Nachgefragt bei Iraqi Airways

Airline-Repräsentant Deschad Hotmann im Gespräch mit Austrian Aviation Net über das Comeback der Airline in Wien, die Weiterflüge nach London und Pläne auf dem österreichischen Markt.

Delschad Hotman hat in Wien studiert und leitet als GSA (SHAD GmbH) die Agenden von Iraqi Airways in Österreich (Fotos: Martin Dichler).

Der 25. April 2014 war für die irakische nationale Fluggesellschaft Iraqi Airways und ihre Mitarbeiter, ein Tag der Freude.  Mit der Wiederaufnahme einer dreimal wöchentlich bedienten Flugverbindung zwischen Bagdad, Najaf, Erbil und Wien, kehrte wieder ein Stück Normalität in das vom Krieg gebeutelten Unternehmen zurück. 

Iraqi Airways wurde 1945 gegründet und bereits ab dem Jahr 1964 bediente man die traditionsreiche  Verbindung nach Wien. Zum Einsatz auf den Flügen via Istanbul kamen Boeing 727, 737 und manchmal sogar eine Boeing 747SP. Mit dem Beginn des ersten Irak Krieges und den damit verbundenen Boykotts der internationalen Gemeinschaft im Jahr 1989, begann der langsame Abstieg des einst angesehenen arabischen Fluglinie. Die grün bemalten Flugzeuge verschwanden für die nächsten 25 Jahre von der Bildfläche des Wiener Flughafens. Heute ist Iraqi Airways wieder sichtbar in Österreich präsent. Mit einem repräsentativen  Stadtbüro am Opernring 3-5, zeigt die Fluggesellschaft seit einigen Wochen wieder Flagge am heimischen Markt.

Austrian Aviation Net sprach mit Deschad Hotman (GSA SHAD GmbH & Aera Manager Iraqi Airways Austria) über die Wiederaufnahme der traditionsreichen Wien-Flüge.

AANet: Herr Mag. Hotmann, Iraqi Airways ist nach 25 Jahren wieder nach Wien zurück gekehrt. Was waren die Beweggründe ihrer Fluggesellschaft, die Flüge nach Wien wieder aufzunehmen?
Hotman: Der Irak sucht wieder die Beziehungen und eine Rückkehr zur Normalität.  Wien war durch seine Lage und die vielen internationalen Organisationen wie der OPEC oder der UNO, immer schon eine sehr wichtige Destination für IRAQI Airways. Österreich ist außerdem geografisch zentral gelegen und wie man weiß, seit Kreisky`s Zeiten sehr Araber freundlich. 

AANet: Geben Sie uns einen Einblick in ihr Unternehmen, in wie weit hat sich der Flugbetrieb von IRAQI Airways nach den Kriegswirren des ersten und zweiten Golfkrieges wieder normalisiert?
Hotman: Unsere Flugzeugpark wächst ständig und schon bald haben wir  wieder 40 Flugzeuge in unserer Flugzeugflotte. Wir bieten ein immer größer werdendes Streckennetz an, darunter auch Langstreckenflüge nach Malaysia, Indien , China und Südafrika. In Europa fliegen wir nach Schweden, Dänemark, Deutschland und seit 25. April neu nach Wien.

(Angaben der Redaktion: Laut airlinefleet.net, verfügt IRAQI Airways über einen Flottenmix aus 25 Flugzeugen. Darunter A-320/321/330, Boeing 737-200/700/800, Boeing 747-400/767-300/777-200 und sechs CRJ 900)

AANet: Gibt es den in Österreich eine irakische Community, sprich ethnischen  Verkehr,  der für ihre Flüge von Potential ist?
Hotman: Bereits seit den 1980er Jahren gibt es eine große irakische und kurdische Gemeinde in Österreich. Damit verbunden natürlich auch ethnischen Verkehr zwischen den beiden Ländern. Durch die zentrale Lage Österreichs, sind unsere Flüge ab Wien aber auch für Bürger aus dem Süden Deutschlands, Italien und natürlich Osteuropa von Interesse. Es gibt einige slowakische und tschechische Unternehmen die im Irak arbeiten. Wir suchen hier derzeit die Zusammenarbeit mit den Organisationen und Botschaften. 

(Anmeldung der Redaktion: 5.627 Personen irakischer Herkunft leben laut Statistik Austria derzeit in Österreich.) 

AANet: Wien ist bekannt dafür, dass viele Araber hier ihren Sommerurlaub verbringen. Gibt es eine irakische Oberschicht, die über das nötige Budget für Auslandsaufenthalte dieser Art verfügt? 
Hotman: Es gibt eine große Nachfrage danach, den einige Leute verdienen im Irak  sehr gut! Leider gibt es aber Probleme mit den Visum für Österreich. Es gibt nur eine österreichische Vertretung in Erbil, was es für die Iraker nicht einfach macht, ein Visum zu beantragen. Arabische Gäste geben wie hinlänglich bekannt, sehr viel mehr Geld für ihren Urlaub aus, als andere vergleichbare Nationen.  Österreich sollte hier für Erleichterungen sorgen!

AANet: Gibt es österreichische Unternehmen die im Irak tätig sind und investieren?
Hotman: Die gibt es schon, aber leider viel zu wenige! Ich habe in Österreich studiert und bemühe mich persönlich schon seit vielen Jahren um ein stärkeres Engagement österreichischer Unternehmen im Irak.  Es gibt einige Firmen aus der Bau& Ölindustrie, welche großes Interesse an Investitionen im Irak zeigen. 

AANet: Wie entwickeln  sich die neuen Strecken in den Irak, sind Sie mit den Buchungen zufrieden?
Hotman:
Die Buchungen sind für den Anfang nicht schlecht, aber zu schwach für einen wirtschaftlichen Erfolg. Aller Anfang ist schwer und wir müssen erst wieder das Vertrauen der Passagiere zurück gewinnen. Derzeit fliegen durchschnittlich 30 Passagiere auf unseren Routen in den Irak. Wir müssen hier unser Marketing verstärken und unser Buchungssystem im Unternehmen generell modernisieren. So  können wir derzeit noch keine Flugtickets online verkaufen!

Die Nachfrage für Flüge nach Najaf ist zu wenig, weshalb wir zuletzt nur zwei Flüge in der Woche auf der Strecke Bagdad-Erbil-Wien angeboten haben. Es gibt aber eine große Nachfrage für Flüge nach London!  So fliegen wir ab dem 24.Juni 2014 mit vier wöchentlichen Flügen auf der Strecke Bagdad-Wien-London, bzw. Sulaymaniyah- Wien- London.


So entspannt wie auf diesem (gestellten) Bild, sind aufgrund der wechselnden Sicherheitslage im Irak, die Crews nicht immer!

AANet: Habe ich Sie jetzt richtig verstanden, Sie wollen vier wöchentliche Flüge über Wien nach London anbieten?Hotman:  Richtig, ab dem 24. Juni führen  wir alle unseren London Flüge über den Flughafen Wien. Alle Flüge in Richtung Großbritannien werden einen Transitstopp (keine Transitrechte) in Wien einlegen, da die englische Regierung derzeit keine Direktflüge zwischen dem Irak und London zulässt!


Mit einem Team von nur fünf Mitarbeitern, bewältigt das Unternehmen ab dem 24.Juni, fünf wöchentliche Abflüge ab Wien.


Die Fluggesellschaft zeigt Flagge, am Opernring wurde ein repräsentatives Stadtbüro eröffnet.

AANet: Kurz vor unserem Treffen habe ich auf der Homepage ihres Mitbewerbers, die Preise für Flüge nach Erbil abgefragt. Die günstigsten Tarife lagen hier bei knapp € 1000,- Wie sieht die Tarifstruktur bei Iraqi Airways aus?
Hotman: Unsere Flugtickets in den Irak sind bedeutend preiswerter, bei uns beginnen die Preise bei € 522,- (return) und  € 422,- (one-way)!  Aber auch im Vergleich mit einer Turkish Airlines, die sehr viel Verkehr in den Irak über Istanbul generiert, sind wir mit unseren Flugzeiten und Flugpreisen besser aufgestellt. 

AANet: Abschließend noch eine letzte Frage, welche Ziele hat sich ihr Unternehmen in Österreich gesetzt?
Hotman:
 Unser erstes Ziel war die erfolgreiche Aufnahme der regelmäßigen Linienflüge zwischen den beiden Ländern und damit verbunden, eine Normalisierung der internationalen Beziehungen. Die Menschen in unseren Land wollen Frieden und eine Rückkehr zur Normalität.

Autor: Martin Dichler
Martin Dichler war bis 2019 Vorsitzender der Flughafenfreunde Wien und schreibt seit Jahren als freier Journalist für diverse Luftfahrt- und Reisemedien.

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