Level blieb Staatshilfe verwehrt - Konkurs angemeldet

Der KSV1870 veröffentlichte pikante Details zur Pleite der österreichischen IAG-Tochter.

Airbus A321-200 (Foto: Pavel Bencik).

Die insolvente Fluggesellschaft Level beantragte nach Angaben des Kreditschutzverbands von 1870 beim Landesgericht Korneuburg die Eröffnung eines Konkursverfahrens. Die Verbindlichkeiten betragen rund 12,3 Millionen Euro, exklusive Ticketgläubiger. Der vom Kreditschutzverband genannte Wert ist für Airline-Pleiten durchaus gering. Doch ein pikantes Detail birgt sich im Insolvenzantrag, denn Österreich griff nur Austrian Airlines finanziell unter die Arme, während Level leer ausging und Insolvenz anmelden musste. 

Ohne Berücksichtigung der Inhaber von Flugscheinen sind 129 Gläubiger betroffen. Level Europe beschäftigte zuletzt 231 Dienstnehmer, davon 198 in Österreich und 33 in den Niederlanden. Den Verbindlichkeiten in der Höhe von 12,3 Millionen Euro stehen nach Angaben des KSV1870 Aktiva von rund 8,4 Millionen Euro gegenüber. 

Die Insolvenzgründe laut Angaben des Unternehmens im Antrag: „Das schuldnerische Unternehmen hat seine Geschäftstätigkeit zum 01.03.2018 aufgenommen und den ersten operativen Linienflug am 17.07.2018 durchgeführt. Finanziert wurde das Schuldnerunternehmen durch die International Consolidated Airlines Group (IAG). Aufgrund des schwierigen Marktumfeldes waren zwei weitere Kapitaleinschüsse durch den Eigentümer im Jahr 2019 und 2020 erforderlich. Die Buchungszahlen und Umsätze entwickelten sich im 4. Quartal 2019 erwartungs- und planungsgemäß. Durch die COVID-19 Pandemie wurde diese Umsatzentwicklung jedoch gestoppt. Gleichzeitig wurden Kostensenkungsmaßnahmen wie z. B. Verhandlungen mit Lieferanten und Dienstleistern, Einführung von Kurzarbeit, Eliminierung nicht zwingender Kosten, usw. umgesetzt. Bemühungen um staatliche Unterstützung respektive Finanzierung blieben erfolglos. Die Konkursantragstellung war daher alternativlos. Derzeit belaufen sich die Verbindlichkeiten auf rd. 12,3 Millionen Euro.“ 

Die Veröffentlichung des Kreditschutzverbandes von 1870 wirft ein durchaus schlechtes Licht auf die Republik Österreich, da diese mit einem dreistelligen Millionen Betrag dem Mitbewerber Austrian Airlines unter die Arme greift, jedoch laut Level-Insolvenzantrag dieser Airline der Zugang zu Staatshilfe verwehrt blieb. Das obwohl Bundeskanzler Sebastian Kurz zu Beginn der Corona-Krise versprochen hatte, dass jedem Unternehmer geholfen wird. In der Praxis zeigt sich nun offenbar in Fallback in ein altbekanntes Schema. Dem Vernehmen nach hätte die IAG-Tochter die Voraussetzungen für den Erhalt staatlicher Garantien bzw. Hilfen erfüllt.

Der KSV1870 teilt zur Zukunft von Level Europe mit: „Eine Unternehmensfortführung ist laut dem schuldnerischen Konkursantrag mangels ausreichender Liquidität nicht möglich. Daher wurde der operative Betrieb bereits eingestellt. Das Unternehmen ist daher de facto geschlossen und ist eine Wiedereröffnung aus heutiger Sicht nicht möglich. DerVerbindlichkeiten aus Flugverspätungen und gebuchten Flügen, die nicht mehr durchgeführt werden konnten, sind darin noch nicht inbegriffen. Die Gesamthöhe der Verbindlichkeiten befindet sich derzeit noch in konzerninterner Abklärung.“

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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