Med on Board: Neues Trainingsprogramm für medizinische Berufe

AviationNetOnline hat sich mit dem Initiator des Projekts, dem Mediziner David Gabriel unterhalten.

In vielen Flugzeugen befindet sich heutzutage ein Defibrillator - wie man ihn einsetzt und vieles, was man bei Notfällen an Bord sonst noch beachten muss, lernt man bei Med on Board (Foto: Pixabay).

"Ist eine Ärztin oder ein Arzt an Bord?" Für Angehörige medizinischer Berufe führt diese Durchsage wohl oft zu einer gewissen Anspannung. Schließlich ist ein Flugzeug keine Praxis oder Spital, wo man in gewohnter Umgebung Medizin betreiben kann. Und darüber hinaus gehört es auch nicht zum Berufsalltag, wenn ein Gynäkologe oder eine Augenärztin eine allergische Reaktion oder einen Herzstillstand an Bord eines Flugzeuges behandeln muss.

Um hier Abhilfe zu schaffen, hat ein Wiener Team mit medizinischem und fliegerischem Background "Med on Board" ins Leben gerufen. Das Unternehmen bietet Kurse und Trainings an - unter anderem lernt man, welche Ausrüstung es im Flugzeug gibt und wie man sie in 10.000 Metern Höhe am besten anwendet.

AviationNetOnline hat sich mit David Gabriel unterhalten. Der promovierte Mediziner und Berufspilot hat 2004 das Projekt Doc on Board gegründet, das er bis ins heurige Jahr mitgeleitet hat.

AviationNetOnline: Was genau ist Med on Board und was wird angeboten?

David Gabriel: Med on Board ist ein außergewöhnliches Training für Ärzte und medizinisches Personal, um mit medizinischen Notfällen in Verkehrsflugzeugen sicher und kompetent umzugehen. Die Kurse sind von der Akademie der Ärzte DFP-approbiert und von der Ärztekammer auch als Notarztrefresher zertifiziert.

AviationNetOnline: Warum ist es wichtig, über medizinische Notsituationen an Bord Bescheid zu wissen?

David Gabriel: Jedes Jahr verreisen etwa 4 Mrd. Menschen mit dem Flugzeug. Laut Statistik brauchen weltweit jeden Monat bis zu 30.000 Passagiere medizinische Hilfe an Bord. Wenn die Crew nicht mehr weiter weiß, wird medizinisches Personal ausgerufen. Doch medizinische Notfälle im Flugzeug erfordern oft spezielle Maßnahmen. Gute notfallmedizinische Kenntnise sind der Schlüssel zum Erfolg.

AviationNetOnline: An wen richten sich die Kurse? Nur an Ärztinnen und Ärzte?

David Gabriel: Der Großteil der TeilnehmerInnen sind Ärztinnen und Ärzte aller Fachgebiete. Aber wir bestehen drauf, dass die TeilnehmerInnen auch aus anderen medizinischen Bereichen kommen. Über den Wolken spielt Teamwork eine besondere Rolle. Das gemeinsame Training mit diplomiertem Gesundheitspersonal, SanitäterInnen etc. ist sehr wertvoll und von uns erwünscht. Je größer die Med On Board Community, umso höher ist die Chance, dass sich im Notfall ein kompetenter Ersthelfer an Bord befindet.

David Gabriel hat Med on Board gegründet (Foto: zur Verfügung gestellt).

AviationNetOnline: Welche Arten von Kursen gibt es und wie sieht ein typisches Training aus?

David Gabriel: Der Standardkurs ist ein zweitätiger Wochenendkurs, der mit dem halbtägigen Notarztrefreshermodul kombiniert werden kann. Wir bieten jedoch auch Ditching (Notwasserung) Kurse und Ausbildungskurse für Airline Personal an. Die Luftfahrt bietet für medizinisches Personal jedoch noch viele Lösungen für weitere interessante Bereiche wie etwa Verhalten in Stresssituationen, Teamwork oder Fehlermanagement an. Wir werden einige Bereiche herausgreifen und neue Kursformate ausarbeiten.

AviationNetOnline: Es gibt auch andere Anbieter von Kursen für medizinische Notfälle an Bord - was zeichnet Med on Board besonders aus?

David Gabriel: Weltweit gibt es außer uns nur einen Anbieter, der systematisches Training in ähnlicher Form anbietet. Med On Board zeichnet sich in erster Linie durch ein Team aus, das seit 17 Jahren notfallmedizinische Trainings speziell für den Luftfahrtbereich anbietet. Med On Board ist zudem nachhaltig, modern, stark kundenorientiert, qualitativ hochwertig und in den Unterrichtsinhalten aufs Wesentliche fokussiert.

AviationNetOnline: Welche Verbindung gibt es zu Doc on Board?

David Gabriel: Doc On Board wurde 2004 von mir gegründet. Allerdings herrschte mit meinem früheren Partner Uneinigkeit über die Ausrichtung für die Zukunft. Deshalb bin ich ausgestiegen. Mit Med On Board können wir unsere Visionen umsetzen und das notfallmedizinische Training auf eine höhere Ebene heben. Deshalb der Zusatz "Next level". 

AviationNetOnline: Wo werden die Trainings abgehalten? Wie viele Kurse sind pro Jahr geplant?

David Gabriel: Wien bleibt unsere Heimatbasis. Wir trainieren realitätsnah im Trainingszentrum von Austrian Airlines. Für das kommende Jahr sind mindestens sieben Kurse geplant, die zum Teil schon ausgebucht sind. 2021 starten wir aber auch in Deutschland durch, da Verträge mit Lufthansa Aviation Training für Berlin, München, Frankfurt und Köln bereits unter Dach und Fach sind. Auch mit Czech Airlines in Prag werden Gespräche geführt. Deshalb sind wir auch auf der Suche nach neuem Personal.

AviationNetOnline: Wie werden die Trainings in Corona-Zeiten durchgeführt?

David Gabriel: Veranstaltungen zu Corona-Zeiten sind eine wahre Herausforderung. Aber mit PCR-Tests und Masken sind Trainings möglich. Schließlich ist Med On Board eine ärztliche Fortbildung, deren regelmäßige Durchführung speziell für ÄrztInnen wichtig wichtig und vorgeschrieben ist.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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