Lauda: Vida will nicht unterschreiben, Firmenchef schaltet Finanzminister ein

Heftige Kritik am Luftfahrtgipfel vom vergangenen Freitag.

Airbus A320 (Fotos: Thomas Ramgraber).

Während die Wirtschaftskammer Österreich bereits ihre Zustimmung zum neuen Lauda-Kollektivvertrag leistete, zeigt sich die Gewerkschaft Vida in einer Aussendung wortstark. Lauda-Geschäftsführer David O’Brien kritisiert das Verhalten der Vida im Gespräch mit AviationNetOnline heftig und spricht von „skandalöser Missachtung des Willens der Mitarbeiter“.

Die Gewerkschaft richtet ihre Kritik in der jüngsten Aussendung allerdings nicht direkt an die Lauda-Geschäftsführung, sondern an ihren KV-Vertragspartner WKO. Man habe den Kollektivvertrag nicht unterschrieben, sondern der Vertretung der Arbeitgeberseite einen Gegenvorschlag übermittelt. Dem Vernehmen nach soll am Mittwoch eine weitere Verhandlungsrunde zwischen Wirtschaftskammer und Vida stattfinden. Lauda-Geschäftsführer Andreas Gruber bestätigte gegenüber AviationNetOnline, dass bis Donnerstag eine Lösung stehen muss, andernfalls werde die Airbus-Basis Wien geschlossen und Boeing 737, betrieben von Ryanair, werden bei der Wiederaufnahme der Routen alle Strecken, die bislang von Lauda mit A320 bedient wurden, übernehmen.

Co-Firmenchef David O’Brien argumentiert gegenüber AviationNetOnline, dass 95 Prozent der in Wien stationierten Piloten und 70 Prozent der Flugbegleiter ihre Zustimmung zu den neuen Konditionen des geplanten Kollektivvertrags erteilt haben. Darüber hinaus habe die Wirtschaftskammer diesen bereits unterzeichnet. Der Vorwurf an die Gewerkschaft Vida: „Über 300 hochqualifizierte Jobs werden in Wien aufs Spiel gesetzt. Den Mitarbeitern droht die Arbeitslosigkeit und die Aussichten auf einen neuen Job in der Luftfahrt sind schlecht. In ganz Europa müssen Airlines wegen der Corona-Pandemie Personal abbauen. Niemand sucht derzeit Piloten oder Flugbegleiter. Die Gewerkschaft Vida nimmt die Arbeitslosigkeit von mehr als 300 Piloten und Flugbegleitern in Kauf, um möglicherweise den Mitbewerber Austrian Airlines zu unterstützen“, so O’Brien.

„Die aktuelle Covid-19-Krise hat dramatische Auswirkungen auf alle Fluggesellschaften, und wir versuchen diese beispielslose Krise weiterhin zu überleben, indem wir Kosten sparen. Laudamotion muss jetzt mit Flag-Carriern in ganz Europa, die staatliche Beihilfen in Höhe von über 30 Milliarden Euro erhalten, darunter bis zu 800 Millionen Euro allein für Austrian Airlines, konkurrieren. Um mithalten zu können, muss Lauda dringend die Kostensenken und einen effizienteren Kollektivvertrag einführen. Dieser wurde vom Personal sehr gut aufgenommen; die WKO unterzeichnete den neuen KV gestern. Leider weigert sich die Gewerkschaft Vida (Austrian Airlines) immer noch die Vereinbarung zu unterschreiben. Deren Unterschrift ist erforderlich, um die erforderlich ist, um die Jobs der über 300 Wiener Airbus-Piloten und -Kabinen zu retten“, schreiben Andreas Gruber und David O’Brien in einem AviationNetOnline vorliegenden Brief an Finanzminister Gernot Blümel.

Vida nennt WKO den „Totengräber von Löhnen, von denen man leben kann“

In einer Aussendung kritisiert Vida-Fachgruppenobmann Daniel Liebhart das Verhalten der Wirtschaftskammer: „Die Wirtschaftskammer und Ryanair sind die Totengräber von Löhnen, von denen man leben kann. Die WKO akzeptiert den ihr von der Wiener Ryanair-Tochter Laudamotion aufs Auge gedrückten Kollektivvertragsvorschlag für das Bordpersonal der Billigairline ohne mit der Wimper zu zucken.“ Weiters betont der Arbeitnehmervertreter, dass man sich nicht erpressen lassen werde und „keinen KV unterzeichnen, der mit 848 Euro Netto-Einstiegsgehalt für FlugbegleiterInnen klar unter der Mindestsicherung in Wien (917 Euro) und noch deutlicher unter der aktuellen Armutsgefährdungsschwelle 2019 von 1259 Euro im Monat für eine Person liegt“.

In Richtung der Wirtschaftskammer kritisiert Liebhart, dass diese „bei der Lohn- und Sozialdumpingspirale nach unten ist die Wirtschaftskammer offensichtlich bereit, sämtliche Tabus zu brechen. Diese Entwicklung muss gestoppt werden“. Dennoch betont der Gewerkschafter auch, dass man einen Versuch unternehmen wird die Jobs der Lauda-Airbus-Basis Wien zu retten. Dazu habe man einen Gegenvorschlag übermittelt, führt der Vida-Gewerkschafter weiters aus: „Der Erhalt der Arbeitsplätze für die Kolleginnen und Kollegen auf der Wiener Lauda-Basis mit fairen Arbeitsbedingungen und Löhnen, mit denen man auch den Lebensunterhalt finanzieren kann, ist uns natürlich sehr wichtig. Deshalb werden wir unserem Kollektivvertragspartner WKÖ noch heute einen Gegenvorschlag für KV-Verhandlungen unterbreiten.“

Gemäß der Berechnung der Gewerkschaft Vida sollen die Löhne der Lauda-Flugbegleiter dem KV-Vorschlag nach wie folgt ausfallen.

(Grafik: Vida).

„Wir haben in der derzeitigen Situation nur die Wahl, nämlich eine Entscheidung für Jobs am heimischen Flugstandort zu treffen. Und wir haben eine Verantwortung, nämlich Jobs zu sichern, in Zeiten, in denen der Arbeitsmarkt aufgrund der Corona-Krise unter Druck ist. Die Alternative wäre, die Basis Wien aufzugeben“, sagte heute, Dienstag, der Geschäftsführer der Berufsgruppe Luftfahrt in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Manfred Handerek. Die Mehrheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Laudamotion hat die Bedingungen des neuen Kollektivvertrages akzeptiert „im Wissen, dass andernfalls der absolute Jobverlust droht. Vor diesem Hintergrund wäre es nicht vertretbar, wenn nicht alle Möglichkeiten genützt werden, möglichst viele Arbeitsplätze zu retten und den Standort zu stützen. In diesem Sinne ist das die einzig richtige Entscheidung und die Vida sollte ihren eigenen Mitgliedern den Verbleib im Unternehmen ermöglichen“.

Gewerkschaft kritisiert künstlichen Zeitdruck

Ein erheblicher Kritikpunkt der Gewerkschaft ist, dass es aus seiner Sicht derzeit überhaupt keine Notwendigkeit für den Druck, der seitens der Lauda-Geschäftsleitung ausgeübt wird, gibt. Die Lohnkosten werden aufgrund der Kurzarbeit für bis zu sechs Monate vollständig vom Arbeitsmarktservice Niederösterreich getragen. „Es besteht daher keine Notwendigkeit, dass Laudamotion einen derartigen Druck auf seine Beschäftigten ausübt und mit der Stationsschließung sowie dem Verlust aller Arbeitsplätze auf der Wiener Basis droht. Denn wie viele andere bekommt auch dieses Unternehmen Millionen an österreichischen Steuergeldern aus dem Kurzarbeitstopf zur Abdeckung der Personalkosten. Somit fallen kaum Personalkosten während des Corona-Groundings an. Wir hoffen, dass die WKÖ endlich aufwacht und im Sinne einer funktionierenden österreichischen Sozialpartnerschaft jetzt endlich mit uns faire und rechtskonforme Spielregeln festlegt, die das Laudamotion-Personal zu keinen Working Poor in Österreich machen“, so Liebhart, der auch fordert, dass bei einer eventuellen Vereinbarung mit der Wirtschaftskammer auch die Ryanair-Konzernschwestern umfasst werden müssen. Die bereits bestehende Ryanair-Basis Wien hat keinen Kollektivvertrag.

O’Brien: „Der geheime Luftfahrtgipfel ist ein Skandal“

Heftige Kritik übt Lauda-Geschäftsführer David O’Brien am Verhalten der österreichischen Bundesregierung, denn am Freitag wurde eine Art „Luftfahrtgipfel“ auf Einladung von Finanzminister Gernot Blümel abgehalten. Eingeladen wurde aber ausschließlich Austrian Airlines, während Level, Lauda, Eurowings Europe, Easyjet Europe und Peoples – ebenfalls österreichische Fluggesellschaften – nicht dabei waren und obendrein nicht einmal eingeladen wurden. „Es ist ein Skandal, dass die zweitgrößte Airline des Landes und alle anderen österreichischen Luftfahrtunternehmen, ausgenommen Austrian Airlines, nicht einmal eingeladen wurden und dann auch noch angeblich Vergünstigungen am Flughafen Wien und bei der Austrocontrol besprochen wurden, die nur für Austrian Airlines gelten sollen. Das ist eine massive Wettbewerbsverzerrung, die wir so nicht hinnehmen werden“, so der Lauda-Chef gegenüber AviationNetOnline. „Es ist ein Skandal, dass in einem regelrechten Geheimtreffen exklusive Rabatte für eine einzige Airline verhandelt werden und die Mitbewerber nicht mal eingeladen werden. Gleichzeitig setzt die Gewerkschaft Vida mit ihrem Verhalten 300 hochqualifizierte Jobs in Wien aufs Spiel, um so Unterstützung für Austrian Airlines zu leisten. Das ist undemokratisch und unfair gegenüber unseren Mitarbeitern“.

In dem an Finanzminister Gernot Blümel adressierten Brief, der AviationNetOnline vorliegt, beklagen sich die Lauda-Geschäftsführer Andreas Gruber und David O’Brien darüber, dass die Nichteinladung der zweitgrößten Fluggesellschaft Österreichs „inakzeptabel“ ist. Auch verweist man darauf, dass man am 15. Mai 2020 eine Einladung angefordert habe, jedoch bis heute das Schreiben nicht einmal beantwortet wurde.

Zu lesen ist auch, dass die Gewerkschaft Vida insgesamt acht Verhandlungstermine unbeantwortet und unbesucht gelassen hat und erst am vergangenen Freitag erste Gespräche aufgenommen hat.

„Letzten Freitag hat die Gewerkschaft Vida endlich ein angenommenes Klärungstreffen, das enttäuschend war, da sie nicht einmal den neuen KV gelesen haben und bat nicht um eine Klarstellung des Dokuments. Deshalb erwarten wir, dass sich Vida weigern wird dieses Dokument zu unterschreiben. Dies wird der einzige Grund sein warum dann Lauda im weiteren Verlauf zur Bekanntgabe der Schließung der Basis Wien per 30. Mai 2020 gezwungen sein wird. Rund 300 hochbezahlte Arbeitsplätze gehen dann nur deshalb verloren, weil sich die Vida weigert den Wünschen der überwiegenden Mehrheit der Mitarbeiter nachzukommen. Wir haben wenig Hoffnung, dass die Gewerkschaft Vida den neuen Kollektivvertrag ohne Ihre Unterstützung unterzeichnen wird. Der neue KV ist die Basis, um über 300 Kündigungen in Wien vermeiden und den Wiederaufbau von Lauda und dessen starkem Netzwerk, sobald die Krise vorbei ist, zu ermöglichen. Auch wird die wichtige Rolle von Wien als Unternehmensstandort unterstrichen, denn wir liefern als zweitgrößter Carrier Österreichs die erforderliche Konnektivität“, schreibt die Lauda-Geschäftsleitung an Finanzminister Gernot Blümel.

„Aus diesem Grund bitten wir Sie um Ihre Unterstützung, damit Sie die Vida-Gewerkschaft auffordern, diesen neuen Kollektivvertrag zu unterzeichnen und damit die rund 300 Arbeitsplätze unserer Crews und damit auch die Zukunft ihrer Familien zu retten“, so David O’Brien und Andreas Gruber abschließend in ihrem Brief an den Finanzminister.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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