Kurzarbeit: Lauda-Personalchef fordert Vida zur Unterschrift auf

Ansonsten wortgewaltige Gewerkschaft verweigert jeglichen Kommentar zu dieser Causa.

Airbus A320 (Foto: Jan Gruber).

Im Ringen um die Kurzarbeit für die österreichische Belegschaft der Fluggesellschaft Lauda, für die seitens des Sozialpartners Wirtschaftskammer Österreich bereits die formelle Zustimmung erteilt wird, wendet sich Personaldirektor Robert Wall in einem Schreiben, das AviationNetOnline vorliegt, direkt an Vida-Fachgruppenleiter Daniel Liebhart. Der Lauda-Manager fordert den Gewerkschafter darin sinngemäß auf, dass die Gewerkschaft die Zustimmung zur Kurzarbeit erteilt werden soll und der Wille von 97 Prozent der betroffenen Mitarbeiter nicht ignoriert werden soll.

Die Geschäftsleitung von Lauda, aber auch die Wirtschaftskammer, sind der Ansicht, dass die gewählte Methode mit Einzelvereinbarungen zulässig ist, da man die Rechtsansicht vertritt, dass der Carrier derzeit keinen Betriebsrat hat. Der Rücktritt im August 2019 und die bei Gericht eingebrachte Anfechtung der Wahl vom Herbst 2019 habe aufschiebende Wirkung und führe dazu, dass derzeit kein Betriebsrat vorhanden ist. Wiederholt teilte die Gewerkschaft Vida in Aussendungen mit, dass man eine gänzlich andere Auffassung hat und ist der Meinung, dass der Betriebsrat im Amt ist und zwar solange bis das Gericht rechtskräftig entschieden hat. Demnach will man auch, dass eine Betriebsvereinbarung zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung geschlossen wird. Diese wird seitens der Lauda-Geschäftsführung allerdings unter Hinweis darauf, dass es eben keinen Betriebsrat gäbe, verweigert. Die Wirtschaftskammer stimmte den Einzelvereinbarungen für die Kurzarbeit zu, auch ohne Betriebsvereinbarung, da man diese offensichtlich für nicht notwendig hält.

Die Gewerkschaft Vida befindet sich nun wenig überraschend in einer massiven Zwickmühle, denn bei weiterer Verweigerung der Zustimmung zur Kurzarbeit könnten bei Lauda 550 Mitarbeiter aufgrund der Corona-Krise gekündigt werden und damit Betreuungsfälle für das AMS werden. Da man bislang den Betriebsrat unterstützt hat und zuletzt als Bedingung für die Zustimmung die Anerkennung dessen sowie die Rücknahme diverser Kündigungen gestellt hat, würde man bei Unterzeichnung regelrecht einknicken. Demnach ist es auch nicht verwunderlich, dass die sonst so wortgewaltige Vida als auch deren Fachgruppenobmann Daniel Liebhart jegliche Stellungnahme zur aktuellen Lage verweigerten.

Zwischen den Zeilen deutet Lauda-Personalchef Robert Wall an, dass die Gewerkschaft für Austrian Airlines den Mitbewerber Lauda gar aus dem Weg räumen könnte. Er schreibt konkret, dass es „überhaupt keinen Grund für die Gewerkschaft Vida gibt die Kurzarbeit für die Lauda-Mitarbeiter weiter zu verzögern oder zu verweigern“. Er verweist auch darauf, dass die Zustimmung für die Mitarbeiter von Austrian Airlines bereits erteilt wurde. Die weitere Entwicklung bleibt daher, insbesondere auch wegen dem gegenüber Medien nun schweigsamen Verhalten der Vida, abzuwarten.


Nur die Unterschrift der Gewerkschaft fehlt noch (Scan: Lauda).

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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