Lauda: Leiharbeit für alle künftigen Piloten und Flugbegleiter

ACA kritisiert die Vorgehensweise heftig.

Foto: Thomas Ramgraber.

Die Fluggesellschaft Lauda wird künftig sämtliche Piloten und Flugbegleiter, die neu in das Unternehmen eintreten, nicht mehr direkt anstellen. Seit einigen Wochen erfolgt eine Anstellung über die irische Ryanair-Tochter Crewlink, wie AviationNetOnline berichtete. In Zukunft soll das Personal über eine noch zu gründende Leiharbeitsfirma, die das Unternehmen als „externen Anbieter“ bezeichnet, beschäftigt werden. Auch soll dies nicht mehr unbefristet erfolgen, sondern es sollen befristete Verträge abgeschlossen werden.

In weiterer Folge bedeutet dies, dass Lauda über die wiederbelebte Leiharbeitskonstruktion, die auch an der Homebase Wien reaktiviert werden soll, den bestehenden Kollektivvertrag umgehen kann. Hintergrund ist, dass bei Leiharbeit der tatsächliche Arbeitgeber das Personalleasingunternehmen ist und nicht die Fluggesellschaft selbst. Diese Praxis hat bei Lauda insofern Tradition, da das Vorgängerunternehmen Niki über viele Jahre hinweg das fliegende Personal ausschließlich über eine Leiharbeitsfirma beschäftigte, an der Niki Lauda über seine Privatstiftung beteiligt war.

Im Zuge der Übernahme der Niki-Assets durch die Laudamotion GmbH sorgte Niki Lauda durch ein neuerliches Leiharbeitsmodell für Verwirrung. Das Personal sollte über die noch immer existierende Laudamotion Operations GmbH beschäftigt werden, wobei nach öffentlichem Druck die Mitarbeiter wählen konnten, ob Direktanstellung oder Leiharbeit. Im Vorjahr wurde im Zuge des Abschlusses des Kollektivvertrags erklärt, dass die Leiharbeit nun beendet wird.

Das Comeback des Leihpersonals wurde bereits eingeleitet und erfolgt derzeit über die irische Firma Crewlink, die auch für die Ausbildung von Ryanair-Flugbegleitern zuständig ist. Geschäftsführer Andreas Gruber dementiert allerdings gegenüber AviationNetOnline, dass bei den Dienstverträgen irisches Recht zur Anwendung kommen soll. Ein von einem Betroffenen zur Verfügung gestellter Crewlink-Vertrag untermauert die Erklärung des Lauda-Geschäftsführers allerdings nicht. Auch betont das Unternehmen, dass die Leiharbeit in Zukunft über einen „noch zu gründenden externen Dienstleister“ erfolgen soll.

Möglicherweise will Lauda-Chef Andreas Gruber auch Kostenvorteile nutzen, denn in wiederholten Anschreiben an die Belegschaft betont er, dass Wizzair wesentlich kostengünstiger und flexibler produzieren könne. Der ungarische Carrier gilt in Wien als Erzrivale der Ryanair-Tochter Lauda und wird von österreichischen Arbeitnehmervertretern heftig kritisiert.

Piloten kritisieren die Vorgehensweise heftig

Der Verband österreichischer Verkehrspiloten (ACA) schreibt zu diesem Thema: „Warum die Airline so vorgeht, ist nicht nachvollziehbar, vielleicht hoffte man, dass der noch nachwirkende Kollektivvertrag auf diese Beschäftigten keine Anwendung findet. Es wird befürchtet, dass diese Verträge keine designierte "Homebase Wien" enthalten, und man rechnet mit „Strafversetzungen“. Dieses Vorgehen zeigt eindeutig einen erneuten Versuch, österreichisches Arbeitsrecht zu unterwandern. Vier Mitarbeiter wurden gekündigt, weil sie ihre Zusatzfunktionen zurücklegten. Sie wollten die Verantwortung für diese Aufgaben (Flugbetriebsleiter, technischer Pilot, Trainingsleiter) - zusätzlich zu 100% Arbeitszeit - nicht länger übernehmen. Extra Arbeitszeit, in der man die Funktion gewissenhaft ausüben kann, wie es bei anderen Airlines üblich ist, wurde nicht zugestanden. Krank sein kann Auswirkungen haben. Sobald eine höhere Anzahl an Krankenstandstagen im System registriert wird, erhält der Mitarbeiter einen Brief vom Chef. Klar ist, dass sich Mitarbeiter aus Angst vor Konsequenzen (Kündigung) nicht mehr krankmelden, sondern im Zweifelsfall lieber „etwas“ krank zum Flugdienst erscheinen. Als PilotIn nicht 100%ig gesund in ein Passagierflugzeug zu steigen, erachten wir als ein erhebliches Risiko für die Flugsicherheit. In keiner Airline soll auf Mitarbeiter ein derartiger Druck lasten, wie es derzeit bei Lauda der Fall ist. Im Gegenteil. Es bedarf einer gelebten Sicherheitskultur. Man muss krank sein „dürfen“, ohne Angst zu haben, man muss Fehler melden können, ohne gekündigt zu werden. All das vermissen Besatzungsmitglieder bei Lauda derzeit in hohem Maße. Die österreichischen Behörden sind gefordert zu prüfen, ob die Vorgangsweise der Lauda Geschäftsleitung den geltenden Gesetzen entspricht.“

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

    Special Visitors

    Zimex Aviation / HB-ALN
    Vueling Airlines / EC-NAJ
    Lufthansa / D-AIHZ
    Rossiya Airlines / VQ-BAS
    Air China / B-2035
    Etihad Airways / A6-BLV
    TUI Airlines Belgium / OO-JAF

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    René Steuer

    Carlo Sporkmann