Moldaeroservice: Kleines Unternehmen mit großen Plänen

In der moldawischen Hauptstadt Chisinau ist eine einzigartige Luftfahrtfirma angesiedelt: Moldaeroservice ist ein Staatsunternehmen, das nach der Unabhängigkeit des Landes aus den Beständen der früheren Aeroflot Dependance am 12. September 1994 gegründet wurde. Neben regulären Hubschrauberflügen betreibt Moldaeroservice mit dem Balti Airport auch den zweitgrößten Flughafen des Landes - zudem bereitet man sich derzeit auf eine Zukunft als Betreiber eines Aviation Competence Centers vor. 

Unterwegs mit dem Mil Mi-2 von Moldaeroservice (alle Fotos: Martin Dichler).

Die Geschichte von Moldaeroservice geht auf das Jahr 1966 zurück, als das Unternehmen in der damaligen Sowjetunion für regionale Agrikultur- und Transportdienste mit Sitz am Flughafen Chisinau gegründet wurde. Zunächst standen zahlreiche Antonov An-2 Doppeldecker, Kamov-26 Sprayhelikopter sowie 14 Stück Mil Mi-2 Transporthubschrauber im Einsatz. Doch mit der Perestrojka und dem Zerfall der Sowjetunion endete zunächst auch die Geschichte des moldawischen Luftfahrtunternehmens. Mit der Neugründung durch die moldawische Zivilluftfahrtbehörde im September 1994 übernahm das Unternehmen allerdings wieder Teile seiner früheren Aufgaben, wobei heute nur noch eine Flotte aus vier Mi-2 Helikoptern zum regelmäßigen Einsatz kommt, wie Moldaeroservice Generaldirektor Viorel Catana gegenüber AviationNetOnline bei einem Besuch in Chisinau erläutert.

Moldaeroservice Generaldirektor Viorel Catana hat große Pläne für die Zukunft.

Der Mi-2 ist ein Helikopter sowjetischer Produktion, der von zwei Klimow GTD-350 Motoren mit je 400 PS Leistung angetrieben wird und für die Aufgaben des Unternehmens bestens geeignet scheint. Bis in die späten achtziger Jahre wurden im polnischen Lizenzwerk WSK an die 5.000 Stück des universell einsetzbaren Leichthelikopters hergestellt. Aufgrund der hohen Stückzahlen, die zwischen 1966 und 1988 gebaut wurden, ist es auch heute für Moldaeroservice noch einfach, die für den Betrieb notwendigen Ersatzteile der inzwischen mehr als 30 Jahre alten Helikopter zu beschaffen.

 

Die ER-20739 ist Baujahr 1982 versieht aber dank genügender Ersatzteile immer noch brav ihren Dienst.

Nachdem das Unternehmen im staatlichen Auftrag fliegt, werden mit den Mehrzweckhubschraubern hauptsächlich Such- und Rettungsmissionen sowie Forst- und Agrarflüge durchgeführt. Sowohl Passagier- als auch Frachtflüge runden das Portfolio von Moldaeroservice ab. Nachdem der Tourismus in Moldawien zuletzt verhältnismäßig starke Zuwächse verzeichnen konnte, möchte man schon bald auch touristische Flüge innerhalb Moldawiens anbieten. Der größte Vorteil des Mi-2 Flugbetriebes liegt in seinen niedrigen Unterhaltkosten, ein 10-minütiger Rundflug für bis zu sechs Passagiere kann bereits ab kostengünstigen 200 US-Dollar gebucht werden.

Cockpit der Mil Mi-2.

Schon heute wird das staatliche Flugunternehmen mit seiner Belegschaft aus 55 erfahrenen Technikern und Piloten - nach Angaben von Generaldirektor Viorel Catana - profitabel betrieben. Für den Transport von schweren Lasten oder einer effektiven Bekämpfung von Waldbränden wäre die Anschaffung eines größeres Transporthubschraubers in Form einer Mil-17 wünschenswert. Doch bei einem Kaufpreis von 14 Millionen US-Dollar sind Investitionen in dieser Höhe genau zu überlegen, wie Catana betont.

Balti Airport
Moldaeroservice ist aber nicht nur ein staatliches Luftfahrtunternehmen, sondern auch der Betreiber des zweitgrößten Flughafens des Landes. Im Dreiländereck Moldawien, Ukraine, Rumänien befindet sich mit 100.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes. Bereits in den 1970er Jahren begann man mit dem Bau eines Flughafens in Balti um Direktflüge in alle Teile der ehemaligen Sowjetunion anbieten zu können. Bis zu 20 wöchentliche Flüge nach Moskau, Kiew und in andere Regionen des Riesenreiches wurden in der Vergangenheit ab dem Balti Airport bedient.

Die große Hecktüre bietet einen leichten Zugang auch für medizinische Transporte.

Nach Ende der Sowjetunion verfiel der Flughafen in einen Dornröschenschlaf. Heute betreibt Moldaeroservice den Flughafen mit seiner 2.208 x 43 Meter langen Piste und bemüht sich, einen regulären Flugverkehr wiederherzustellen. Dafür müssten aber erst ein neuer Terminal sowie ein Tower samt zusätzlicher Einrichtungen geschaffen werden, um den heutigen Ansprüchen zu genügen. Pläne für eine Revitalisierung des Flughafens liegen bereits vor, sind bislang aber aufgrund fehlender Investitionen gescheitert.

Checkliste mit kyrillischer Schrift im Mil Mi-2.

Dabei könnte der Balti Airport laut Generaldirektor Viorel Catana zukünftig die Funktion eines Low Cost Flughafens einnehmen. Der Hintergrund für die Bemühungen einen zweiten Flughafen in Moldawien für kommerzielle Flüge fit zu machen, liegt in der Privatisierung des Hauptstadtflughafens Chisinau. Dieser wurde im Jahr 2013 einer Privatisierung unterzogen, wobei der neue private Flughafenbetreiber Avia Invest eine Betreiberkonzession für die Dauer von 49 Jahren erhalten und der Staat damit auf lange Zeit hinaus keinen Einfluss auf die Entwicklung des Hauptstadtflughafens hat. 

Aviation Competence Center
Ein weiteres Projekt von Moldaeroservice ist die Errichtung eines MRO (Maitenance, Repair, Operation) Centers am Flughafen Chisinau. Für die Errichtung eines neues Hangars mit einer Größe für zwei A320 oder Boeing 737 Jets, stehen dem Unternehmen 7.500 Quadratmeter Betriebsflächen zur Verfügung. Neben europäischen und russischen Airlines könnten laut Generaldirektor Viorel Catana auch lokale Fluglinien wie Air Moldova oder FlyOne zukünftig auf das neue Angebot zurückgreifen. Moldaeroservice hat dazu eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, um das Potential für einen moldawischen MRO Betrieb zu analysieren. Bis zu 400 Mitarbeiter könnten laut Studie in der neuen Unternehmenstochter eine Anstellung finden, wobei man nicht nur Wartungsarbeiten an Flugzeugen, sondern auch die Ausbildung des dazugehörenden technischen Personal übernehmen möchte.

Der bunte Hauptsitz von Moldaeroservice.

Geht es nach den Plänen von Generaldirektor Catana, könnten zukünftig auch Piloten und Flugbegleiter im eigenen Unternehmen ausgebildet werden und so ein neues Aviation Competence Center mit Sitz in Moldawien geschaffen werden. Die niedrigen Lohkosten Moldawiens wären sicherlich ein großer Anreiz für so manchen Investor, wobei es nicht leicht werden wird, seriöse Partner für das 25-Millionen-Euro-Investment ins Boot zu holen.

Autor: Martin Dichler
Martin Dichler war bis 2019 Vorsitzender der Flughafenfreunde Wien und schreibt seit Jahren als freier Journalist für diverse Luftfahrt- und Reisemedien.

    Special Visitors

    CARGOLUX / LX-NCL
    Maleth Aero / 9H-VOX
    ANTONOV AIRLINES / UR-09307
    Russian Air Force / RA-85155
    Volga-Dnepr Airlines / RA-82042
    ROSSIYA / EI-UNP
    Antonov Airlines / UR-82007

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Michael Csoklich

    Martin Dichler

    Carlo Sporkmann

    Stefan Eiselin