Medizinische Drohnenflüge in Hamburg getestet

Lufthansa Technik an Projekt beteiligt

(Foto: ZAL)

Unter Schirmherrschaft der deutschen Regierung sind mit dem Forschungsprojekt Medifly erstmals Drohnenflüge zum Transport von medizinischen Proben getestet worden. Wie aus einer Mitteilung des Bundesverkehrsministeriums hervorgeht, hat es sechs Testflüge auf einer Strecke von fünf Kilometern zwischen dem Bundeswehrkrankenhaus im Hamburger Teil Wandsbek-Gartenstadt und dem Marienkrankenhaus in Hohenfelde gegeben. Medifly ist ein Projekt von FlyNex, an dem auch Lufthansa Technik beteiligt ist.

Ziel von Medifly ist es, herauszufinden, ob der akute Transport medizinischer Gewebeproben mittels einer Drohne zuverlässig und sicher erfolgen kann. Solche Gewebeproben – sogenannte Schnellschnitte – werden oft im Rahmen medizinischer Eingriffe entnommen und müssen noch während der Operation durch einen Pathologen untersucht werden. Nur so kann festgestellt werden, ob sämtliches krankhaftes Gewebe während des Eingriffs entfernt wurde. Dafür werden in der Regel mehrere Proben an unterschiedlichen Stellen entnommen, einzeln verpackt und zur Befundung in die Pathologie gebracht.

Tatsächlich verfügen die meisten Krankenhäuser jedoch nicht mehr über eigene Pathologien, weshalb die Gewebeproben bislang mit einem Rettungswagen zur Pathologie eines anderen Krankenhauses transportiert werden müssen. Für die Dauer dieses Transports und der Befundung wird die Operation unterbrochen und erst wieder fortgesetzt, wenn das Ergebnis vorliegt. Die damit verbundenen Narkosezeiten könnten durch den Einsatz von Drohnen für den Gewebetransport deutlich verringert werden, da das Zielkrankenhaus auf dem Luftweg direkt und unabhängig von der Verkehrssituation am Boden angesteuert werden kann.

Umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen
Gerade Krankenhäuser außerhalb von urbanen Zentren geben die Proben sogar erst nach der Operation zur Pathologie, was – je nach Befund ­– das Risiko einer weiteren Operation birgt. Drohnen könnten daher potenziell weitere Krankenhäuser an die Befundung von Schnellschnitten anbinden.

Da die Drohnenflüge über städtischem Gebiet und zudem innerhalb der Kontrollzone des Hamburger Flughafens stattfanden, mussten für die Erprobung jedoch zunächst umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden. So musste vor allem nachgewiesen werden, dass die automatisierten Flüge in dieser komplexen Umgebung sowie über bewohntem Gebiet und viel genutzten Verkehrswegen jederzeit sicher und zuverlässig durchgeführt werden können.

In der Folge ging für alle Beteiligten von Medifly eine mehrmonatige Planungs- und Abstimmungsphase mit den zuständigen Behörden voraus. Mit der Landesluftfahrtbehörde und der Flugverkehrskontrollstelle (DFS) am Hamburger Flughafen stand das Projektteam im "permanenten und sehr konstruktiven" Austausch, heißt es.

Autor: Carlo Sporkmann
Redakteur
Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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