Lufthansa beschäftigt 50 Phantome

Mitarbeiter dürften seit 2013 nichts tun, das dem Kranich-Konzern nutzt.

Foto: Martin Metzenbauer.

Die Deutsche Lufthansa AG leitete vor einigen Jahren einen radikalen Sparkurs ein, der insbesondere im Bereich der Personalkosten zu Einsparungen führen soll. Das Eurowings-Projekt ist mit Sicherheit das Bekannteste unter den zahlreichen Sparprogrammen. Doch eines dürfte ein sprichwörtlicher Schuss ins Knie gewesen sein, wie das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in der aktuellen Ausgabe berichtet.

Am Standort Hamburg-Norderstedt soll sich die Kranich-Airline gleich 50 Mitarbeiter leisten, die bei voller Bezahlung nichts, das dem Konzern nutzt, tun können. Viel mehr wurden diese vor einigen Jahren von den Computersystemen abgeschaltet und warten seither bei voller Bezahlung auf bessere Zeiten. Hintergrund ist, dass Lufthansa in 2013 die Vertriebstätigkeiten, die vormals durch eben diese 50 Lufthanseaten erledigt wurden, nach Indien und Polen auslagerte. Die Mitarbeiter baute man in Norderstedt jedoch nicht ab und versetzte sie auch an keinen anderen Standort.

"Der Spiegel" berichtet, dass eine Klausel im Tarifvertrag des Bodenpersonals eine Kündigung oder Versetzung regelrecht unmöglich macht. Vor rund 35 Jahren wurde festgelegt, dass langjährige Mitarbeiter weder gekündigt, noch gegen ihren Willen versetzt werden können. Weiters muss diesen ein "angemessener Job" innerhalb der Kranich-Airline als Ersatz geschaffen werden. Dies ist Lufthansa allerdings nicht möglich, so dass 50 Beschäftigte seit 2013 als regelrechte Phantome des Kranichs existieren.

Lufthansa beabsichtigt dem Medienbericht nach die Betriebsstätte in 2019 endgültig zu schließen und kündigte dazu neuerlich den 35 Jahre alten Tarifvertrag. Seitens der Gewerkschaft Verdi wurde allerdings bereits Widerstand angekündigt, so dass die geplante Schließung und der damit verbundene Stellenabbau neuerlich ins Wanken gerät. Bis zu einer endgültigen Lösung heißt es für die 50 Vertriebsmitarbeiter: Bei voller Bezahlung auf Bessere Zeiten waren und insbesondere darauf hoffen, dass Lufthansa diese eventuell wieder an die Computernetzwerke anschließt...

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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