Lauda bläst Staffmeeting wegen Betriebsrätin ab

Polizeidirektion Schwechat hielt vorsorglich einen Streifenwagen in der Nähe in Bereitschaft.

Lauda-Zentrale in Schwechat (Foto: Jan Gruber).

Eigentlich sollte am Donnerstag bei der österreichischen Fluggesellschaft Lauda ein Staff-Meeting für die Flugbegleiter über die Bühne gehen, doch aufgrund der Anwesenheit einer aus der Sicht von führenden Managern „illegalen Person“ wurde dieses abgesagt und verschoben. Selbst die Schwechater Polizei befand sich vorsorglich mit einem Streifenwagen in der Nähe der Firmenzentrale der heimischen Ryanair-Tochter. Zu einem Einsatz ist es allerdings nicht gekommen.

In den Räumlichkeiten von Lauda spielte sich nach Angaben von beteiligten Personen eine regelrechte Seifenoper ab, denn die Vorsitzende des Betriebsrats, die jedoch vom Unternehmen gekündigt wurde und gegen ihren Rauswurf vor dem Arbeitsgericht klagt, wurde zu diesem Staff Meeting eingeladen. Selbstredend wollte sie der Informationsveranstaltung der Geschäftsleitung teilnehmen, denn immerhin hatte man sie ja eingeladen.

Geschäftsführer Andreas Gruber bestätigte gegenüber AviationNetOnline, dass das für Donnerstag angekündigte Staff Meeting für Flugbegleiter kurzfristig verschoben wurde und sagte auch, dass man keine sensiblen Firmeninformationen in Anwesenheit einer Person, mit der man sich im Rechtsstreit befindet, verkünden könne. Er bestritt allerdings, dass die Betriebsrätin (Status wird derzeit vor Gericht geklärt, Tagsatzung findet am 18. März 2020 vor dem Landesgericht Korneuburg statt) eine Einladung bekommen habe.

Übereinstimmend erklären allerdings Lauda-Geschäftsführung, anwesende Flugbegleiter, die Betroffene und Vida-Funktionär Daniel Liebhart gegenüber AviationNetOnline, dass die Dame an der Informationsveranstaltung teilnehmen wollte und tatsächlich anwesend war. Dies passte dem Management offensichtlich ganz und gar nicht in den Kram und nach einiger Beratung zwischen Head of Inflight, Base-Supervisor und Personaldirektor wurde das Meeting letztlich abgesagt und verschoben. Vor die rund 40 anwesenden Flugbegleiter soll sich dann Personalchef Robert Wall gestellt haben und den Schritt damit begründet haben, dass man in Anwesenheit einer „illegalen Person“ keine sensiblen Firmeninformationen verkünden könne.

Die Sachlage ist jedoch generell äußerst komplex, denn grundsätzlich hat ein Betriebsrat das Recht an derartigen Veranstaltungen, zu der die Geschäftsleitung einlädt, teilzunehmen. Das Unternehmen kündigte jene Dame, die just ein paar Tage später zur Vorsitzenden des Betriebsrats gewählt wurde und anerkennt die Wahl nicht. Diese wird mit einem Rechtsmittel bekämpft, wobei die erste Tagsatzung am 18. März 2020 vor dem Landesgericht Korneuburg stattfinden wird. Die Arbeitnehmerseite, also Gewerkschaft und Arbeiterkammer, vertreten die Ansicht, dass der Betriebsrat bis zu einer rechtskräftigen Gerichtsentscheidung voll handlungsfähig und im Amt ist, während die Lauda-Geschäftsleitung und Konzernchef Michael O’Leary nicht dieser Meinung sind. Man betrachtet die Wahl als illegal und will diese Arbeitnehmervertreter („Status unklar“) ignorieren. Vor Gericht laufen derzeit zwei getrennte Verfahren. Einerseits klagt die zur Vorsitzenden des Betriebsrats gewählte Dame gegen ihre Kündigung und andererseits klagt Lauda gegen die Wahl des gesamten Betriebsrats. Mit einem zeitnahen Urteil ist nicht zu rechnen.

Kritik hagelt es insbesondere von der Gewerkschaft Vida, die wiederholt in Aussendungen dem Lauda-Management vorwarf, dass man österreichisches Recht ignorieren würde. Die jüngst verkündete Nichtanwendung des Lauda-Kollektivvertrags für Crewlink-Neueinstellungen soll laut Fachbereichsvorsitzendem Daniel Liebhart „nichtig“ sein. „Die Stimmung ist mittlerweile am Kippen und unter den Kollegen, die heute vor Ort waren, ist auch das böse Streikwort wiederholt gefallen. Unserer Ansicht nach ist das heute ein plumper Versuch gewesen die Mitarbeiter gegen den Betriebsrat aufzubringen“, so Liebhart. Explizite Streikpläne für Lauda hat man allerdings ausdrücklich nicht.

Die Arbeiterkammer schrieb bereits mit 23. Dezember 2019 (Datum der Zustellung) die Fluggesellschaft Lauda an und wies dieses darauf hin, dass die Vorsitzende des Betriebsrats tatsächlich die Vorsitzende des Betriebsrats ist und man diese anzuerkennen habe. Bislang soll das Unternehmen jedoch nicht auf den Interventionsversuch der AK reagiert haben. Der Ball liegt aufgrund des Rechtsmittels, das seitens Lauda eingebracht wurde, ohnehin nun beim Landesgericht Korneuburg, wobei unabhängig vom Ausgang stark anzunehmen ist, dass eine der beiden Parteien dagegen berufen wird. Mit einer raschen Lösung der Situation ist also nicht zu rechnen.

Besonders pikant erscheint auch der Umstand, dass die Arbeitnehmervertreter die Polizeidirektion Schwechat vorab informiert haben, da die komplexe Gesamtsituation möglicherweise in einer verbalen Auseinandersetzung hätte eskalieren können. So zumindest die Sorge, die man scheinbar im Vorfeld hatte. Die Polizei hielt daher einen Streifenwagen in der Nähe in Bereitschaft, jedoch wurde dieser nicht benötigt. Weder Lauda, um die aus deren Sicht „illegale Person“ über die Anwendung des Hausrechts der Liegenschaft zu verweisen, noch kam es zu irgendeiner anderweitigen Situation, in der eine der beiden „Streithähne“ die Exekutive benötigt hätte.

Autor: Jan Gruber

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