Lauda: Geschäftsleitung hielt Piloten-Staff-Meeting ab

Betriebsräte der Flugzeugführer und des Kabinenpersonals sollen getrennt werden. Die Gewerkschaft Vida erklärt, dass dies gesetzlich gar nicht möglich ist.

A320 von Lauda am Flughafen Stuttgart (Foto: Thomas Ramgraber).

Die Geschäftsleitung der österreichischen Fluggesellschaft Lauda lud am Dienstag ihre Piloten zu einem Staff Meeting ein. Dabei wurden die Flugzeugführer ergänzend zum vergangene Woche verschickten Rundschreiben über die geplanten Änderungen informiert. Für das Kabinenpersonal soll am Donnerstag ebenfalls eine Betriebsversammlung stattfinden.

Geplant ist, dass Piloten und Flugbegleiter künftig über getrennte Betriebsräte verfügen sollen. Momentan haben diese eine gemeinsame Vertretung des fliegenden Personals, wobei die Lauda-Geschäftsführung die jüngste Wahl nicht anerkennt und diese vor dem Landesgericht Korneuburg anfechtet. Der erste Prozesstermin findet am 18. März 2020 statt.

Die Gewerkschaft Vida, deren Mitglieder sich bei Lauda sowohl aus Flugbegleitern als auch aus Piloten zusammensetzen, kritisiert die geplanten getrennten Betriebsräte heftig. In einem Informationsschreiben an die Flugzeugführer ist zu lesen, dass man die Ansicht vertritt, dass dies rechtlich nicht zulässig ist. Im O-Ton schreibt die ÖGB-Teilgewerkschaft: „Eine weitere Unterteilung des fliegenden Personals, d.h. die Wahl eines eigenen Piloten- bzw. Flugbegleiter-Betriebsrats, ist nach österreichischem Recht nicht zulässig, weil es gegen die zwingenden Bestimmungen des Arbeitsverfassungsgesetzes (ArbVG) verstoßen würde.“

Laut Vida könnten in österreichischen Luftverkehrsunternehmen maximal drei Betriebsräte bestehen. Dabei handle es sich um Gruppen-Vertretungen für Arbeiter, Angestellte und das fliegende Personal. Die Wahl eines Betriebsrats für Piloten und Flugbegleiter basiere auf einer Ausnahmebestimmung des Artikel 134 Abs. 5 ArbVG. Weiters schreibt Vida: „Wäre das in Artikel 134 Abs 5 ArbVG nicht ausdrücklich festgelegt, dann wäre auch diese Unterteilung nicht zulässig. Es bestünden nur die allgemeinen Möglichkeiten des 2. Hauptstücks des ArbVG (Trennung in Arbeiter- und Angestelltenbetriebsrat). Weitere Unterteilungen sind im ArbVG nicht vorgesehen und daher schlicht nicht zulässig. Würde die gewünschte Unterteilung stattfinden, wäre der Betriebsrat nichtig. Es könnten keine Betriebsvereinbarungen geschlossen werden und der Betriebsrat wäre ausschließlich auf das Wohlwollen vom Management angewiesen. Es würde z.B. auch kein gesetzlicher Kündigungsschutz für die Mitglieder dieses Betriebsrates bestehen.“

Durch einen Bericht von AviationNetOnline, der sich auf ein internes Rundschreiben, das Geschäftsführer Andreas Gruber an die Belegschaft gerichtet hatte, wurde am Freitag bekannt, dass bei sämtlichen Neueinstellungen seit Jänner 2020 der Lauda-Kollektivvertrag nicht mehr angewandt wird. Die Gewerkschaft Vida und die Pilotenvereinigung ACA kritisierten die Vorgehensweise in einer Aussendung heftig. Dem Personal wurde erklärt, dass die bestehende Belegschaft nicht betroffen ist und es dadurch auch zu keinen Lohneinbußen kommen wird.

Flugzeugführer berichteten gegenüber AviationNetOnline, dass während der Betriebsversammlung seitens der Lauda-Geschäftsleitung die Inhalte des Rundschreibens vertieft wurden. Weiters ging man abermals auf den Verlust in der Höhe von rund 90 Millionen Euro im laufenden Geschäftsjahr ein und sagte, dass das Unternehmen effizienter werden muss. Am Ziel in der nächsten Periode profitabel zu werden, hält man weiter fest. Das Geschäftsjahr läuft bei Lauda jeweils von März des einen Jahres bis März des Folgejahres.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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