Lauda stationiert drei weitere A320 in Wien

Zusätzliche Destinationen in Richtung Türkei, Polen, Italien, Koratien, Irland, Ukraine und Bulgarien.

Michael O'Leary (links) und Lauda-CFO Andreas Fritthum (Foto: Jan Gruber).

Die österreichische Fluggesellschaft Lauda wird im Sommerflugplan 2020 weitere Destinationen ab Wien aufnehmen. Dabei handelt es sich um Antalya, Bodrum, Dalaman, Dortmund, Kherson, Perugia, Rimini, Shannon, Varna, Warschau-Modlin, Zaragoza und Zadar. Die Strecken sind bereits buchbar, wie Ryanair-Group-CEO Michael O'Leary am Mittwoch in Wien erklärte.

Darüber hinaus sollen weitere Frequenzen aufgestockt werden, so dass sich der Carrier laut Lauda-Finanzchef Andreas Fritthum sich stark auf Business-Reisende fokussieren will. So werden Dortmund und Warschau-Modlin täglich aufgenommen und weitere angekündigte Strecken (beispielsweise Wien-Luqa) zum Teil verdoppelt. Allerdings würde Lauda laut Michael O'Leary derzeit pro Woche rund eine Million Euro Verlust in Wien machen - im kommenden Jahr will man jedoch schwarze Zahlen schreiben. Der einzige Grund warum Lauda in Wien Verluste machen würde, ist laut O'Leary der Preiskampf, der in Wien tobt. 

Michael O'Leary rechnet aber damit, dass dieser im kommenden Jahr zurückgehen werde und Lauda "leicht erhöhte" Durchschnittspreise erzielen könne. Dies soll maßgeblich dazu beitragen, dass der Carrier ab 2021 profitabel wird. Dennoch betont der Group CEO, dass Lauda weiterhin der billigste Anbieter bleiben werde. Auf die Frage, ob Wien der verrückteste Preiskampf wäre, meinte er, dass er in all den Jahren schon so viele erlebt habe - allenfalls sei er der verrückteste der letzten Jahre, aber da gab's schon viel heftigere." Auch rechnet er damit, dass sich Anisec noch weiter verkleinern - oder gar aus Wien zurückziehen werde.

Steigende Preise in Deutschland
Routen gibt Michael O'Leary in der Regel nur eine Saison um profitabel zu werden, aber in Wien wäre die Situation gerade anders. In Deutschland würde die erhöhte Flugticketsteuer dazu führen, dass generell die Preise steigen würden, aber man werde immer noch deutlich billiger sein als Lufthansa. "Eurowings kann meiner Meinung nach niemals profitabel werden. Die haben viel zu viele Flugzeuge und sind viel zu komplex organisiert. Es wurden bei der Übernahme von Air-Berlin-Kapazitäten viele Fehler gemacht, weil sie auf den Slots sitzen wollen. So können die niemals profitabel werden", so der Ryanair-Chef.


Lauda-Finanzchef Andreas Fritthum (Foto: Thomas Ramgraber).

Die Anzahl der in Wien stationierten Flugzeuge soll um drei Airbus A320 erhöht werden. Insgesamt werden dann in der österreichischen Hauptstadt 19 Maschinen stationiert sein (davon vier von Ryanair betriebene Boeing 737-800). Die Gesamtflotte soll auf 36 Maschinen ausgebaut werden.  Insgesamt sollen 87 Destinationen ab Wien angeboten werden. Bis 2021 soll die Lauda-Gesamtflotte auf mindestens 45 Airbus A320 anwachsen.

Finanzchef Andreas Fritthum beziffert den durchschnittlichen Ticketpreis mit 37 Euro. Gleichzeitig betont der Manager, dass "die Konkurrenz da nicht mithalten" könne. Im kommenden Jahr will der Carrier zehn Millionen Passagiere befördern und sich damit der Beförderungsleistung von Austrian Airlines annähern. Weiters profitiere man sehr stark von den Insolvenzen wie Adria Airways, Thomas Cook und Aigle Azur, denn dadurch wären zusätzliche Maschinen, aber auch Piloten kurzfristig auf dem Markt verfügbar. Der Wachstumskurs würde von Ryanair mitgetragen werden, denn man wolle die größte Airline Österreichs werden. 

O'Leary: "Wirbel um Crewlink-Verträge führte zu Rekordzahlen"
Die Medienberichterstattung rund um die umstrittenen Crewlink-Verträge habe laut Michael O'Leary keinen negativen Einfluss auf die Buchungszahlen gehabt - Lauda soll gar Rekordzahlen verzeichnet haben. Der Manager betont, dass jene Gehälter, die Crewlink zahlen würde, ident mit jenen von Lauda wären und man den Kollektivvertrag einhalten würde. "Da gibt es keinen Unterschied, die Crewlink-Verträge für die Piloten und die Kabinencrews sind komplett vom Lauda-Kollektivvertrag abgedeckt", so O'Leary. Hinsichtlich der Befristung verwies er darauf, dass dies im gesamten Konzern üblich wäre und in Richtung Vida meinte er, dass er sich für deren öffentlichen Einsatz um Lauda bedankt, denn dadurch würde man Rekordzahlen erzielen. Auch hat er kein Problem mit den All-In-Verträgen, denn Kabinenbesatzungen könnten ohnehin nur 900 Flugstunden fliegen.

Airbus A320 in Lauda-Farben (Foto: Thomas Ramgraber).

"All-In bedeutet bei uns in England und Irland, dass es das Grundgehalt ist. Die Crews bekommen ja nicht nur das, sondern weiterhin Diäten und flugstundenbezogene Gehälter. Unter dem Strich ist überhaupt kein Unterschied zu den Lauda-Verträgen. Ich garantiere, dass sämtliche Crewlink-Verträge komplett vom Lauda-Kollektivvertrag abgedeckt sind", so Michael O'Leary. "Und eines muss auch klar sein: Wenn das Flugzeug an eine andere Base abgezogen wird, dann kann der Mitarbeiter mitgehen oder eben nicht. Wir schaffen Jobs für unsere Flugzeuge und nicht für Wien. Das ist in der Branche üblich."

Er schließt weiters aus, dass bestehende Lauda-Mitarbeiter in Crewlink-Verträge verschoben werden könnten. "Nur den umgekehrten Weg gibt es. Von Crewlink zu Lauda, aber nicht umgekehrt", erklärt Michael O'Leary. "Der Kollektivvertrag wird nicht aufkündigt. Wir haben keinerlei solche Pläne. Es ist doch gar nicht möglich beim Personal Kosten zu sparen, aber ja, wir haben im Headoffice bei Lauda einige Leute abgebaut, deren Aufgaben jetzt von Dublin aus erledigt werden. Ja, die Tickets sind momentan zu billig. Vier Euro mehr Durchschnittserlös pro Passagier und Lauda ist profitabel."

Man werde in Wien und Palma 100 neue Piloten und 200 zusätzliche Flugbegleiter einstellen. Diese benötige man im Sommer 2020, erklärte O'Leary. Drei Maschinen sollen in Stuttgart stationiert sein, elf in Palma de Mallorca, sieben in Düsseldorf und der Rest in Wien. Insgesamt will man 36 Airbus A320 betreiben, die ab Palma de Mallorca allerdings auch teilweise im Wetlease im Auftrag von Ryanair eingesetzt werden sollen. Die meisten Piloten, die sich momentan bei Lauda bewerben würden, würden von Adria Airways und Thomas Cook stammen. Generell hätte man in Wien derzeit zu viele Flugbegleiter, in Palma jedoch noch zu wenig. Derzeit habe man in Wien 200 Piloten und Flugbegleiter beschäftigt.  

Uniform wird bezahlt
Angesprochen auf den Umstand, dass in den Verträgen festgehalten ist, dass die Uniformen gekauft werden müssten, sagte Michael O'Leary, dass das Personal diese kostenlos bekommen. Nur, wenn zusätzliche benötigt werden oder diese mutwillig beschädigt werden, muss Ersatzkleidung selbst bezahlt werden. Die Erstaustattung wäre zum Preis von 0 Euro für das Personal erhältlich. "Niemand müsste etwas für die neue Uniform bezahlen und das bleibt auch so, außer er will mehr Uniformen oder macht sie mutwillig kaputt, dann muss er eine neue zahlen. Sonst nicht", erklärt Michael O'Leary.


Foto: Thomas Ramgraber.

Die Frage wem Crewlink eigentlich gehören würde, wollte Michael O'Leary nicht beantworten. "Einem irischen Mann und seiner Ehefrau und alles andere, das in den Medien kursiert, stammt irgendwo aus dem Star-Wars-Universum. Crewlink ist nur eine von vielen Agenturen, mit denen Ryanair zusammenarbeitet", so Michael O'Leary. "Und warum machen wir das bei Lauda überhaupt? Wir wollen mehr Flexibilität bekommen und durch die Befristung später entscheiden, ob wir die Mitarbeiter dauerhaft in direkter Anstellung bei Lauda übernehmen oder nicht. Das ist momentan nicht anders möglich." Konfrontiert damit, dass in Österreich Dienstverträge seit 2003 ohne Angaben von Gründen vom Arbeitgeber gekündigt werden können, sagte der Ryanair-Chef, dass dies nicht stimmen würde. 

O'Leary will Betriebsratswahl ignorieren
"Der Betriebsrat hat eine Wahl abgehalten mit über 400 Mitarbeitern abgehalten. Merkwürdig, wir haben hier aber nur 200 Beschäftigte. Da haben doch welche teilgenommen, die gar nicht mehr hier arbeiten", so Michael O'Leary. "Ich bin doch der beste Freund der Gewerkschaften!"

"Wir werden nicht gegen die Betriebswahl klagen, wir werden sie einfach ignorieren. Die Leute sollen mal zu uns kommen und mit uns reden, dann schauen wir weiter, aber wir werden keine Zeit dafür verschwenden gegen die vor Gericht zu ziehen. Wir ignorieren sie einfach", so Michael O'Leary. "Es stimmt einfach nicht, dass wir die Personallisten nicht ausgegeben haben. Wir haben sogar dreimal nachweislich daran erinnern. Aber wie kann es sein, dass 400 Mitarbeiter an der Wahl teilgenommen haben, obwohl wir nur 200 beschäftigen? Wir haben den Datenschutz auch zu beachten und stellen der Vida sicher keine Liste unserer Beschäftigten zur Verfügung. Und die absolute Krönung ist, dass die Vida eine Mitarbeiterin, die zur Vorsitzenden aufgestellt wurde, gar nicht mehr im Unternehmen tätig ist. Klage dagegen hin oder her, sie arbeitet nicht mehr bei uns."

Buzz- und Malta-Air-Livery kommt im kommenden Jahr auf Boeing 737-Max
Die Schwestergesellschaften Buzz und Malta Air werden im Sommer 2020 ihre ersten Maschinen in eigener Livery erhalten. "Der Zeitpunkt hängt davon ab wann wir unsere Boeing 737-Max erhalten werden. Es gehen zahlreiche an Buzz und Malta Air und werden in deren Farben lackiert. Ich gehe mal davon aus, dass das im Sommer 2020 spätestens der Fall sein wird", erklärte Michael O'Leary. "Die bestehenden 737NG werden die Malta Air und Buzz Livery definitiv nicht bekommen. Das macht einfach finanziell keinen Sinn mehr."

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

    Special Visitors

    Zimex Aviation / HB-ALN
    Vueling Airlines / EC-NAJ
    Lufthansa / D-AIHZ
    Rossiya Airlines / VQ-BAS
    Air China / B-2035
    Etihad Airways / A6-BLV
    TUI Airlines Belgium / OO-JAF

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    René Steuer

    Carlo Sporkmann