Madrid: Gericht untersagt Ryanairs Handgepäckgebühren

Carrier will das Urteil ignorieren - Balearen-Regionalregierung plant die Einleitung eines Strafverfahrens.

Boeing 737-800 (Foto: Jan Gruber).

Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair erlitt vor einem Handelsgericht in Madrid eine empfindliche Schlappe hinsichtlich der umstrittenen Handgepäcksregelung. Eine Passagierin, die sich weigerte das „Priority-Paket“ zu kaufen erschein mit einem IATA-Standardmaß Handgepäckstück am Gate und wurde mit 20 Euro zur Kasse gebeten. Dagegen zog sie vor Gericht und bekam Recht. Der Carrier wurde zur Rückzahlung verdonnert.

Weiters stellte das Handelsgericht 13 fest, dass die zusätzlichen Kosten für die Beförderung des Handgepäckstücks nicht mit dem spanischen Transportgesetz und der EU-Verordnung 1008/2008 in Einklang zu bringen sind. Ryanair argumentierte im Verfahren eben mit diesen beiden Vorschriften. Das Gericht spricht in der Urteilsbegründung gar von einem missbräuchlichen Verhalten seitens Ryanair. Die Richter argumentierten weiters, dass das Handgepäckstück und die Handtasche der Klägerin problemlos befördert werden konnten, weshalb die kassierten 20 Euro erstattet werden müssen.

Ryanair will das Gerichtsurteil hinsichtlich zukünftiger Fälle ignorieren. „Dieses Urteil wird die Gepäckregeln von Ryanair weder in der Vergangenheit noch in künftigen Fällen beeinflussen“, ist einer kurzen Stellungnahme zu lesen. Weiters spricht man davon, dass das Gericht die „Freiheit des Unternehmens die Größe des kostenlosen Handgepäcks selbst festzulegen falsch interpretiert habe“.

Dabei wird es allerdings nicht bleiben, denn laut einem Bericht der Mallorca-Zeitung leitete die Regionalregierung der Balearen ein Strafverfahren gegen Ryanair ein. Dieses könnte mit einem empfindlichen Bußgeld enden. Der zuständige Generaldirektor für Konsumentenschutz, Felix Alonso, teilte mit, dass man das Urteil genau analysieren werde und gegebenenfalls betroffene Kunden bei der gerichtlichen Durchsetzung ihrer eventuellen Rückforderungsansprüche unterstützen werde.

Das Urteil wäre – so die Balearen-Regierung – auch auf die Tochtergesellschaft Lauda anwendbar, da deren Tickets von Ryanair ausgestellt werden und offizieller Vertragspartner der Passagiere die Ryanair DAC und nicht die Laudamotion GmbH ist. Der österreichische Ableger führte die umstrittene Regelung mit einigen Monaten Verspätung im Frühjahr 2019 ein.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

    Special Visitors

    Zimex Aviation / HB-ALN
    Vueling Airlines / EC-NAJ
    Lufthansa / D-AIHZ
    Rossiya Airlines / VQ-BAS
    Air China / B-2035
    Etihad Airways / A6-BLV
    TUI Airlines Belgium / OO-JAF

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    René Steuer

    Carlo Sporkmann