Lufthansa streicht wegen UFO Streik 150 Flüge

Gewerkschaft weitet Streik massiv aus.

Update: 20.10.2019, 19:00

Airbus A320 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Die Flugbegleitergewerkschaft UFO weitet ihren Streik gegen mehrere Lufthansa-Airlines massiv aus und trifft den Konzern damit empfindlich. Bis zum frühen Abend hat Lufthansa nach einer AviationNetOnline-Auswertung allein hierzulande 150 Flüge abgesagt. Dies sind rund 11,1 Prozent aller für Sonntag geplanten Abflüge ab deutschen Airports von Lufthansa und ihrer Töchter Eurowings und SunExpress Deutschland. 

Allerdings muss man hier einschränken. Die 404 Flüge unter "EW"-Code werden nicht nur von den bestreikten Eurowings Deutschland, Germanwings und SunExpress Deutschland durchgeführt, sondern zu einem nicht unerheblichen Teil auch von Eurowings Europe, LGW und der tschechischen CSA. So werden am Sonntag von den streikenden Gesellschaften gut 66 Prozent (nämlich 265 von 404 EW-Verbindungen insgesamt) durchgeführt. Von den 265 sind bis 18 Uhr 112 annulliert worden. 

Und auch bei der eigentlich vom Streik ausgenommenen Mutter-Airline Lufthansa fallen Flüge aus. Denn "LH"-Verbindungen werden von sowie zu den beiden Drehkreuzen Frankfurt und München auch von Cityline und vereinzelt SunExpress Deutschland angeboten. Dies betrifft mit 24,2 Prozent (227 von insgesamt 938 Abflügen) lediglich knapp ein Viertel der Verbindungen am Sonntag. Bis zum Abend fielen nach einer AviationNetOnline-Auswertung 36 Verbindungen ab deutschen Airports aus.

Hinzu kommen 13 Verbindungen von SunExpress Deutschland unter eigenem Flugcode. Die Airline fliegt ab unter anderem Düsseldorf, Köln/Bonn und Stuttgart zu Warmwasserzielen. Hier gab es zwei Annullierungen.

Flughafen / Annullierte Flüge von EW und LH

  • Köln/Bonn: 30
  • Stuttgart: 21
  • Berlin-Tegel: 20
  • Hamburg: 19
  • München: 17
  • Düsseldorf: 14
  • Frankfurt: 10
  • Nürnberg: 4
  • Dortmund: 3
  • Leipzig/Halle: 3
  • Dresden: 2
  • Paderborn/Lippstadt: 2
  • Hannover: 2
  • Friedrichshafen: 1
  • Karlsruhe/Baden-Baden: 1
  • Münster/Osnabrück: 1
  • Bremen: 0

Anmerkung: Aufgeführt sind nur Airports, an denen am Sonntag Flüge der bestreikten Betriebe stattfinden, Stand: 20.10., 18 Uhr

Eurowings gibt sich handzahm

UFO hatte den angekündigten Ausstand bei Lufthansa Cityline, Euro- sowie Germanwings und SunExpress Deutschland kurz nach Beginn am Sonntagmorgen um 13 Stunden bis Mitternacht verlängert. "Der Konzern hat seine Gangart weiter verschärft und nicht nur mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen, sondern obendrein mit Arbeitsplatzverlust gedroht", begründet der stellvertretende UFO-Chef Daniel Flohr die Ausweitung. 

Dabei war der Streik zunächst eigentlich nur auf die Mutter-Airline Lufthansa beschränkt. Nach Ankündigung des Managements, das Gehalt um zwei Prozent erhöhen zu wollen, waren die Pläne jedoch abgeändert worden. LINK Im Vorfeld hatte die Airline zwar angekündigt, keinen Notfallflugplan aufzustellen und das Programm wie geplant zu fliegen, doch zeigen interne Dokumente, dass Lufthansa das selbst nur schwer glaubte. So drohte die Airline ihren Mitarbeitern mit Gehaltskürzungen und weiteren arbeitsrechtlichen Konsequenzen, sollten diese am "rechtswidrigen Streik" teilnehmen. Die Drohungen sickerten an die Öffentlichkeit und sorgten für negative Presse. 

Nachdem UFO den Streik auf Lufthansa-Töchter wie Eurowings beschränkte, war der Konzern wesentlich zahmer zu seinen Mitarbeitern. Eurowings betont in einem Schreiben, dass UFO "durch einen rechtswidrigen Streik mitten in den Herbstferien eure Arbeitsplätze gefährdet und unser gemeinsames Unternehmen bewusst schädigt". Statt mit Gehaltskürzungen zu drohen, heißt es in dem Brief, der AviationNetOnline vorliegt: "Wir appellieren an euch, nicht der unverantwortlichen Eskalation einer Vereinigung zu folgen, die ihre Machtpolitik auf eure Kosten austrägt."

"Ultimative Verweigerungshaltung des Managements"

Doch Streiks bei der Mutter-Airline sind trotz des Einlenkens am Freitag nicht vom Tisch. Da die Airline neue Forderungen der UFO nach unter anderem eine Erhöhung der Spesen zurückwies, betonte die Gewerkschaft, dass bei Lufthansa wieder jederzeit Ausstands möglich sein. Zudem läuft eine Urabstimmung über unbefristete Streiks.

Und auch bei den Töchtern drohen in naher Zukunft weitere Streiks, zumal der Konzern Gespräche mit UFO strikt ablehnt. "Die ultimative Verweigerungshaltung des Managements ist nicht nachvollziehbar. Wir werden nach Ende der heutigen Streiks mit unseren Gremien beraten, wann es unter Umständen kurzfristig zu weiteren Arbeitskämpfen kommt", so Ex-UFO-Chef Nicoley Baublies.

Autor: Carlo Sporkmann
Redakteur
Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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