Lowcoster: Vida fordert Maßnahmen von der Regierung

Wirtschaftskammer verweigere sich "seit Jahren" einem Branchen-KV.

Airbus A321 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Am Freitag kündigte die ungarische Billigfluggesellschaft Wizzair die Aufnahme von fünf zusätzlichen Routen ab dem Flughafen Wien-Schwechat an. Kritik übt die ÖGB-Teilgewerkschaft Vida dabei an der Wirtschaftskammer, der man vorwirft, dass diese sich „seit Jahren gegen einen Branchenkollektivvertrag für das fliegende Personal verweigere“.

„Beeindruckende 2,2 Millionen Passagiere beförderte Wizz Air im Jahr 2019. Das ist ein Wachstum von 370 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Anders ausgedrückt: 2,2 Millionen Passagiere beförderte Wizz Air vom Flughafen Wien aus, ohne sich dazu an gehaltsrechtlichen Normen für das Personal halten zu müssen“, so Vida-Fachbereitsvorsitzender Daniel Liebhart. „Wie wir bei der Pressekonferenz gehört haben, soll Wizz Air heuer wieder deutlich auf prognostizierte 4,1 Millionen Passagiere wachsen - quasi halb Österreich. Eigentlich müsste die Wirtschaftskammer eine Provision von Wizz Air erhalten, da sie durch ihre Agitation bessere Rahmenbedingungen für das Unternehmen geschaffen und dieses Wachstum der Billigairline so erst ermöglicht hat.“

In der heimischen Luftfahrtbranche sieht der Gewerkschafter die Sozialpartnerschaft als regelrecht ausgehebelt an. Während Austrian Airlines, Eurowings Europe und Lauda über einen Kollektivvertrag verfügen, wobei die zuletzt genannte Fluggesellschaft diesen seit Jänner für Neueinstellungen nicht mehr anwendet, haben Level Europe (vormals Anisec) und Wizzair keinen. „Dass andere Airlines, insbesondere jene, die bemüht sind, sich dem Personal gegenüber fair zu verhalten, hier klar das Nachsehen haben, liegt leider auf der Hand. Wir sind nun endgültig im von Airline-Managern vorausgesagten Blutbad unter den Airlines am Flughafen Wien angekommen. Welches Unternehmen am Ende diesen Dumpingwettbewerb überlebt, ist noch unklar. Klar ist aber, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Verlierer und Leidtragenden dieser wettbewerbsungleichen und verfehlten Standortpolitik sind“, erklärt Liebhart. „Die Wirtschaftskammer hat ihre Klientelpolitik durchgepeitscht. Nun ist es an der Zeit, dass die Regierung für den Standort und die Beschäftigten regulierend eingreift.“

Vida fordert von der neuen Regierung, dass der Kollektivvertrag von Austrian Airlines für jene Fluggesellschaften, die keinen eigenen KV haben, gesatzt werden soll. Die Doppelbesteuerungsabkommen sollen evaluiert werden inwieweit diese einen Dumpingwettbewerb ermöglichen. Weiters fordert man die Schaffung eines Registers für alle Personen, die in Österreich ihre Bordpersonal-Homebase haben sowie die Aufstockung des Kontrollpersonals. „Es muss für ausreichend Kontrollpersonal, insbesondere in der Sozialversicherung und beim Arbeitsinspektorat, gesorgt werden, damit die Gehaltsabrechnungen und arbeitsrechtlichen Vorschriften wirksam kontrolliert werden können“, so die Gewerkschaft in einer Aussendung.

„Greift die Politik nicht ein, wird sich der Dumpingwettbewerb weiter ausbreiten. Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis andere Airlines auch nicht mehr ihre Steuern in Österreich abführen und österreichisches Recht mit Füßen treten werden, wofür die Regierung dann auch mitverantwortlich wäre. Daher ist die Bundesregierung aufgefordert, schnell für fairen Wettbewerb zu sorgen, denn sie hat hier die Chance, sich zu profilieren, wenn sie rasch agiert“, erklärt Liebhart abschließend.  

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

    Special Visitors

    National Airlines / N952CA
    Atlantic Airways / OY-RCK
    Danish Air Transport / OY-RUE
    LGW - Luftfahrtgesellschaft Walter / D-ABQA
    British Airways / G-EUPJ
    Windrose Airlines / UR-DNT
    Jet2.com / G-JZHY

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    René Steuer

    Carlo Sporkmann