Lauda: Ryanair Group soll vor Airbus-Großbestellung stehen

Irischer Konzern dementiert prompt.

Airbus A320 (Foto: Thomas Ramgraber).

Dass Ryanair früher oder später fabrikneue Maschinen der A320neo-Reihe bei Airbus bestellen möchte, ist ein offenes Geheimnis. Mit der EI-SEV, der einzigen Boeing 737-700 des Carriers, waren Group-CEO Michael O’Leary und Lauda-Chef Andreas Gruber in der Vergangenheit schon wiederholt in Toulouse bei Airbus zu Gast, doch zu einer Festbestellung ist es bislang nicht gekommen. Der sonst durchaus sehr mitteilungsbedürftige O’Leary wird bei diesem Thema auch sehr ausweichend und hebt die Vorzüge der billigen Leasingkosten der aktuellen A320ceo-Flotte von Lauda hervor.

Doch langfristig wird sich der Ire entscheiden müssen, ob Lauda weiterhin Airbus-Operator bleibt oder auf Boeing 737 (Max) umstellen wird. Beides hat aus Konzernsicht Vor- und Nachteile. Selbstredend ist es günstiger, wenn gruppenweit nur ein einziger Maschinentyp betrieben wird, doch wie die gesamte Miesere rund um die 737-Max eindrucksvoll zeigt, ist es absolut unvorteilhaft, wenn Maschinen gar nicht übernommen werden dürfen.

Ryanair ist besonders hart getroffen, da man kurzfristig keine Alternative zur Hand hat. Durch den Einsatz von Airbus A320, betrieben durch die Tochtergesellschaft Lauda, kann man zwar teilweise den Ausfall der 737-Max-Kapazität abfangen, doch eben nur teilweise. Also muss eine langfristige Lösung her, um die Abhängigkeit von Boeing zu reduzieren oder aber um kräftige Rabatte bei den Amerikanern herausschinden zu können. Beide Varianten sind in der so genannten Ryanair-Welt durchaus vorstellbar.

Ryanair-Chef Michael O’Leary selbst sagte während diverser Lauda-Pressekonferenzen in Wien und Schwechat, dass ihm die Bestellung von rund 100 Maschinen der A320neo-Reihe für Lauda vorschwebt. Allerdings betonte er auch, dass es schon allein aufgrund der Lieferslots bei Airbus ein eher langfristiges Projekt wäre.

Die Wirtschaftswoche berichtete nun, dass sich die Ryanair Group in weit fortgeschrittenen Verhandlungen mit Airbus über den Kauf von rund 100 A320neo/A321neo befinden soll. Diese sollen durch die Tochtergesellschaft Lauda sowohl in deren eigenem Streckennetz als auch im Wetlease für Ryanair betrieben werden. Das Medium, das für gewöhnlich durchaus sehr gut informiert ist, bezog sich dabei auf Unternehmenskreise. Ryanair dementierte prompt, Lauda sagte lediglich, dass man mit Verhandlungen mit Airbus über einen weiteren Flottenausbau stehe. Mehr war von offizieller Seite nicht zu hören.

Für Airbus dürfte eine Ryanair-Group-Großbestellung durchaus ein Schachzug gegen Boeing sein, allerdings hat es der europäische Konzern derzeit schlichtweg nicht notwendig hohe Rabatte zu gewähren, die seitens der Iren stets bei Boeing herausverhandelt werden konnten. Ryanair verhandelte in der Vergangenheit öfters mit alternativen Flugzeugbauern, entschied sich letztlich immer für Boeing, wobei die Amerikaner kräftige Preisnachlässe gewährten. Laut Wirtschaftswoche soll der Billigflieger diesmal aber ernsthaft an Airbus-Jets interessiert sein und sich auch mit niedrigeren Rabatten zufriedengeben. Doch Boeing könnte sprichwörtlich nochmals die Hosen herunterlassen, um eine solche Order zu verhindern. Ryanair war schon immer ein Garant für Überraschungen.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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