Lauda: Leiharbeitsfirma Crewlink will Flugbegleiter mit 959 Euro netto abspeisen

Arbeitsverträge werden bereits abgeschlossen und von Bergamo aus verschickt, jedoch ist die "Crewlink Ireland Limited, Zweigniederlassung Österreich" weder im Firmenbuch eingetragen, noch liegt eine aufrechte Gewerbeberechtigung als Arbeitskräfteüberlasser vor. Die Gewerkschaft Vida will gegen die Verträge (liegen AviationNetOnline vor), die eklatante Formfehler aufweisen, vorgehen und spricht davon, dass der Netto-Verdienst gar unter der Armutsgefährdungsschwelle liegen würde. Für Lauda beschwichtigt und dementiert der stellvertretende Ryanair-Personaldirektor Robert Wall weitgehend.

A320 (Foto: Jan Gruber).

Mit einem Netto-Gehalt von nur 959 Euro sollen künftig Leiharbeiter an Bord von Lauda-Flugzeugen tätig sein. Das Unternehmen wird künftig Piloten und Stewards nicht mehr direkt, sondern über die Crewlink Ireland Ltd., Zweigniederlassung Österreich, beschäftigen. Für das fliegende Personal bedeutet das insbesondere deutlich weniger Lohn, wie aus AviationNetOnline vorliegenden Crewlink-Arbeitsverträgen für die Überlassung an Lauda hervorgeht. Auch fixe Bases gibt es künftig nicht mehr und in den englischsprachigen Verträgen birgt sich gar die Formulierung, dass die Uniformen selbst gekauft werden müssen. Lauda-Personalchef Robert Wall dementiert letzteren Punkt. Doch: Die Leiharbeitsfirma ist noch nicht einmal im Firmenbuch eingetragen und verfügt über keine aufrechte Gewerbeberechtigung, schließt jedoch bereits Arbeitsverträge ab.

„In der Kürze der Zeit war eine juristische Prüfung aller Vertragsdetails leider nicht möglich. Unserer Ersteinschätzung nach, erscheinen die Verträge aber in vielen Punkten als moralisch verwerflich. Zusätzlich werden die Flugbegleiterinnen Flugbegleiter der aktuell laufenden Kurse bei Lauda unter Druck gesetzt, solche Verträge zu unterschreiben: Wenn sie nicht unterzeichnen, stehen sie nach der Ausbildung ohne Job da. Viele sind für ihre Ausbildung extra nach Wien gezogen oder haben deswegen sonstige Unkosten auf sich genommen“, so Vida-Fachbereichsvorsitzender Daniel Liebhart gegenüber AviationNetOnline.

Vida-Liebhart: "Crewlink zahlt deutlich unter der Armutsgefährdungsschwelle" 

Bislang legte Lauda großen Wert darauf, dass sich die Bezahlung aus einem fixen Grundgehalt und einem variablen Bestandteil, der sich nach der Anzahl der tatsächlich geleisteten Flugstunden orientiert. Einfaches Prinzip: Wer mehr fliegt, bekommt auch mehr Geld am Monatsende. Neu ist, dass es ein Fixgehalt mit so genannter „All-In-Klausel“ gibt. Das bedeutet, dass sämtliche Mehr- und Überstunden automatisch abgedeckt sind. Kleines „Trostpflaster“: Für die Crewlink-Leiharbeiter gibt es künftig 10 Prozent Provision für alle Verkäufe, die sie an Bord tätigen. Auch bei den Piloten ist der Verdienst laut vorliegendem Crewlink-Vertrag niedriger als im Lauda-KV und ebenfalls "All-In."


Foto: Jan Gruber.

„Alle Piloten und Flugbegleiter, die von Crewlink für den Betrieb mit Lauda-Flugzeugen eingestellt wurden, fallen unter die CLA von Lauda. Dies ist anders als bei unseren Wettbewerbern Level und Wizz, bei denen keine solche CLA gilt“, erklärt Lauda-Personalchef Robert Wall gegenüber AviationNetOnline. „Die Einkünfte der Junior-Flugbegleiter im Rahmen des Crewlink-Vertrags sind vergleichbar mit denen der direkt bei Laudamotion beschäftigten Junior-Flugbegleitern.“

„Wir können dennoch die Kolleginnen und Kollegen daher nur warnen, solche Verträge zu unterschreiben. Neben vielen anderen Klauseln im Vertrag wie etwa zu Homebase/Arbeitsort, Kündigungsmöglichkeiten, Versetzungsmöglichkeiten in ganz Europa oder unklare Arbeitgeberbezeichnung  kann als Beispiel auch das in Aussicht gestellte Gehalt herangezogen werden. Lauda und Ryanair bietet den Flugbegleiterinnen und  Flugbegleitern ein All-in Gehalt von 1.130,63 Euro an. Davon bleiben netto noch 959 Euro übrig. Dieser Betrag liegt klar unter der Armutsgefährdungsschwelle, die für 2018 für einen Einpersonenhaushalt mit 1.259 Euro angegeben wird. Um dieses Gehalt, das noch dazu All-in ist, kann man im Großraum Wien weder halbwegs vernünftig Wohnen noch seinen Lebensunterhalt in einem würdigen Ausmaß bestreiten. Es stellt sich die Frage, ob sich junge Kolleginnen und Kollegen unter solche Bedingungen zu einer derart niedrigen Entlohnung überhaupt einem solchen Knebelvertrag unterwerfen wollen oder gleich die Flucht zu einem anderen Dienstgeber suchen“, so Vida-Gewerkschafter Daniel Liebhart.

Crewlink-Verträge weisen eklatante Mängel auf 

AviationNetOnline liegen Crewlink-Lauda-Verträge für Piloten und Flugbegleiter vor, doch weisen diese massive formale Mängel und Verstöße gegen das österreichische Recht, das einer Klausel nach übrigens gültig ist. Beispielsweise werden weder die Mitarbeitervorgekasse, noch der abwendbare Kollektivvertrag und schon gleich gar nicht wie hoch das Grundgehalt ist und wie hoch die Überzahlung, aus der sich das „All-In“ ergibt, genannt. Selbstredend fehlt auch die Angabe der wöchentlichen Arbeitszeit.

Doch dem nicht genug: In den vorliegenden Arbeitsverträgen wird zwar eine „Crewlink Ireland Limited, Zweigniederlassung Österreich“ als Vertragspartner und damit Arbeitgeber genannt, doch mit Stand 21. Oktober 2019 war diese „Zweigniederlassung einer ausländischen Kapitalgesellschaft“ überhaupt nicht im österreichischen Firmenbuch eingetragen. Auch hat man zu diesem Stichtag auch keine aufrechte Gewerbeberichtigung als Arbeitskräfteüberlasser („Personalleasing“, „Leiharbeit“) gehabt. Im Arbeitsvertrag selbst wird keinerlei ladungsfähige Anschrift der „Crewlink Ireland Limited, Zweigniederlassung“ genannt.


Foto: Thomas Ramgraber.

"Arbeitgeber wird Crewlink sein, die eine Leiharbeitnehmerlizenz in Österreich beantragt hat. Sobald ihre Niederlassung registriert ist, richten sie eine Postanschrift und einen HR-Ansprechpartner für ihre Mitarbeiter ein. In der Zwischenzeit werden die Verträge über das Büro von Crewlink in Dublin abgewickelt, um die Rekrutierung (vieler arbeitsloser ehemaliger Piloten von Thomas Cook und Adria) zu beschleunigen, während nur Anträge auf einen Flughafenausweis über das Büro von Crewlink in Bergamo abgewickelt werden“, so der stellvertretende Ryanair-Personalchef Robert Wall, der derzeit als Head of HR bei Lauda fungiert, gegenüber AviationNetOnline. „Alle Anforderungen der österreichischen Mitarbeitervorsorgekassen werden von Crewlink erfüllt, da diese Verträge eindeutig österreichischem Recht unterliegen.“

Angeblich sollen nur "Neuzugänge" über Crewlink beschäftigt werden

Lauda-Geschäftsführer Andreas Gruber wollte sich im Gespräch mit AviationNetOnline nicht tiefgehend zu den Kritikpunkten äußern, sondern vierwies auf seinen Kollegen Robert Wall, stellvertretender Ryanair Personaldirektor.. Allerdings betonte er, dass „keinesfalls geplant ist, dass die bestehende Belegschaft künftig über Crewlink beschäftigt wird“. Die Leiharbeitskonstellation über Crewlink gelte „ausschließlich“ für Neugänge. Weiters sagte der Airline-Chef, dass der Lauda-Kollektivvertrag auch für die Crewlink-Leiharbeiter zur Anwendung kommen wird. Wall führte hierzu aus: „Wir verstehen Ihre letzte Anfrage in Bezug auf das „Kündigen“ von Lauda-Stellenangeboten oder die „Massenkündigung“ nicht. Eine solche Situation entsteht nicht. Piloten und Flugbegleiter, die bereits direkte Mitarbeiter von Lauda sind, werden weiterhin direkte Mitarbeiter sein. Die neuen Rekruten für das neue Flugzeug werden im Rahmen eines befristeten Vertrags über Crewlink eingestellt, bis wir sicher sind, dass diese Flugzeuge und diese Besatzungsmitglieder langfristig in Wien stationiert sind. Lauda behält sich die Flexibilität vor, einige oder alle dieser Flugzeuge außerhalb von Wien neu zu positionieren, wenn die Kosten für neue Basen in anderen Teilen Europas aufgrund von Ausfällen anderer Fluggesellschaften geringer sind.“ 

Auch könnte die Befristung der Crewlink-Leiharbeitsverträge gesetzeswidrig sein, denn eine solche ist bei Arbeitskräfteüberlassung nur dann zulässig, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Dies können beispielsweise Karenz- oder Krankenstandsvertretung oder Saisonarbeit sein. Für den Einsatz bei einer Fluggesellschaft scheinen diese Voraussetzungen aber nicht gegeben zu sein. Stimmt nicht, hält Robert Wall entgegen: „Diese befristeten Verträge stehen nicht im Widerspruch zu österreichischem Recht.“


Foto: Thomas Ramgraber.

„Allen Gewerkschaftsmitgliedern stehen wir natürlich mit Rechtsschutz zur Seite, um Dienstverträge auf rechtswidrige Klauseln hin zu prüfen und diese vor Gericht zu bekämpfen. Im Hinblick darauf wird die Rechtsabteilung der vida Musterverträge entsprechend in alle Details prüfen. Laut österreichischem Recht müssen aber Betroffene den ersten Schritt setzen. Als Gewerkschaft können wir erst dann für unsere Mitglieder die Klage führen und sie dabei begleiten und unterstützen“, so Liebhart. „Nach der heutigen Konstituierung des Laudamotion-Betriebsrates werden wir uns mit dem neuem Betriebsratsteam beraten, welche konkreten Schritte und sinnvollen Maßnahmen wir derzeit setzen können.“

Uniformen müssen laut Vertrag gekauft werden - Robert Wall dementiert 

Doch zwei kleine Tücken sind noch in den Crewlink-Verträgen „verpackt“, denn im Bereich der Dienstkleidung wird explizit das englische Wort für „kaufen“ verwendet. Dies führt dazu, dass vertraglich vereinbart wird, dass die Dienstkleidung gekauft werden muss, was durchaus bei Ryanair üblich ist. Robert Wall will dies so aber nicht unkommentiert stehen lassen: „Die Lauda-Uniform wird den Mitarbeitern von Crewlink kostenlos zur Verfügung gestellt. Das sind die gleichen wir bei Lauda. Die Mitarbeiter müssen jedoch bei Bedarf selbst Ersatzartikel kaufen.“ Das zweite „Überraschungsei“ ist, dass keine fixe Basis mehr vereinbart wird. In weiterer Folge bedeutet das, dass Crewlink das fliegende Personal nach Belieben versetzen und ab anderen Bases einsetzen kann. Ohnehin sind die Verträge nur auf 18 Monate befristet und enthalten auch noch die Formulierung, dass man gar nicht erwarten solle, dass man währenddessen oder danach in eine Fixanstellung bei Lauda übernommen werde. 

Daniel Liebhart zur weiteren Vorgehensweise der Gewerkschaft: „Konkret werden wir nun prüfen, inwieweit Lauda und Ryanair hier Lohndumping betreiben. Nach der ersten Sichtung von Musterverträgen kann davon ausgegangen werden, dass Klauseln, die nicht im Einklang mit der österreichischen Gesetzeslage stehen, vorhanden sind.  Das fängt bei der Bezahlung nicht ortsüblicher Gehälter (KV-Umgehung) an und endet bei der systematischen Benachteiligung von überlassenen Arbeitskräften durch die Vertragsbestimmungen für Versetzungen.“


Foto: Thomas Ramgraber.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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