Lufthansa wird wohl vom Staat gerettet

Großaktionär Thiele will Milliardenpaket zustimmen.

(Foto: Jan Gruber)

Überraschende Wende: Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele hat angekündigt, auf der außerordentlichen Haupzversammlung am Donnerstag nun doch für das staatliche Rettungspaket stimmen zu wollen. "Ich werde für die Beschlussvorlage stimmen", sagte Thiele der "FAZ". Die Zustimmung der Aktionäre zu den Bedingungen für die Milliardenspritze gilt damit als sicher. 

Die deutsche Bundesregierung will der Lufthansa über neun Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Da die EU-Kommission nicht nur den Aktienkauf in Höhe von 300 Millionen Euro (für 20 Prozent der Anteile), sondern auch einen erheblichen Teil der stillen Einlagen über 5,7 Milliarden Euro als Eigenkapitalanteil wertet, hat sie Lufthansa auferlegt, 24 Slots in Frankfurt und München inklusive Flugzeuge und Crews abgeben zu müssen

Thiele, der inzwischen rund 16 Prozent der Lufthansa-Aktien besitzt, hatte bis zuletzt offengelassen, wie er stimmen will. Da nur rund 38 Prozent des Kapitals zum Aktionärstreffen angemeldet sind, braucht das Rettungspaket 75 Prozent Zustimmung. Diese hätte Thiele verhindern können. Die Airline bereitete sich deshalb bereits auf eine Insolvenz vor. 

Einigung mit UFO auf Sparpaket
Vor rund einer Woche hatte sich der Knorr-Bremse-Ankeraktionär erstmals in der Lufthansa-Rettung zu Wort gemeldet und Nachverhandlungen am Staatspaket gefordert. Er fürchtete, dass die Politik die nötige Sanierung des Konzerns ausbremsen könne, wenn es etwa um den Abbau von Arbeitsplätzen gehe, die aufgrund des geringeren Flugaufkommens nicht mehr gebraucht würden. Lufthansa sieht sich aufgrund der Corona-Krise gezwungen, 22.000 Vollzeitstellen zu streichen. Der Konzern hat weltweit fast 140.000 Mitarbeiter. 

Damit die Einschnitte nicht ganz so hart werden, verhandelt Lufthansa mit den Gewerkschaften aktuell über Sparpläne. Am späten Abend verkündete der Konzern eine Einigung mit den Flugbegleitervertretern der UFO. Diese sieht vor durch unter anderem Arbeitszeitreduzierung über eine halbe Milliarde Euro einzusparen. Auch die Piloten - vertreten durch die Vereinigung Cockpit - wollen auf Gehalt verzichten.

Autor: Carlo Sporkmann
Redakteur
Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als freier Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet hauptsächlichh über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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