Lauda-Flugplan weitgehend auf Malta Air, Ryanair und Buzz umgestellt

Auch in der Ryanair-Basis Wien gab es erheblichen Lohndruck auf die Beschäftigten.

Boeing 737-800 (Foto: Thomas Ramgraber).

Kaum ist der Schock bei den Lauda- und Crewlinkmitarbeitern verdaut, stellte die Ryanair-Zentrale bereits auf zahlreichen Strecken ab Wien die Betreiber um. Die OE-Flugnummern sind zwar weiterhin buchbar, doch sind viele Verbindungen bereits mit Hinweisen auf den tatsächlichen Operator gekennzeichnet. Auch ist auf jenen Routen, auf denen Malta Air, Buzz oder Ryanair auf der anderen Seite eine Basis unterhalten, bereits ersichtlich, dass das Routing umgedreht wird. Künftig fliegt man beispielsweise nicht mehr Wien-Palma-Wien, sondern Palma-Wien-Palma.

Beim zuvor genannten Beispiel sind Boeing 737-800 von Ryanair hinterlegt. Die Strecke Wien-Luqa-Wien wird künftig als Luqa-Wien-Luqa von Malta Air, ebenfalls mit Boeing 737-800, bedient. Lauda hat allerdings auch Destinationen im Flugplan, die nicht in eine Basis einer Konzernschwester „hineinfliegen“. Beispiele hierfür sind unter anderem Tel Aviv und Beirut. Diese werden künftig mit den vier in Wien stationierten Boeing 737-800 von Ryanair oder möglicherweise bald Malta Air bedient. Aus streckenrechtlichen Gründen wäre nach Beirut auch der Wechsel von OE auf FR- oder AL-Flugnummern nicht möglich. Derzeit verkauft man auf allen Lauda-Strecken ab Wien also Lauda-Flüge, operated by Ryanair bzw. Malta Air.

Wien ist auch in anderer Hinsicht eine Ausnahme, denn zum Beispiel auf den Strecken nach Dortmund und Rimini gibt es tatsächlich „echte“ Malta-Air-Flüge. Diese waren bereits vor angekündigten Auflösung der Lauda-Basis Wien unter AL-Flugnummern geladen. Hinterlegt waren in den Systemen allerdings Airbus A320 von Lauda. Nun sind Boeing 737-800 ersichtlich, wobei die Flüge mit dem Hinweis „durchgeführt von Malta Air“ gekennzeichnet sind. Ob diese tatsächlich mit maltesischen Flugzeugen bedient werden, wird sich zeigen, denn die in Wien stationierten Ryanair-Flugzeuge werden ebenfalls Beschäftigung brauchen.

Ein Sonderfall ist Warschau-Modlin. Diese Route wird sowohl unter Buzz- als auch unter Ryanair-Flugnummern angeboten. Das war von Anfang an der Fall, jedoch wurde diese Route in Medienmitteilungen immer wieder als Lauda-Strecke angepriesen. Tatsächlicher Operator ist jedoch von Anfang an Buzz.

Nicht alle Routen, die Lauda ab Wien angeboten hatte oder aber angekündigt hatte, werden Anfang Juli 2020 aufgenommen. Einige Strecken sind erst wieder ab August 2020 buchbar. Unter anderem handelt es sich dabei um Beirut und Stuttgart. Bei letzterer Destination wird sich zeigen, ob möglicherweise Lauda-A320 ab Stuttgart zum Einsatz kommen werden, Ryanair-Boeing 737 ab Wien oder aber ob diese Route möglicherweise aufgegeben werden könnte.

Auch bei Ryanair Wien gab es heftigen Druck

In einem internen Rundschreiben stellt die Geschäftsleitung von Lauda gar die gesamte Zukunft des Unternehmens in Frage. Möglicherweise könne man ein Opfer der Corona-Krise werden. Sollte dies eintreten so könnten auch die Jobs der Bases Stuttgart, Düsseldorf und Palma de Mallorca in akuter Gefahr sein. Derzeit arbeite man an einer Neuausrichtung an deren Ende stehen könnte, dass Lauda künftig nur noch als reiner ACMI-Operator innerhalb der Ryanair Group tätig sein könnte. Auch in diesem Fall bleibt es abzuwarten, ob Düsseldorf und Stuttgart fortgeführt werden oder nicht. Die in Wien stationierten Flugzeuge werden jedenfalls zu den drei anderen Bases überstellt.

Ryanair betonte wiederholt, dass die Präsenz in Wien bestehen bleibt und Konzernchef Michael O’Leary kündigte gar eine wesentlich aggressivere Expansion an, doch fast unbemerkt von der Aufmerksamkeit, die Lauda in den letzten Tagen auf sich zog, kam es auch bei der Ryanair-DAC-Basis Wien zu hartem Druck. Innerhalb kurzer Frist wurden das über eine Leiharbeitsfirma beschäftigte Personal zur Unterfertigung eines neuen Arbeitsvertrags, der bis zu 20 Prozent weniger Lohn vorsieht, gedrängt. Dem Vernehmen nach wurde damit gedroht, dass bei Nichtunterfertigung das Dienstverhältnis nicht fortgesetzt wird und die Konzernschwester Malta Air sämtliche Flüge übernehmen könnte.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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