Max-Ausfall kostet Tui über eine halbe Milliarde

Neue Auslieferungen nach September erwartet

(Foto: Tui)

Der Ausfall der Boeing 737 Max kostet den Reisekonzern Tui vermutlich weit vermutlich mehr als eine halbe Milliarde Euro. Wie Konzernchef Fritz Joussen sagte, sei das Ergebnis durch die Krise im vergangenen Jahr um 293 Millionen Euro belastet worden – für das neue Geschäftsjahr (bis Ende September) rechnet Joussen noch einmal mit 350 Millionen Euro Sonderkosten.

Denn: Die Airlines des Konzerns können nicht einfach so wie andere Fluggesellschaften Flüge streichen und so den Plan anpassen, wenn die Flottenentwicklung nicht wie erwartet ist. Bei Tui sind die Flüge zusammen mit Hotel- und ggf. Kreuzfahrtbuchungen Teil eines touristischen Produkts.

Daher bleibe dem Konzern nichts anderes übrig, als die Kapazitäten der fest eingeplanten Max-Maschinen anderweitig unterzubringen, so Joussen. "Operativ werden wir in dem jetzt laufenden Jahr bis zu 55 Flugzeuge ersetzen." Allein zwischen Oktober und Dezember summierten sich die Miet- und Mehrkosten für Ersatzflugzeuge auf 45 Millionen Euro.

Gespräche über Kompensationszahlungen
Angesichts der Summen führe Tui zudem Gespräche mit US-Flugzeugbauer Boeing über Kompensationszahlungen. Dessen erneuerte Version des Verkaufsschlagers 737, die Max-Reihe, ist nach zwei Abstürzen mit fast 350 Toten seit fast einem Jahr mit einem weltweiten Grounding belegt. Boeing kostete die Krise des Fliegers bislang eigenen Angaben zufolge 18 Milliarden Euro.

Der US-Konzern rechnet aber damit, dass die Max-Flieger noch vor dem Sommer ihre Zulassungen zurückbekommen. Diesen Zeitplan hält Tui ebenfalls für realistisch, wenngleich Joussen sagt: "Wir erwarten in diesem Geschäftsjahr keine Auslieferung der Max-Jets mehr." Denn: Das Fiskaljahr von Tui endet September. "Deswegen sprechen wir davon, dass wir in diesem Jahr voraussichtlich keine neuen Max-Maschinen mehr bekommen", konkretisiert ein Sprecher auf Nachfrage von AviationNetOnline. Die vorhandenen Jets könnten jedoch ab der Re-Zertifizierung wieder eingesetzt werden.

Die fünf Konzernairlines (Tui Airways, Tuifly, Tuifly Belgium, Tuifly Netherlands und Tuifly Nordic) haben bereits 15 Max-Maschinen in den Flotten, weitere neun Jets warten auf die Auslieferung. Unter anderem die deutsche Tuifly hofft, bald fünf Flugzeuge in Empfang nehmen zu können.

Autor: Carlo Sporkmann
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Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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