Lauda: O'Leary schiebt A320neo-Order auf die lange Bank

Gebrauchte A320 wären momentan günstiger zu betreiben und Boeing soll seinen "Shit" endlich "zuverlässig und sicher in die Luft bringen".

Michael O'Leary am Donnerstag in Schwechat (Foto: Thomas Ramgraber).

Im Vorjahr stellte Niki Lauda und Michael O’Leary eine rasche A320neo-Order für die Fluggesellschaft Lauda in Aussicht, doch bislang wurde keine Bestellung beim europäischen Flugzeugbauer getätigt. Noch vor einigen Monaten sprach der Group-CEO von über 100 Neos, doch diese Gedanken sind nun auf die lange Bank geschoben.

Im Gespräch mit AviationNetOnline erklärte Michael O’Leary, dass es auf absehbare Zeit eine Bestellung von fabrikneuen Flugzeugen für Lauda geben wird. „Airbus ist in den nächsten Jahren vollständig ausgebucht und gebrauchte Leasingflugzeuge sind zurzeit sehr billig zu haben. Der Grund dafür ist, dass besonders in Asien viele geleaste A320neo eingeflottet werden und die A320ceo-Modelle im Überfluss günstig auf dem Markt zu haben sind. Zuletzt hat uns ein großer Leasinggeber ein gutes Angebot für einen A320 gemacht und in den Verhandlungen haben wir dann gesagt, okay, nehmen wir, aber dann gleich drei Stück.“ Die Leasingraten wären derartig günstig, dass die Maschinen derzeit kostengünstiger zu betreiben wären als Neuflugzeuge. Langfristig denkt Michael O’Leary aber dann noch an fabrikneue Flugzeuge, nur eben nicht kurzfristig.

Angesprochen auf die Boeing 737-Max, die die Expansionspläne von Ryanair kräftig durcheinandergewirbelt hat, war dem Manager anzusehen, dass er mit der Situation alles andere als glücklich ist. „Die sollen ihren Shit endlich zuverlässig und vor allem sicher in die Luft bringen“, beschrieb O’Leary den Stand der Dinge. „Ja, klar die 737-Max ist im Moment so billig wie noch nie zu haben, aber es ist nicht vorhersehbar was in den nächsten paar Jahren generell so passiert. Es kann sein, dass Airbus ein Debakel hat, dann gehen bei Boeing die Preise hoch und bei Airbus runter. Das sind Faktoren, die wir als Airline nicht beeinflussen können. Alle Max-Kunden sind momentan gleichermaßen betroffen und ja hätte, wäre, wenn, aber das ändert nichts daran, dass Boeing diesen Shit endlich sicher und zuverlässig in die Luft bringen müsste.“

Für Lauda sieht der Ryanair Group-CEO frühestens in drei bis vier Jahren die Möglichkeit zur Bestellung von fabrikneuen Airbus-Maschinen. „Die großen Leasinggeber haben Airbus regelrecht ausgebucht und wenn die Aufträge abgearbeitet sind, müssen sie aber weiterverkaufen. Dann werden sowohl der Preis als auch die Liefertermine flexibler sein.“ Darauf angesprochen, ob die 737-Max eine Option für Lauda wäre: „Grundsätzlich ist alles immer eine Option, aber Lauda wollen wir als Airbus-Operator weiterentwickeln, um eben als Group flexibler zu sein. Wir sind dann unabhängiger von Boeing und wären von so einem Debakel wie jetzt mit der Max nicht stark betroffen. Ja, aber grundsätzlich: Es funktioniert sehr gut, dass Lauda mit A320 fliegt und der Rest der Group mit Boeing 737. Das soll auch so bleiben.“

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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