Nach einem Jahr: Bern-Belp konnte SkyWork nicht kompensieren

Neue Cityverbindungen noch immer in sehr weiter Ferne.

Saab 2000 (Foto: Roland Bergmann).

Heute vor genau einem Jahr, am 29. August 2019, musste die schweizerische Regionalfluggesellschaft SkyWork den Flugbetrieb einstellen und musste den Gang zum zuständigen Konkursamt Bern-Mittelland antreten. Der Flughafen Bern-Belp verlor damit seinen Homebasecarrier und konnte so gut wie alle einst von SkyWork angebotenen Verbindungen bis heute nicht kompensieren. Der Carrier konnte auf eine lange Tradition zurückblicken, denn die Gründung erfolgte bereits im Jahr 1983.

Von der Pleite waren auch Verbindungen nach Österreich betroffen, denn der Carrier war ab Wien und Graz tätig. Der Wegfall der SkyWork-Flüge ab Bern-Belp zeigte auch, dass es für kleine Airports äußerst schwierig ist einen Ersatz an Land zu ziehen, denn die Anzahl der Operator, die geeignetes Fluggerät für eine solche Operation betreiben, ist im letzten Jahrzehnt stark zurückgegangen. Der Konkurs von SkyWork zeigte auch wie schwierig es ist in der D-A-CH-Region im klassischen Regionalfluggeschäft tätig zu sein, denn im letzten Jahrzehnt mussten beispielsweise mit InterSky, Robin Hood, Darwin Airline, OLT Express, Air Alps und vielen weiteren äußerst viele Regio-Carrier aufgeben, oftmals im Rahmen einer Pleite.

Ein entscheidender Grund hierfür ist, dass es unmöglich ist mit kleinem Fluggerät mit Dumping-Angeboten von Billigfluggesellschaften, aber auch jenen von Netzwerkcarriern wie Swiss, Lufthansa oder Austrian Airlines, mithalten zu können. Die Kosten pro Sitzplatz sind logischerweise deutlich höher, während Netzwerker diese über andere Routen quersubventionieren können und Lowcoster sowieso ein anderes Geschäftsmodell verfolgen. Die Kernzielgruppe von Regionalfluggesellschaften sind Geschäftsreisende und folglich muss zumindest der doppelte Tagesrand angeboten werden, um für diese attraktiv zu sein. Privatreisende empfinden die Preise der Regios – auch unter dem Eindruck der Preise der Billigflieger – oftmals als zu hoch. Die Konsequenz ist, dass am Ende die Rechnung nicht aufgeht und der Regionalcarrier aufgeben muss. Wie das Beispiel Bern-Belp zeigt, steht dann die komplette Region ohne City-Anbindungen da.

Doch nicht nur die hohen Stückkosten von kleinen Flugzeugen sind kompliziert, sondern auch die Tatsache, dass Airports wie Bern-Belp exorbitant hohe Gebühren erheben, die in der Gesamtrechnung die Flugpreise in die Höhe treiben. Solange SkyWork flog, verdiente der Regionalflughafen bestens an der Airline, schlitterte jedoch nach der Pleite rasch in die roten Zahlen und musste sogar den Personalstand erheblich reduzieren.

Selbstverständlich gab die Politik ein klares Bekenntnis zum Flughafen Bern-Belp ab und über eine Beteiligung des Kantons soll auch die Zukunft finanziell abgesichert werden, doch Lowcoster will das Management nicht ins Belpmoos locken. Dafür wäre der Airport auch aus ganz anderen Gründen nicht geeignet, denn es wären zahlreiche Investitionen in die Infrastruktur notwendig, um ganzjährigen Flugbetrieb mit den Typen A320 und Boeing 737 sicherstellen zu können. Noch dazu gilt Bern-Belp als besonders nebelanfällig und die bereits erwähnten hohen Gebühren an diesem Airport passen ohnehin so ganz und gar nicht ins Portfolio von Billigfliegern wie Ryanair oder Wizzair.

Ein Jahr nach der SkyWork-Pleite zeigt allein der Umstand, dass das Passagierterminal in Bern-Belp sogar für Feiern und Hochzeiten vermietet wird, dass ein Nachfolger für das Angebot der ehemaligen Regionalfluggesellschaft in ganz weiter Ferne ist und der Finanzplatz Bern mit der Schmach leben muss, dass man auf den Flugnetzkarten quasi nicht mehr präsent ist. Die wenigen Ferienflüge, die momentan von diversen Airlines ab Bern-Belp angeboten werden, sind für die Wirtschaft nicht relevant.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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