Nach Pilotenvorwürfen: Austrocontrol prüft Lauda

Vier Nominated Persons zurückgetreten, anschließend laut Medienbericht von der Geschäftsleitung gekündigt.

Airbus A320 OE-LOY (Fotos: Thomas Ramgraber).

Bei der österreichischen Fluggesellschaft Lauda ist es unbestätigten Angaben nach in den letzten Wochen zu insgesamt elf personellen Veränderungen, vornehmlich im Bereich des mittleren Managements gekommen. Davon betroffen sein sollen laut einem Medienbericht der Tageszeitung „Der Standard“ auch die Positionen Flugbetriebsleiter, Trainingschef, stellvertretender Trainingschef und technischer Pilot. Bereits zuvor wurde über ein Anschreiben an die Belegschaft bekannt, dass der Personaldirektor die Ryanair-Tochter verlassen hat.

Als Flugbetriebsleiter fungierte zuletzt Kapitän Andreas Geldner, der seine Pilotenlaufbahn vor rund 35 Jahren bei der Rheintalflug Seewald Ges.m.b.H. startete. Später war er unter anderem für Teamline-Fairline rund um Georg Pommer fliegerisch tätig, ehe er wieder bei Rolf Seewald anheuerte und bei InterSky sogar für rund sieben Monate Geschäftsführer der Regionalfluggesellschaft war. Nach seinem Wechsel von InterSky zu Niki im Jahr 2011 war er durchgehend für die Air-Berlin-Tochter tätig und ist anschließend bei Lauda nebst seiner Funktion als Flugkapitän auch Nominated Person Flight Operations und somit Flugbetriebsleiter.

Fluggesellschaften müssen zwingend über einen Accountable Manager verfügen, der gegenüber der Luftfahrtbehörde der erste Ansprechpartner ist. Ihm bzw. ihr obliegt die Gesamtleitung des Flugbetriebs und der sog. ACM muss nicht zwingend der handelsrechtliche Geschäftsführer sein. Dem Accountable Manager unterstehen weitere Fachbereichsleiter, die als Nominated Persons (vormals Postholder) bezeichnet werden. Diesen Managern kommt ebenfalls eine besondere Bedeutung zu, da diese gegenüber der Behörde für ihren jeweiligen Fachbereich verantwortlich sind. Auch die Nominated Persons müssen nicht zwangsweise der handelsrechtlichen Geschäftsleitung angehören. Zusammengefasst ergibt sich, dass es bei Fluggesellschaften durchaus dazu kommen kann, dass die handelsrechtliche und luftfahrtrechtliche Leitung voneinander abweichen können. In der Regel bekleiden die Funktionen des Accountable Managers und der Nominated Persons äußerst erfahrene Kapitäne, Techniker oder Luftfahrtkaufleute, deren Tätigkeit übrigens von der Luftfahrtbehörde einzeln genehmigt werden muss.

Vier Nominated Persons zurückgetreten

Die Tageszeitung „Der Standard“ berichtet ohne nähere Quellenangabe, dass vier Nominated Persons, die gleichzeitig auch aktive Kapitäne sind, vor wenigen Tagen ihre Funktionen zurückgelegt haben sollen. Das Medium behauptet weiters, dass den betroffenen Mitarbeitern nicht die „dafür nötigen Ressourcen“ zur Verfügung gestellt worden sein sollen. Am vergangenen Freitag soll die Geschäftsleitung um Firmenchef Andreas Gruber den vier Flugzeugführern dann die Kündigung ausgesprochen haben.


Airbus A320 OE-IHL.

Letztlich ist es auch möglich, dass im Zusammenhang mit den personellen Veränderungen von irgendjemandem auch ein Hinweis an die ACG gegeben wurde, denn Austrocontrol leitete laut dem Medienbericht eine Untersuchung ein. Es handelt sich dabei um eine so genannte Just-Culture-Prüfung, denn Airlinemitarbeiter sind verpflichtet gewisse Dinge wie Verfehlungen unverzüglich an die Luftfahrtbehörde zu melden. Hierbei kann es sich um die verschiedensten Dinge, beispielsweise Mängel an einem Fluggerät, unliebsamen Drohnenkontakt, aber auch organisatorische Themen, handeln. Derartige Meldungen sind üblich und kommen bei sämtlichen Fluggesellschaften europaweit nahezu täglich vor. Mitarbeiter sind auch abgesichert, denn diese dürfen keine Konsequenzen für das Personal haben, da sie in Pflichterfüllung handeln und somit auch im Sinne der Sicherheit.

Airline-Chef Andreas Gruber will Anschuldigungen nicht kommentieren

Die Tageszeitung „Der Standard“ behauptet, dass bei Lauda keine Fehler- sondern eine Angstkultur herrschen würde und die Meldung von Fehlern zu ernsthaften Konsequenzen führen könnten, die bis hin zur Kündigung reichen sollen. In diesem Zusammenhang sollen vier Nominated Persons ihre Funktionen niedergelegt haben und zumindest deutet „Der Standard“ an, dass die Kultur an die ACG berichtet wurde, die nun eine Prüfung der Vorwürfe eingeleitet hat. Damit konfrontiert wollte sich Lauda-Geschäftsführer Andreas Gruber gegenüber AviationNetOnline nicht äußern und verwies darauf, dass man interne personelle Entscheidungen grundsätzlich nicht kommentiere.


Airbus A320 OE-LOZ.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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