Lufthansa zu Gehaltserhöhung bereit - aber ohne UFO

Internes Papier droht mit Konsequenzen bei Streikteilnahme.

Foto: Martin Metzenbauer.

Der Streit zwischen Lufthansa und der Kabinengewerkschaft UFO hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Der Konzern droht seinen Mitarbeitern mit Konsequenzen, sollten diese am Sonntag am mehrstündigen Streik der Arbeitnehmervertreter teilnehmen. "Mitarbeiter, die am entsprechenden Tag nicht zum Dienst erscheinen, werden als streikend erfasst. Ihr Gehalt wird entsprechend gekürzt und es werden im Nachgang weitere arbeitsrechtliche Maßnahmen geprüft", heißt es in einem Schreiben vom Kabinen-Management im Lufthansa-Intranet. 

Die Kabinengewerkschaft UFO hatte zu Wochenbeginn einen mehrstündigen Streik an den Lufthansa-Drehkreuzen Frankfurt und München angekündigt. Der Konzern teilte in einer ersten Reaktion mit, juristische Schritte dagegen prüfen zu wollen. Denn Lufthansa erkennt UFO nicht mehr als Gewerkschaft an, lässt dies sogar gerichtlich überprüfen.

Gleichzeitig hat Lufthansa das Ziel herausgegeben, am Sonntag keinen Flug absagen zu müssen. Allerdings glaubt der Konzern wohl selbst nicht daran, diese Vorgabe ohne Weiteres einhalten zu können. Er ist bereits auf der Suche nach Streikbrechern "Wenn Sie bereit sind, auf Strecke zu gehen, würden Sie uns sehr helfen, wenn Sie uns das schon jetzt mitteilen", heißt es in einer internen Mitteilung. Erst danach will Lufthansa mitteilen, wie viele Flüge gestrichen werden sollen.

Der Konzern sei für die von UFO geforderte Gehaltserhöhung über 1,8 Prozent rückwirkend zu Juli dieses Jahres bereit, heißt es zudem in einem Schreiben des Arbeitgeberverbands Luftfahrt (AGVL), der für Lufthansa die Tarifverhandlungen führt. Allerdings: "Es ist der Ufo e.V., der eine entsprechende tarifliche Vereinbarung schlicht nicht unterzeichnen kann", heißt es in dem Papier, das AviationNetOnline vorliegt. 

Gespräche mit Verdi?

Während Lufthansa Verhandlungen mit UFO seit Monaten ablehnt, ist sie offenbar offen für eine andere Gewerkschaft: Verdi. Wie von mehreren Seiten zu hören ist, hat es bereits Treffen zwischen Funktionären der Dienstleistungsgewerkschaft und dem AGVL gegeben. Verdi verweist darauf, dass man Lufthansa jüngst eine Gesprächsaufforderung zugesandt habe. 

Aus Quellen heißt es, Verdi soll bereits ein fertiges Tarifpaket geschnürt haben, was die Gewerkschaft auf Nachfrage dementiert. Neben der Gehaltserhöhung soll das von UFO 2016 in den Tarifverhandlungen abgenickte Monitoring entfallen - für Lufthansa bislang ein Mittel, um jährlich zu überprüfen, ob die Kosten im vereinbarten Rahmen sind. UFO behauptet seit Längerem, dass die Forderungen die Lufthansa daraus stellt nicht rechtmäßig sind. Mittlerweile ist dieses Monitoring auch Gegenstand einer Strafanzeige von UFO gegen den Lufthansa-Vorstand.

Doch Verdi zögert noch, die Tarifeinigung aus der Schublade zu ziehen und in einen offenen Machtkampf mit UFO einzutreten. Zu tief sitzt der Stachel von 2012. Damals musste sie bei Lufthansa einen herben Rückschlag einstecken, als die Airline zähneknirschend UFO zum Sozialpartner machte. 

Kooperation der Gewerkschaften

Ein Jahr zuvor war Verdi mit der 2004 als Gewerkschaft anerkannten UFO eine Tarifpgemeinschaft eingegangen. Nach Vorstandswahlen bei der Spartengewerkschaft im April 2012 ist diese Kooperation aufgekündigt worden. In der Folge rief UFO zu Streiks bei Lufthansa auf, Verdi war strikt dagegen, doch im anschließenden Arbeitskampf zeigte sich die inzwischen erreichte Macht der UFO: Bei Lufthansa mussten außerplanmäßig viele Jets am Boden bleiben - ein Triumph der Spartengewerkschaft. 

“Verdi hat in der Kabine schlicht zu wenig Unterbau”, begründet ein Insider das Zögern Verdis. Denn Mitglieder sind inzwischen wichtiger denn je. Nach dem Tarifeinheitsgesetz dürfen seit Sommer 2015 nur die Tarifverträge der Mehrheitsgewerkschaft in einem Unternehmen Tarifabschlüsse gelten.

Nur was hat Lufthansa von Verdi? “Die machen Dinge mit”, heißt es im Konzern hinter vorgehaltener Hand. Zudem soll der AGVL-Spitze die Situation mit drei Gewerkschaften im Konzern (UFO, Verdi, Vereinigung Cockpit) zu unübersichtlich sein. “Das Risiko, dass die eine Seite als Minimalforderung das definiert, was die andere in Verhandlungen mühsam erstritten hat, macht das Gefüge unkalkulierbar.”

Autor: Carlo Sporkmann
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Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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