Lauda: Vida bezeichnet Management-Vorstoß als "schäbig"

Gewerkschaft kritisiert Nichtanwendung des KVs für Neueinstellungen heftig.

Airbus A320 (Foto: Thomas Ramgraber).

Die österreichische Fluggesellschaft Lauda kündigte in einem Mitarbeiterrundschreiben an, dass für Neueinstellungen ab Jänner 2020, die ohnehin über die heimische Zweigniederlassung der Leiharbeitsfirma Crewlink Ireland Ltd. erfolgen, der Kollektivvertrag nicht mehr angewandt wird, AviationNetOnline berichtete. Nun reagiert die Gewerkschaft Vida und bezeichnet die Vorgehensweise als „schäbige Versuche des Managements, sich Kollektivvertrag zurechtzubiegen.“

„Der Kollektivvertrag gilt in vollem Umfang für neue MitarbeiterInnen wie auch für überlassenes Personal. Lauda kann hier nicht einfach österreichisches Recht negieren“, stellt Liebhart klar Daniel Liebhart, Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt. Auch verweist der Arbeitnehmervertreter darauf, dass der KV zwischen Wirtschaftskammer und Gewerkschaft geschlossen wurde und solange gilt bis er von einer der beiden Vertragspartner aufgekündigt wird. Ebenfalls kritisch sieht Liebhart, dass das Management beabsichtigt, dass die Betriebsräte von Flugbegleitern und Piloten getrennt werden sollen.

Die letzte Betriebsratswahl wird von der Lauda-Geschäftsleitung und Konzernchef Michael O’Leary nicht anerkannt und als „null und nichtig“ betrachtet. Am letzten Tag der Anfechtungsfrist brachte das Unternehmen ein Rechtsmittel beim zuständigen Arbeitsgericht ein. Liebhart kommentiert dies wie folgt: „Wohl nicht einmal die Juristen von Lauda glauben, dass sie damit durchkommen. Jeder, der sich auch nur im Entferntesten mit Arbeitsverfassung auskennt, weiß zudem, dass man als Management in Österreich keinen Betriebsrat gründen kann. Rechtlich unmöglich ist es außerdem, dass das Management einen getrennten Betriebsrat zwischen Cockpit- und Kabinenpersonal installieren kann. Die Arbeitsverfassung definiert das fliegende Personal ausdrücklich als einen Betrieb.“ Nach Angaben der Gewerkschaft plädiert Lauda vor Gericht auf „Ungültigkeit der Wahl“, was laut Liebhart zur Folge hätte, dass der Betriebsrat bis zu einer Neuwahl voll handlungsfähig ist. Allerdings betonte O’Leary wiederholt im Rahmen von Pressekonferenzen, dass der momentan gewählte Betriebsrat komplett ignoriert wird. Eine Zusammenarbeit findet daher nicht statt.

Es gibt für Liebhart auch kein Rütteln an den bestehenden Arbeitszeitregeln: „Sie können nicht einseitig geändert werden. Adaptionen sind prinzipiell möglich, aber auch nur mittels einer Betriebsvereinbarung. Zudem muss der Betriebsrat zustimmen. Eine derartige Betriebsvereinbarung gibt es aktuell nur für PilotInnen. Das Kabinenpersonal unterliegt nach wie vor zu einhundert Prozent den Regelungen des Kollektivvertrags.“

„Ich fordere alle verantwortlichen Stellen sowie die neue Regierung auf, Unternehmen wie Lauda in die richtige Bahnen zu leiten. Das Nicht-Handeln der Wirtschaftskammer angesichts des aktuellen Dumpingwettbewerbs am Flughafen Wien wird in einer Bruchlandung enden. Man kann sich nur wundern, dass die Wirtschaftskammer, die normalerweise immer Standortförderung betont, hier stumm bleibt. Ihre Politik des Nichtstun führt dazu, dass auf unseren Flughäfen hunderte Jobs von seriösen Unternehmen abgebaut werden“, so Vida-Gewerkschafter Daniel Liebhart, für dessen Augen das Vorgehen der Lauda-Geschäftsleitung „eindeutige Ankündigungen für vorsätzlich rechtswidriges Handeln. Damit werden nicht nur die Beschäftigten verunsichert, sondern auch weiter Druck aufgebaut, damit die innerbetriebliche Mitbestimmung unter die Schirmherrschaft des irischen Managements rutscht“ sind. Enttäuscht zeigt sich der Gewerkschafter auch über den Umstand „vom dem anfangs harten aber durchaus fairen Verhandlungspartner Lauda nach der Komplettübernahme durch Ryanair quasi nichts mehr übrig ist. Die angepriesene „österreichische Lösung“ ist mittlerweile nur mehr eine Farce“.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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