Kurier: AUA-Rettung soll keine "Hypo II" werden

Regierung soll ein umfangreiches Verhandlungsteam aufstellen und auch Kranich-Chef Spohr an den Tisch bitten.

Airbus A321 (Foto: Thomas Ramgraber).

Die Lufthansa Group versucht derzeit in der Schweiz, Österreich, Belgien und Deutschland an Staatshilfen heranzukommen. In Sachen Austrian Airlines befindet man sich noch ganz am Anfang der Verhandlungen, doch kristallisiert sich immer deutlicher heraus, dass die Regierung keine regelrechte „Blanko-Schecks“ an die Lufthansa-Tochter vergeben wird. Auch befinde man sich mit den anderen Staaten in enger Abstimmung, denn die Staaten wollen sich von Lufthansa nicht gegeneinander ausspielen lassen, so die Tageszeitung Kurier.

Unter Berufung auf das Verhandlungsteam schreibt das Blatt: „Eine Hypo II wird es nicht geben. Österreich wird nicht noch einmal für die Versäumnisse der Deutschen zahlen.“ Angespielt wird darauf, dass die BayernLB im Zuge der Notverstaatlichung der Hypo-Alpe-Adria-Group die Republik Österreich regelrecht über den Tisch gezogen habe, was insbesondere für den Steuerzahler äußerst teure Folgen hatte.

Austrian Airlines stand in der Vorwoche im Kreuzfeuer der Medienkritik, da man keine brauchbaren Unterlagen, sondern lediglich eine kurze Powerpoint-Präsentation angeliefert habe. Auch habe man den konkreten Finanzbedarf nicht näher beziffert. Der Kurier berichtet unter Berufung auf einen Sprecher der von der Republik eingerichteten Finanzierungsagentur Cofag, dass über das Wochenende Dokumente nachgereicht wurden. „Dazu gibt es heute Gespräche auf rein technischer Ebene mit den Beratern der AUA. Wir haben noch viele offene Fragen“, so der Medienreferent. Ein formeller Antrag wurde bislang nicht eingereicht.

Die österreichische Bundesregierung will sich für die Verhandlungen mit den Vorständen von Austrian Airlines und Lufthansa personell aufrüsten. Derzeit stelle man ein Beraterteam zusammen und will laut Kurier auch Kranich-Konzernchef Carsten Spohr persönlich am Verhandlungstisch sehen. Insbesondere will man fachlich gegenüber Lufthansa gut gerüstet sein, um auf Augenhöhe verhandeln zu können.

Austrian Airlines setzt in sozialen Medien häufig in der Kritik, da sich die Erstattung von Tickets, die mangels Flugbetrieb gar nicht genutzt werden können, äußerst kompliziert gestaltet. Enorm lange Wartezeiten in der Hotline für die Information, dass man ein Formular auf der Homepage ausfüllen solle, um wochenlang auf eine Bearbeitung zu warten, sollen äußerst häufig vorkommen. Einige Betroffene berichten auch, dass sie bereits seit sechs Wochen und mehr auf die Rückzahlung ihrer Flugscheine warten. Dies könnte möglicherweise Kalkül haben, denn der Kurier beziffert den Finanzbedarf für die Rückzahlung der Flugscheine mit etwa 300 Millionen Euro.

In finanzieller Hinsicht könnte in der Zeit nach Corona auch ein weiteres Sparprogramm bevorstehen, denn verschiedene Überlegungen sind bereits in die Öffentlichkeit gelangt. Am Freitag wurde im Aufsichtsrat ein Konzept beschlossen, das nun im Rahmen einer „Red Hour“ den Bediensteten präsentiert werden soll. „Unterm Strich soll aus unserer Austrian eine österreichische Ryanair gemacht werden. Corona dient hier als passender Vorwand, um eine beispiellose Gehaltsspirale nach unten in Gang zu setzen“, zitiert der Kurier den Betriebsrat Bord. Demnach stehen unter anderem die Streichung von Weihnachts- und Urlaubsgeld, drastische Gehaltseinbußen und die Kündigung des Kollektivvertrags zur Debatte.

In diversen Medien wird derzeit kolportiert, dass Austrian Airlines einen Finanzbedarf in der Höhe von 800 Millionen Euro habe. Diese Summe wurde vom Unternehmen stets dementiert. Es ist völlig unklar in welcher Höhe die Bundesregierung den Carrier unterstützen könnte, jedoch könnte sich Österreich mit 800 Millionen Euro auch 25 Prozent der Aktien der Lufthansa AG an der Börse kaufen oder aber andere Carrier vollständig übernehmen. Aufgrund der enormen Höhe des Finanzbedarfs, den Fluggesellschaften europaweit haben könnten, ist damit zu rechnen, dass deren Ansuchen äußerst penibel genau geprüft werden.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

    Special Visitors

    Volga-Dnepr Airlines / RA-82042
    ROSSIYA / EI-UNP
    Antonov Airlines / UR-82007
    National Airlines / N952CA
    Atlantic Airways / OY-RCK
    Danish Air Transport / OY-RUE
    LGW - Luftfahrtgesellschaft Walter / D-ABQA

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    Carlo Sporkmann

    Granit Pireci

    Michael David