Lufthansa: Eine zur Ruhe gestellte Airline

Es war eine Corona-Krisenkonferenz, keine Bilanzpressekonferenz, die die Lufthansagruppe heute in Frankfurt per Video abgehalten hat. Tenor: die Welt und die Luftfahrt werden nach der Krise eine andere sein.

Airbus A350-900 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Vor der Corona-Krise hat die Welt der Lufthansa so ausgesehen: tausende Flüge täglich, 280 Passagiere pro Minute, 3 Milliarden Euro Einnahmen pro Monat und alle 10 Tage ist ein neues Flugzeug ausgeliefert worden. 

Die Welt heute: nur mehr 10 Flüge täglich ab München mit der Cityline, ein paar Dutzend ab Frankfurt, davon einige Langstreckenflüge. 95 % des Betriebs stehen, 5 % machen die erwähnten sowie die Rückholer-Füge aus. „Es gibt so gut wie keine Buchungseingänge mehr, wir sind eine zur Ruhe gestellte Airline“, sagt Lufthansa CEO Carsten Spohr. 

Weil die Flotte steht, fallen die rund 60% variablen Kosten weg, vom Treibstoff bis zu den Gebühren. Die Fixkosten werden jetzt um 1/3 gesenkt, sagt Finanzvorstand Ulrik Svensson. Investitionen werden verschoben, es werden derzeit keine neuen Flugzeuge mehr abgenommen, Bestellungen verschoben oder storniert. Alle Wet-Lease Verträge sind gekündigt worden. Die Personalkosten als Teil der Fixkosten von jährlich 9 Milliarden Euro sollten drastisch reduziert werden können, sobald die Kurzarbeit für das Personal startet. Die Anträge für 31.000 Mitarbeiter sind gestellt, die Verhandlungen laufen.


Grafik: Deutsche Lufthansa AG.

Wie lange die Lufthansa das aushalten kann? „Wir wissen nur, dass wir es länger aushalten als andere“, sagt Spohr. Denn: die Lufthansa habe rund fünf Milliarden Euro an liquiden Mitteln,  86 % der Flotte stünden im Eigentum der Lufthansa, davon wieder sind 90 % unbelastet, und der Verschuldungsgrad der Fluglinie sei vergleichsweise niedrig. Sollte es wider Erwarten doch zu Liquiditätsengpässen kommen, gebe es Signale der Regierung, zu helfen. 

Ob die AUA Geld von der Lufthansa bekommen habe oder auf eigenen Beinen stehen könne? „Die AUA hat genügend Ressourcen“, sagt Ulrik Svensson, „sollte sich das dramatisch verschlechtern, müsse die österreichische Regierung helfen“. 

Gut beschäftigt seien derzeit im Konzern lediglich Technik und Cargo. Die Nachfrage nach Luftfracht steige täglich, sagt Spohr. Auch weil der Transport auf der Straße in Europa zunehmend schwieriger werde. Bei Bedarf würden auch große Passagiermaschinen für Frachtflüge genützt werden. 

Einen Ausblick traut sich in Frankfurt derzeit niemand zu. Sicher sei nur, dass „die Welt nach der Krise eine andere sein wird, nachhaltig wie auch strukturell“, sagt Spohr. Die Lufthansa könne nicht in den alten Zustand zurückkehren, sie müsse sich auch mit unangenehmen Fragen beschäftigen. Welche das sind, sagt Spohr nicht. Jedenfalls werde die Lufthansagruppe nach der Krise kleiner sein. Angesichts der Milliardenunterstützungen für Fluggesellschaften weltweit sowie einer Reihe von im Raum stehenden aber auch realen Verstaatlichungen ruft Spohr zur Fairness auf. Er fordert Europa auf nachzudenken, wie die Zukunft der europäischen Luftfahrt aussehen und welche Rolle die europäische Luftfahrt global spielen soll. Denn noch gebe es da ein paar Champions in der weltweiten Liga. Spohr jedenfalls sieht die Lufthansa gut gerüstet, schließlich sei das Unternehmen es ja gewohnt, mit Krisen umzugehen. „Wir verlieren unsere Zuversicht nicht“, versprüht Spohr Optimismus.

Autor: Michael Csoklich
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Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Er ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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