Linz Airport trotzt mit Luftfracht der Krise

So wie auf allen Flughäfen in Österreich hinterlässt die Corona-Krise auch am Linzer Flughafen tiefe Spuren, allerdings behauptet sich der Airport sogar mit neuem Angebot weiterhin als wichtiger Frachtflughafen.

Flughafen Linz-Hörsching (Foto: Michael David).

Am 18. März 2020 hob mit einem Airbus A319 der Lufthansa nach Frankfurt der vorerst letzte Passagierflug ab, seitdem sind die kommerziellen Passagierflüge wie auf allen Bundesländerflughäfen so gut wie eingestellt worden sind. Neben den wichtigen Linienflügen nach Düsseldorf und Frankfurt fielen den mittlerweile globale Auswirkungen auch die Charterflüge nach Ägypten sowie zahlreiche Einzelcharterflüge ab bzw. nach Linz zum Opfer. Aus diesem Grund meldete der Linz Airport insgesamt 165 Mitarbeiter bis 30. Juni 2020 zur Kurzarbeit an, wie die OÖ Nachrichten berichten. Lufthansa und auch Austrian planen mit einer Wiederaufnahme ihrer Flüge per 24. April 2020, allerdings ist dieser Tage besonders eine Anmerkung besonders wichtig geworden: nach derzeitigem Stand. Entsprechend wird Linz Airport CEO Norbert Draskovits von der OÖN zitiert: „Es müsste eine Nachfrage geben und Destinationen, wo man hinfliegen kann.“ Denn auch am Linzer Flughafen wird es davon abhängen, inwieweit sich die Wirtschaft nach den Einschränkungsmaßnahmen erholt, sondern auch wie sich die virusbedingte Situation in den einzelnen Zielgebieten entwickelt und welche Reisemöglichkeiten überhaupt zulässig sein werden. Welche Auswirkungen dies konkret auf die geplante Sommersaison mit zahlreichen Direktflügen ab Linz hat, wird sich in den nächsten Tagen und Wochen erweisen. Neben Flügen von Onur Air, Eurowings, CSA Czech Airlines, FlyEgypt und Corendon Airlines sind Flüge mit Bulgarian Air Charter, welche auch in diesem Jahr wieder eine Chartermaschine in Linz stationieren wird, geplant. 

Geschlossen ist der Flugbetrieb allerdings nicht, der Linz Airport hält weiterhin Montag bis Freitag von 05:30 bis 23:00 Uhr sowie am Wochenende von 06:30 bis 23:00 Uhr offen, um Ambulanz-, Geschäftsreise- und andere notwendige Flüge als krisenwichtige Infrastruktur abfertigen zu können. Als diese kommt dem Flughafen in Linz auch die Rolle des Ausweichflughafen für Wien zu, welche notwendig ist, um die vom Außenministerium organisierten weltweiten Repatriierungsflüge durchführen zu können. Dazu wurde ein Kernteam im flugbetrieblichen Bereich eingerichtet, welches binnen drei Stunden per Rufbereitschaft personell verstärkt werden kann. Um den Betrieb aufrecht zu erhalten, bleiben Schlüsselpositionen wie Feuerwehr oder auch die Flugsicherung weiterhin entsprechend besetzt. Die Austro Control hat dazu in Linz krisenbedingt ihre Dienstpläne überarbeitet und drei in sich geschlossene Teams gebildet, um die Sicherung des Luftraums über Linz und den militärischen Flugbetrieb als kritische Infrastruktur entsprechend zu gewährleisten. Mit der Schaffung dieser geschlossenen Einheiten soll verhindert werden, dass die gesamte Dienststelle der Austro Control im Falle einer Covid-19-Erkrankung ausfällt. Denn neben den erwähnten Ambulanz- und Geschäftsreiseflügen läuft der Flugbetrieb des Bundesheeres mit 23 Hubschrauber des Typs Augusta AB.212, zehn Saab 105Ö und drei Lockheed C-130K Hercules in Linz weiter. 

Doch nicht nur die Militärflüge heben Linz derzeit vom Rest der österreichischen Bundesländerflughäfen ab. Den seit Jahren erworbenen Ruf als zweitgrößter Frachtflughafen in Österreich neben Wien kommt nun noch größere Bedeutung zu, da die zahlreichen rund um den Flughafen ansässigen Luftfrachtspeditionen einen wichtigen Teil der Güterversorgung Österreichs und der Exportwirtschaft, unter anderem für Ersatzteile namhafter heimischer Leitbetriebe, sicherstellt. Der Paketdienstleiter DHL führt auch während der Corona-Krise seine linienmäßigen Frachtflüge nach Leipzig/Halle und Brüssel durch, wobei hier nachfragebedingt in nächster Zeit etwas kleine Fluggeräte wie die Boeing 737F verstärkt zum Einsatz kommen könnten. Darüber hinaus konnte Linz, wie berichtet, einen beachtenswerten Coup mit der Aufnahme von zwei wöchentlichen Frachtflügen der Turkish Cargo mit Airbus A330F sowie Boeing 777F ab 2. April landen.               

Aufgrund deren Konnektivität besonders zu Frachtflügen aus dem asiatischen Raum können diese Flüge zur Versorgung der österreichischen Gesundheitseinrichtungen mit benötigten Sanitäts- und Hygieneartikeln in nächster Zeit bedeutend werden. Hierbei kann der Linz Airport nicht nur auf seine umfangreiche und jahrelange Erfahrung in der Abfertigung verschiedenster Frachtflüge, sondern auch auf eine entsprechend gut ausgestattete Frachtinfrastruktur seiner Frachtterminals und auf das Know-How seiner Logistikpartner im Umfeld zurückgreifen. Dieser könnte weitere Bedeutung zukommen, sollten andere Drehkreuze der europäischen Luftfracht überlastet sein oder durch eine lokale Ausbreitung der Pandemie gar gänzlich ausfallen. Durch die zentrale Lage innerhalb Europas und perfekte Anschlussbedingungen an andere Transportwege bietet Linz ideale Voraussetzungen dafür. 

Zwischenzeitlich versorgt der Linz Airport auf seiner Facebook-Seite besonders Luftfahrtfans mit Bilderraritäten aus dem umfangreichen Flugzeugbilderarchiv des Flughafens samt interessanten Hintergrundinformationen zu einzelnen Fluggeräten bzw. Flügen.

Autor: Michael David
Michael beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit den Themen Luftverkehr in Österreich, insbesondere der Regionalflughäfen, ist leidenschaftlicher Spotter und in der Szene der Flughafenfreunde aktiv. Seit März 2020 ist Michael David Teil des AviationNetOnline-Teams.

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