Lufthansa einigt sich mit UFO

Sofortige Einmalzahlungen an die Flugbegleiter

A380 von Lufthansa: Wichtiger Meilenstein in einem tiefen Tarifkonflikt. (Foto: www.AirTeamImages.de)

Der Lufthansa-Konzern und die Flugbegleitergewerkschaft UFO haben eine umfassende Einigung im seit Monaten schwelenden Tarifkonflikt erzielt. Wie die Arbeitnehmervertreter mitteilen, habe man sich auf einen mehrgliedrigen Prozess zu einer Lösung des Gesamtkonfliktes verständigt. "Wir können uns endlich wieder auf Augenhöhe um die Belange der Kabinenbeschäftigten im Lufthansa-Konzern kümmern", so Ufo-Vize Daniel Flohr. Lufthansa-Personalchef Michael Niggemann ergänzt: "Noch sind wir nicht am Ziel, aber wir wollen diesen nun begonnenen Prozess zum Erfolg führen.“

Die getroffene Lösung besteht im Einzelnen aus drei Schritten: Mediation, Schlichtung und außergerichtliches Güteverfahren. In der Mediation unter Leitung von KPMG-Arbeitsrechtler Alexander Insam sollen Fragen der bisherigen und zukünftigen Tarifpartnerschaft besprochen "und Lösungen zugeführt" werden. Parallel dazu ist eine "große" Schlichtung zwischen den Parteien vorgesehen, welche laut UFO die von ihr aufgestellten Tarifforderungen und weitere Tarifthemen umfasst. Darüber hinaus sollen in einem außergerichtlichen Güteverfahren von Arbeitsrichter Holger Dahl die materiellen sowie juristischen Themen beider Parteien und einzelner Funktionäre geklärt werden. So stehen beispielsweise immer noch Teile einer Millionenforderung der Lufthansa gegen UFO im Raum.

Neben dem Dreier-Paket gibt es für die rund 22.000 Kabinenbeschäftigten des Konzerns mehrere Sofortmaßnahmen. Demnach soll die im Rahmen des Monitorings bei Lufthansa die gestrichene zweite Übernachtung auf Langstreckenflügen nach Japan und Südkorea wieder eingeführt werden. Zudem erhalten die Flugbegleiter mit der nächsten Gehaltsabrechnung eine Sonderzahlung in Höhe von 1500 Euro "und Einiges mehr", wie es heißt.

Sechswöchige Friedenspflicht
Laut UFO haben beide Parteien bereits konkrete Termine für weitere Gespräche in den kommenden Tagen vereinbart. Die Gewerkschaft billigt dem Konzern eine sechswöchig Friedenspflicht zu, die Kranich-Chef Carsten Spohr zur unabrückbaren Bedingung gemacht und damit eine von der ehemaligen Personalchefin Bettina Volkens getragene Einigung kassierte. Nach Ablauf der sechs Wochen gilt das Streikverbot lediglich noch für die Mutter-Airline.

Denn UFO steckt auch mit den anderen Fluggesellschaften des Konzerns in Tarifstreitigkeiten. Während es bei Lufthansa Cityline und SunExpress Deutschland laut informierten Kreisen "gut voran" gehe, steht bei Eurowings noch die finale Ausarbeitung eines inzwischen fast vier Jahre alten Schlichtungsergebnisses aus. Bei Germanwings hatte UFO über den Jahreswechsel für bessere Teilzeitmodelle gestreikt.

"Wieder nach vorn schauen"
Die Verhandlungen, die zur jetzigen Grundsatzeinigung geführt haben, waren nicht einfach, wie UFO in einem Schreiben an die Mitglieder betont: "In den Gesprächen der letzten Tage ist klar geworden, dass nur die gemeinsame Übernahme von Verantwortung ermöglicht, wieder nach vorn zu schauen."

Man sehe in dem gefundenen Paket "die Chance, die Sozialpartnerschaft wieder zur Normalität zu entwickeln. Es wird ein langer und schwieriger Weg." Man sei froh, "dass wir nun einen Rahmen haben, um die bisherige Auseinandersetzung mit Hilfe Dritter zu klären und zu lernen, was wir in der Zukunft anders machen müssen, damit so ein Konflikt nicht mehr derart eskaliert".

Die Auseinandersetzung zwischen Lufthansa und UFO ist in den vergangenen Monaten durch immer neue Strohfeuer angefacht worden. Beispielsweise erkannte Lufthansa lange Zeit den UFO-Vorstand nicht an und beharrte auf Verhandlungen erst nach neuen Wahlen im Februar. Zudem stellte der Konzern den Gewerkschaftsstatus der UFO gerichtlich infrage und traktierte Ex-Chef Nicoley Baublies mit einer Klage, einem Drogentests sowie schließlich einer Kündigung.

Lesen Sie hier ein Portrait des neues Lufthansa-Personalchefs Michael Niggemann, der die Lösung mit UFO herbeiführte.

Autor: Carlo Sporkmann
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Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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