Lauda überträgt sämtliche Wien-Slots an Ryanair

Unternehmen rechnet nicht mit einer Zustimmung der Gewerkschaft zum Kollektivvertrag. Fast 560 Jobs sind in Gefahr.

Foto: Thomas Ramgraber.

Die Fluggesellschaft Lauda hat sämtliche am Flughafen Wien-Schwechat gehaltenen Slots an die Konzernschwester Ryanair DAC verschoben. Dabei handelt es sich um die operative Fluggesellschaft Ryanair, die sich ebenfalls im Eigentum der Konzernmutter Ryanair Holdings plc befindet. Aus einem internen Rundschreiben, das von den Lauda-Geschäftsführern Andreas Gruber und David O’Brien unterzeichnet ist, geht hervor, dass man davon ausgeht, dass die Gewerkschaft Vida zu Zustimmung zum geforderten neuen Kollektivvertrag verweigern wird.

Bereits Anfang der Woche kündigte die Lauda-Unternehmensleitung gegenüber AviationNetOnline an, dass sämtliche OE-Verbindungen ab Wien in Kürze auf FR-Flugnummern umgestellt werden. Die nunmehr erfolgte Übertragung der Start- und Landerechte soll es Ryanair DAC ermöglichen im Falle einer Schließung der Lauda-Airbus-Base Wien das Angebot mit ihren „günstigeren Boeing 737“ zu betreiben. Dieser Schritt werde allerdings nicht gesetzt bzw. zurückgenommen, so es zum Abschluss eines neuen Kollektivvertrages kommen sollte.

Andernfalls werde man die Lauda-Airbus-Base Wien schließen, die Kurzarbeit vorzeitig beenden und sämtlichen Flugbegleitern und Piloten der Basis Wien ordentlich unter Einhaltung der Fristen kündigen. Der Form halber informierte das Unternehmen die Vorsitzende des von der Geschäftsleitung nicht anerkannten Betriebsrats über die bevorstehenden Kündigungen bzw. die beabsichtigte vorzeitige Beendigung der Kurzarbeit.

Im jüngsten Anschreiben behauptet die Lauda-Geschäftsführung, dass die Gewerkschaft Vida auf Briefe und Einladungen zu Gesprächen nicht reagiert habe. Diesbezüglich wird die Anschuldigung erhoben, dass die Rettung der Jobs bei Austrian Airlines für die Arbeitnehmervertreter eine höhere Priorität haben könnte. Bereits am Vortag wurden an die Piloten und Flugbegleiter der Lauda-Basis Wien neue Einzelverträge ausgeschickt. Diese sollen ab 1. Juli 2020 in Kraft treten, sofern zwischen Wirtschaftskammer und Vida der beabsichtigte neue Kollektivvertrag abgeschlossen werden kann. Sowohl die elektronische Zustimmung zu den Einzelverträgen als auch der neue KV, der niedrigere Löhne vorsieht, werden als Bedingung gemacht, um die Airbus-Basis Wien vor der Schließung zu bewahren. Wiederholt betont die Geschäftsleitung des Carriers, dass sich die Ryanair Group nicht aus Wien zurückziehen werde, sondern lediglich die Umstellung auf eine Konzernschwester die Folge wäre. Das fliegende Lauda-Personal in Wien wäre dann aber die Jobs los.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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