Kurz: Keine AUA-Staatshilfe ohne Standortvorteile und Beteiligung

Der österreichische Bundeskanzler traf sich am Mittwoch mit Lufthansa-CEO Carsten Spohr.

Für eine Staatshilfe stellt Bundeskanzler Sebastian Kurz harte Bedingungen (Foto: Martin Metzenbauer).

Vor ziemlich genau zwei Jahren war die Situation eine ganze andere: Damals feierte die AUA Ihren sechzigsten Geburtstag groß am Flughafen Wien. Als zwei der prominenten Gäste waren Bundeskanzler Sebastian Kurz und Lufthansa-CEO Carsten Spohr dabei. Hat sich der Politiker damals von der Lufthansa ein "ordentliches Investment" gewünscht und auf eine Flottengröße von 100 Flugzeugen (damals waren es exakt 83) geschielt, ist es nun umgekehrt: Am Mittwoch ist Spohr nach Österreich gereist, um mit einer Regierungsdelegation unter Kurz um Staatshilfe zu verhandeln. Nur wirklich leicht dürfte es ihm der Bundeskanzler nicht machen - vielleicht eine späte Genugtuung auf die Antwort von Carsten Spohr vor zwei Jahren: Jener meinte damals, dass die 100 Flugzeuge, von denen Kurz gesprochen hat, vielleicht zum hundertsten Geburtstag der AUA passen würden. Dieser findet 2058 statt.

Diesmal sind die Umstände aufgrund der vermutlich schwersten Luftfahrtkrise überhaupt eben ganz anders und Spohr stellt sich bei der österreichischen Regierung um Staatshilfe an. Diese zu bekommen, wird allerdings definitiv nicht so einfach sein, wie Bundeskanzler Kurz in der ZIB2 am Mittwoch im Gespräch mit Armin Wolf klarstellte: Austrian Airlines sei zwar wichtig für den Standort Österreich - und "die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dort liegen uns am Herzen", so der Bundeskanzler im Interview.

Aber: "Die Eigentümerstruktur ist eindeutig: Die AUA gehört der Lufthansa, die Lufthansa ist ein deutscher Konzern und insofern kann es auch für Lufthansa nicht verwunderlich sein, das wir nur bereit sind, hier mit Staatshilfen zu agieren, wenn auch dementsprechend der Standort Österreich gesichert ist, wenn es auch eine Antwort gibt, was das für die österreichischen Arbeitsplätze bedeutet und wenn wir uns verlassen können, dass die AUA sich in Zukunft gut entwickeln wird", erklärte Sebastian Kurz.

Beteiligung an Lufthansa
"Eine Hilfe ohne Vorteile für den Standort Österreich ohne eine Beteiligung an der Lufthansa - einfach nur so - die wird es nicht geben", so der Bundeskanzler. Einer solchen direkten Beteiligung am LH-Konzern soll Spohr laut Kurz entgegen anderslautender Behauptungen gar nicht grundsätzlich abgeneigt sein: "Ich war beim Gespräch dabei und so hat sich das nicht abgespielt", so Kurz. Kolportiert wird dabei ein Betrag von 267 Millionen Euro oder rund sieben Prozent laut aktuellem Börsenwert - "DiePresse" berichtete darüber.

Dieses erste Spitzengespräch war jedenfalls erst der Auftakt zu den weiteren Verhandlungen, deren Ausgang Sebastian Kurz mehrfach offen gelassen hat: "Wenn es ein gutes Angebot gibt und wir uns sicher sind, dass wir das Richtige tun, dann werden wir natürlich einen Weg finden, hier mit der Lufthansa zu kooperieren. Aber es ist und bleibt ein deutsches Unternehmen und daher muss es für Staatshilfe auch eine Gegenleistung geben", so der Bundeskanzler. Falls es hingegen keinen solchen Weg gibt, sieht Sebastian Kurz "unterschiedliche Szenarien", ohne hier allerdings ins Detail zu gehen.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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