Lauda-KV: Finanzminister soll Gewerkschaft umstimmen

Das Management möchte, dass Minister Blümel die Vida zur Zustimmung des neuen Kollektivvertrags bewegt um die Lauda-Basis Wien zu retten. Das OK der Gewerkschaft soll außerdem Voraussetzung für die AUA-Staatshilfe sein. Kritik am neuen Lauda-Kollektivvertrag kommt indes von der Austrian Cockpit Association.

Airbus A320 von Lauda bei der Landung am Flughafen Wien (Foto: Thomas Ramgraber).

Am heutigen Donnerstag läuft das Ultimatum von Ryanair ab, wonach die Einigung auf den neuen Lauda-Kollektivvertrag stehen muss. Falls nicht, will der Billigflieger die Lauda-Basis in Wien schließen und fortan Ryanair-Boeings von Schwechat aus starten. Die Wirtschaftskammar hat ihr OK bereits vor ein paar Tagen gegeben - nun fehlt noch der Sanctus der zuständigen Gewerkschaft Vida. Diese hat den Entwurf zuletzt allerdings deutlich kritisiert: Man wolle "keinen KV unterzeichnen, der mit 848 Euro Netto-Einstiegsgehalt für FlugbegleiterInnen klar unter der Mindestsicherung in Wien (917 Euro) und noch deutlicher unter der aktuellen Armutsgefährdungsschwelle 2019 von 1259 Euro im Monat für eine Person liegt", erklärte vor ein paar Tagen Vida-Fachgruppenobmann Daniel Liebhart.

Wenn es nach den Wünschen der Ryanair-Tochter geht, so soll nun Finanzminister Gernot Blümel aktiv werden, um von der Gewerkschaft Vida die Unterzeichnung des adaptierten Kollektivvertrages "zu verlangen", wie es in einer Aussendung der Airline vom Donnerstag heißt. Die Unterzeichnung des Kollektivvertrages durch die Vida müsse laut dem Statement außerdem "zur Bedingung der staatlichen Beihilfe der Austrian Airlines gemacht werden". Damit solle die "Basis in Wien mit über 300 gut bezahlen Arbeitsplätzen für Piloten und Kabinenpersonal" gerettet werden. Der KV sei laut Angaben der Airline von 95 Prozent der in Wien stationierten A320-Piloten und über 70 Prozent des Kabinenpersonals akzeptiert worden.

ACA sieht Sicherheitsproblem durch neuen KV
Kritik am neuen Kollektivvertrag für Lauda kommt indes von der Austrian Cockpit Association (ACA). Dabei wird unter anderem die künftige Dienstplanung auseinandergenommen: "Der neue Vertrag sieht einen 5:3 Roster vor, d.h. man fliegt 5 Tage und hat dann 3 Tage frei. Klingt gut, aber die Tücke liegt im Detail. Wer Frühdienst hat, muss an fünf Tagen hintereinander seinen Dienst um 5:00 Uhr oder früher beginnen und dann ggf. einen 12-Stunden Dienst (oder sogar noch länger) absolvieren. Es kommt dabei nachweislich zu einer Akkumulation von Schlafdefiziten, das wiederum birgt das Risiko einer stark verminderten „Situational Awareness“ mit möglichen, verheerenden sicherheitsrelevanten Folgen. Viele renommierte Airlines verfügen über Tools (Safety Algorithmen) in ihrer Planung, die verhindern, dass solch ein Dienstplan überhaupt erstellt wird. Indes kann bei Laudamotion, wenn es die Produktion verlangt, auch auf einen 5:2 Roster reduziert werden", so die ACA.

Sonderurlaub für die Geburt eines Kindes oder einen Todesfall werde ebenso gestrichen. Dafür behalte man sich vor, einen Teil des Jahres-Urlaubs dann anzuordnen, wenn sich weitere Flüge mit der EU-Flugdienstzeitbeschränkung nicht ausgehen. "Somit wird Urlaub, der der Erholung dienen soll, dazu verwendet, ausbeuterische Dienstpläne zu kompensieren", heißt es von der ACA. Auch mit den Gehältern geht die Pilotenvereinigung ins Gericht: "Vordienstzeiten werden abgeschafft, das trifft vor allem junge Copiloten und Copilotinnen. Ihre Verluste mit dem neuen KV wären eklatant, sie müssten mit 2/3 des bisherigen, ohnehin nicht üppigen Gehalts auskommen", erklärt die österreichische Pilotenvereinigung.

"ACA ruft zum wiederholten Mal dazu auf, dass Schluss sein muss mit diesen Praktiken! Low Cost Airlines wollen nun den Markt mit super-billigen Tickets überschwemmen, den Preis dafür zahlen die Mitarbeiter und am Ende auch die Passagiere, wenn die Sicherheit mit fragwürdigen Dienstzeiten und prekären Arbeitsbedingungen torpediert wird", fordert Isabel Doppelreiter, ACA Präsidentin.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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