuerung oder bei Simulatoren. Dass Österreich wegen des Eurofighter mit Airbus „auf Kriegsfuss“ steht, sehen die Manager der Airbussparte Hubschrauber nicht als Hindernis, um zum Zug zu kommen. Die Geschäfte hätten nichts miteinander zu tun, und Airbus habe heute ein robustes und transparentes Compliance-System.

Unter 20 Stück, man hört von 16, will Österreich von den neuen Hubschraubern kaufen. Weil die Beschaffung der Kampfflugzeuge im Zuge einer Ausschreibung im Eurofighterskandal geendet hat, will die Regierung jetzt anders vorgehen. Ohne Ausschreibung sollen die Hubschrauber über ein Regierungsgeschäft beschafft werden. Das Militär erstellt ein Pflichtenheft, was der Hubschrauber können muss und soll und vergibt dafür Punkte. Testflüge oder Präsentationen werden keine durchgeführt. Drei bis fünf Typen kommen laut Bundesheer in Frage. Für welche Type sich das Heer entscheidet, soll in den nächsten Wochen fixiert werden. Danach wird entschieden, über welchen Staat die Hubschrauber bestellt werden. In Frage kommen theoretisch die europäischen Staaten plus USA und Kanada, praktisch bleiben laut Bundesheer fünf Länder übrig. Welche Typen neben Airbus im Rennen sein können, will das Bundesheer nicht sagen. Es handle sich um einen laufenden Beschaffungsprozess. Die Geschichte wird zeigen, ob Airbus Verteidigungsministerin Tanner noch kennenlernen wird, und ob es ein Beschaffungsprozess ohne Ärger wird.

Autor: Michael Csoklich
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Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Er ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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