Lufthansa soll nun doch bei Alitalia einspringen

Bloomberg: Delta Airlines steigt aus Konsortium aus.

Boeing 777-200 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Kommenden Dienstag soll Alitalia eigentlich nach zwei Jahren Sonderverwaltung wieder in die Eigenständigkeit entlassen werden. Eigentlich. Denn die Rettung durch ein Konsortium aus der Staatsbahn Ferrovie dello Stato, dem Autobahnbetreiber Atlantia, dem italienischen Finanzministerium und der US-Fluggesellschaft Delta bröckelt. Laut “Bloomberg” könnte in letzter Minute Lufthansa für Delta einspringen.

Doch damit würde das Angebot, das bis zum 15. Oktober auf dem Tisch liegen muss, deutlich kleiner ausfallen. Denn wegen der Umstrukturierungen bei Eurowings wolle Lufthansa kein eigenes Kapital in Alitalia investieren, sondern anderweitig helfen, sagte eine mit der Sache vertraute Person. Ein Konzernsprecher verwies darauf, dass man sich eine Partnerschaft mit Alitalia durchaus vorstellen könne.

Doch bei der von der populistischen Vorgängerregierung geschmiedeten Rettungsgruppe hakt es noch an anderer Stelle: Atlantia soll dem neuen Industrieminister laut italienischen Medien ebenfalls mit dem Ausstieg aus dem Konsortium gedroht haben, sollte ihre Tochter Autostrade per l'Italia nach dem Brückenunglück 2018 in Genua die Macht über ihre Hälfte des italienischen Autobahnnetzes verlieren.

Lufthansa favorisiert Air-Dolomiti-Ausbau

Das Ende der Retter-Allianz könnte die Situation zurück auf Null stellen und Lufthansa womöglich wieder auf den Plan rufen.Früher war der Konzern als Kaufinteressent gehandelt worden. Allerdings betonten Manager immer wieder, dass die Personalstruktur der nach beförderten Passagieren zweitgrößten Airline Italiens deutlich verschlankt werden müsse, damit man dort einsteigt. Da die Gewerkschaften allerdings schützend die Hand über die mehr als 10.000 Mitarbeiter hielten und zu harte Einschnitte verhinderten, schwenkte der Kranich um.


Embraer 195 (Foto: Lufthansa Group/Air Dolomiti).

Stattdessen wurde der bislang kleinen Italien-Tochter Air Dolomiti eine ordentliche Wachstumskur verschrieben: Die Flotte soll in den kommenden Jahren auf 26 Jets mehr als verdoppelt werden. Lufthansa lässt sich den Ausbau von Air Dolomiti einen stattlichen Millionenbetrag kosten.

Alitalia war 2017 in die Insolvenz gerutscht, nachdem das Personal mehrheitlich einen Sanierungsplan abgelehnt und sich auch Großaktionärin Etihad zurückgezogen hatte. Der Staat sprang mit zunächst 600 Millionen Euro ein und schob noch einmal die Hälfte nach, weil sich die Verkaufsverhandlungen zogen und die Airline die Reserven schnell vernichtete. Insidern zufolge sollen bald noch einmal 350 Millionen Euro fließen.

Autor: Carlo Sporkmann
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Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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