Lauda: Crewlink-Leiharbeiter erhalten weniger Lohn

Seit 10. Jänner 2020 wendet der Carrier den Kollektivvertrag nicht mehr an. Gerichtlich geklärt ist die „Suspendierung des KVs“ noch nicht.

A320 (Foto: Thomas Ramgraber).

Seit 10. Jänner 2020 kommt bei der Fluggesellschaft Lauda der Kollektivvertrag für sämtliche Neuanstellungen nicht mehr zur Anwendung. Beim fliegenden Personal erfolgen diese seit Herbst des Vorjahres über die österreichische Zweigniederlassung der Ryanair-Leiharbeitsfirma Crewlink. Noch kurz vor Weihnachten betonte Konzernchef Michael O’Leary, dass der Kollektivvertrag auch bei Beschäftigungen über Crewlink vollständig zur Anwendung kommen würde und eins zu eins das gleiche Gehalt bezahlt wird. Dies ändert sich nun, wie aus AviationNetOnline vorliegenden Dokumenten hervorgeht.

Die Neueinstellungen seit dem 10. Jänner 2020 werden nicht mehr nach dem Schema, das im Lauda-Kollektivvertrag vorgesehen ist bezahlt. Das Grundgehalt für Junior-Flugbegleiter sinkt auf 15.000 Euro (1.071 Euro pro Monat) pro Jahr ab. Nach Angaben der Gewerkschaft Vida sieht der Lauda-Kollektivvertrag ein Brutto-Mindestgehalt von 21.000 Euro vor. „21.000 Euro verdient man nach dem Crew Link-Vertrag, wenn man exakt 576 Blockstunden/Jahr fliegt. Sollte eine Crew Link Flugbegleiterin bei Lauda nur 400 Stunden fliegen (was sehr wenig wäre), müssten dennoch 21.000 Euro bezahlt werden“, so die Vida-Funktionär Philip Gastinger.

Da sich bei Lauda und anderen Fluggesellschaften der tatsächliche Bezug aus einem Grundgehalt, einer Blockstundenvergütung und Verkaufsprovisionen zusammensetzt, ist das Grundgehalt nicht der einzige Faktor, der berücksichtigt werden muss. „Werden die maximal möglichen 900 Blockstunden laut EASA geflogen, entspräche das 75 Stunden pro Monat. In diesem unrealistischen Vergleich, wäre das Crew Link Jahresgehalt um 3.047 Euro höher als bei Lauda. Unrealistisch ist diese Annahme aus zwei Gründen: 1.) das ist ein max. Limit, welches normal nicht erreicht wird; 2.) Die Arbeitsbelastung/Blockstunden sind nicht über das ganze Jahr gleich verteilt, sondern in den Sommermonaten höher und im Winter weniger. Im Lauda-KV wird diese Spitzenbelastungen besser entlohnt. Das hat zu Folge, dass das Lauda-KV-Jahresgehalt höher ausfällt als bei einer theoretischen Gleichverteilung von 75 Blockstunden/Monat“, so Vida-Fachgruppenleiter Daniel Liebhart. „Bei jeder theoretischen Verteilung der Blockstunden unter 655 wird mit dem CrewLink-Gehaltsmodell der Lauda-KV unterwandert. Über 655 Blockstunden hängt es von der Verteilung der Stundenleistung auf die Monate ab. Das Unternehmensrisiko wird auf die Mitarbeiter abgewälzt.“

Auch bei den Verkaufsprovisionen ist es zu Änderungen gekommen. Bislang wurde die Verkaufsleistung sämtlicher Flugbegleiter in einen „Topf“ geworfen und die zustehenden Provisionen auf alle Stewards und Stewardessen aufgeteilt. Dies ist nun ebenfalls anders, denn nun gibt es nur noch Vergütungen auf Verkäufe, die man selbst getätigt ist. Diese beträgt 10 Prozent. Verkauft ein Flugbegleiter also eine Dose Pepsi, die laut Bord-Verkaufsmagazin 2,50 Euro kostet, erhält dieser 25 Cent. Wenn jedoch niemand etwas kaufen möchte, so gibt es auch keine Provision. Angeblich hätte zuvor eine Abstimmung unter den Lauda-Mitarbeitern stattgefunden und diese hätten mit großer Mehrheit dem neuen System zugestimmt. Es habe lediglich zwölf Gegenstimmen gegeben, geht aus einem internen Schreiben hervor. Die Arbeitnehmervertreter zweifeln allerdings daran, dass bei der Abstimmung das Ergebnis nicht schon im Vorfeld feststand, denn bei Mutterkonzern Ryanair erhalten Flugbegleiter schon seit vielen Jahren ihre Provisionen nur auf Verkäufe, die sie persönlich getätigt haben.

„Das Unternehmen versucht derzeit einseitig die Verkaufsprovision zu ändern. Dazu haben die meisten Flugbegleiter (wahrscheinlich wurde auf ein paar vergessen) eine Nachricht erhalten, dass sie der Änderung zustimmen, wenn sie nicht innerhalb einer vorgegebenen Frist widersprechen. Das Unternehmen möchte damit die notwendige schlüssige Handlung aushebeln, was aus unsere Sicht nicht möglich ist. Daneben sind damit auch andere Missstände verbunden. Wenn ein Teil dieser Änderung zustimmen würde, müssten für den anderen Teil nach wie vor die Provisionen aus dem Gesamtumsatz berechnet werden, da das so vereinbart ist. Es gibt keinen Automatismus, dass sich dadurch das bestehende Berechnungsmodell ändern würde“, so Gastinger. Und warum das Ganze? „Mehr Druck erzeugen oder „schöner“ gesagt, um höhere Anreize zu schaffen, damit die Flugbegleiter jederzeit unbeachtet der Umstände möglichst viel verkaufen“, erklärt der Gewerkschafter.

Auch bei der Urlaubstageregelung stellte die Vida Mängel fest, wie Fachgruppenobmann Daniel Liebhart ausführt: „Die erwähnten 25 Urlaubstage würden nur bei einer vertraglich vereinbarten 5-Tage-Woche zutreffen. Ansonsten wäre der Anspruch unter dem gesetzlichen Mindestausmaß. Mir ist nicht bekannt, dass für Flugbegleiter eine 5-Tage-Woche vereinbart wäre.“ Hinsichtlich der neuen Verkaufsprovisionen ortet der Gewerkschafter auch ein ganz anderes, rechtliches Problem: „Eine notwendige Betriebsvereinbarung dazu fehlt. Ebenso würde das Unternehmen wahrscheinlich gegen die DSGVO verstoßen.“

 

Kollektivvertrag wurde „suspended“

Die Fluggesellschaft Lauda teilte ihren Beschäftigten in verschiedenen Anschreiben mit, dass die Airline derzeit über keinen Betriebsrat verfügen würde und daher Vorlagen und Vereinbarungen mit diesem nicht erfolgen können. Hintergrund ist, dass die Geschäftsleitung die jüngste Wahl nicht anerkennt und diese vor dem Landesgericht Korneuburg juristisch bekämpft. Die Tagsatzung findet am 18. März 2020 statt.

Auch ist in den Anschreiben zu lesen, dass Lauda aufgrund von 90 Millionen Euro den Kollektivvertrag gekündigt („suspended“) habe und diesen nicht mehr anwendet. Die Vorgehensweise ist allerdings stark umstritten, denn in Österreich werden sämtliche Kollektivverträge in der Privatwirtschaft zwischen Wirtschaftskammer und dem Österreichischen Gewerkschaftsbund geschlossen. Dies gilt auch für Branchen, in denen es keinen einheitlichen Branchen-KV gibt. Nur ganz wenige Unternehmen, darunter die Austro Control, haben das Recht selbst Kollektivverträge abzuschließen. Luftfahrtunternehmen wie Lauda, Austrian Airlines, Anisec, Eurowings Europe und so weiter müssen diese über die Wirtschaftskammer abschließen. Dies führt also zum Umstand, dass Lauda dahingehend die Belegschaft informiert, dass man einen verbindlichen Kollektivvertrag „suspended“ habe, den man selbst gar nicht kündigen kann. Die Gewerkschaft Vida hält die Vorgehensweise für nicht gesetzeskonform. Eine gerichtliche Beurteilung liegt allerdings noch nicht vor.

Autor: René Steuer
Redakteur
René ist seit Oktober 2018 für Aviation Net tätig und bringt frischen Elan in die Redaktion.

    Special Visitors

    National Airlines / N952CA
    Atlantic Airways / OY-RCK
    Danish Air Transport / OY-RUE
    LGW - Luftfahrtgesellschaft Walter / D-ABQA
    British Airways / G-EUPJ
    Windrose Airlines / UR-DNT
    Jet2.com / G-JZHY

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    René Steuer

    Carlo Sporkmann