Michael O'Leary: "Es gibt keinen Druck auf die Crews"

Das Ryanair-Urgestein war auf Kurzvisite in Wien und versuchte die Tochter Lauda ins rechte Licht zu rücken.

Die Kritik der österreichischen Pilotenvereinigung scheint Michael O'Leary wenig zu kratzen (Foto: Thomas Ramgraber).

In den letzten Wochen hat Lauda ganz ordentlich ihr mediales Fett abbekommen: Diverse Technicals, eine Prüfung durch Austro Control und angeblich aus Angst vor Repressalien krank fliegende Crews haben Zeitungen sowie auf Flugzwischenfälle spezialisierte Onlineportale beschäftigt. Und auch die Austrian Cockpit Association (ACA) hat jüngst Flugsicherheitsbedenken via OTS-Aussendung bei Lauda kundgetan.

Michael O'Leary - eigentlich wegen der Bekanntmachung der neuen Lauda-Basis inZadar nach Wien gereist - kann offenbar gerade mit der ACA relativ wenig anfangen. Sie sei "irrelevant", so der langjährige Ryanair-Chef und setze sich in erster Linie aus Piloten des Konkurrenten Austrian Airlines zusammen. "Es gibt keinen Druck auf die Crews", so O'Leary. Wer krank sei, dürfe auch nicht fliegen. So habe man aus diesem Grunde rund 25 Piloten und 50 Flugbegleiter auf "Standby". Etwas überraschend erklärte er auch: "Wir wollen einen legalen Betriebsrat." Die Betriebsratswahl im Oktober bezeichnete er als illegal - diese werde nicht anerkannt.

"Maschinen fallen aus"
Neben den Personalfragen können Michael O'Leary aber auch die Technicals der letzten Wochen offenbar nicht aus der Ruhe bringen: "Maschinen fallen aus", so der Ire trocken, "Aus diesem Grund gibt es Ersatzmaschinen." Zwei Flugzeuge halte Lauda für den Fall der Fälle bereit. Die Zusammenarbeit mit Austro Control - die ja eine vertiefte Prüfung bei der Airline durchführt - beschreibt er als "sehr gut."

Lauda-Boss Andreas Gruber (Foto: Thomas Ramgraber).

Das eigentliche Thema der Presseveranstaltung war allerdings neben der Zadar-Bekanntgabe eine Vorschau auf die nähere Lauda-Zukunft: So möchte man die Passagiere von aktuell 6,5 auf 10 Millionen im Geschäftsjahr 2020/21 steigern und damit schön langsam der AUA die Bezeichnung "größte Airline Österreichs" zumindest bei der Fluggastzahl streitig machen. Alleine in Wien sollen es 2020 rund fünf Millionen Reisende sein.

Neben der Basis Zadar wird man im kommenden Sommerflugplan vor allem in der österreichischen Hauptstadt (32 neue Routen) und Stuttgart (sechs neue Strecken) wachsen. Von Düsseldorf wird es mit Sevilla eine und von Palma mit Knock und Klagenfurt zwei neue Routen geben. In Wien sollen im nächsten Sommer insgesamt 16 Airbus A320 von Lauda sowie drei Boeing 737-800 von Ryanair stationiert werden. Aktuell arbeiten am Standort Wien rund 450 Personen für Lauda.

Das Headquarter von Lauda in Schwechat (Foto: Martin Metzenbauer).

Break-Even im nächsten Geschäftsjahr
Etwas weniger erfreulich sieht es mit dem erwarteten Finanzergebnis im aktuellen Fiskaljahr aus: Rund 80 Millionen Euro Miese wird das Unternehmen laut Airline-Chef Andreas Gruber machen. Zu Beginn des Geschäftsjahres ist man noch von 50 Millionen Euro ausgegangen. Die Ursache sieht Michael O'Leary unter anderem darin, dass man im Zuge der jüngsten Airline-Pleiten schneller wachsen musste als ursprünglich geplant. Der Break-Even im nächsten Geschäftsjahr sollte sich ausgehen, wenn die Ticketpreise leicht gesteigert werden können.

Eine interessante Neuigkeit gibt es noch: Lauda will bereits im Jahr 2020 ein eigenes Simulatorzentrum errichten. Auf einen Ort habe man sich laut Andreas Gruber allerdings noch nicht festgelegt.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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