Künftige Lauda-Flugbegleiter müssen in Ekel-Baracken hausen

Zahlreiche festangestellte Mitarbeiter wegen Krankenständen fristlos entlassen.

Foto: Thomas Ramgraber.

Bereits seit Sommer 2019 sorgen die so genannten „Sickletters“, in denen Krankenstände penibel genau aufgelistet werden und die Mitarbeiter zur „Besserung“ aufgefordert werden, in Österreich wiederholt für Verwunderung. In einigen Fällen sprach Lauda im Nachgang eine ordentliche Kündigung des Dienstverhältnisses aus, doch nun wurde in Deutschland die regelrecht nächste „Stufe“ gezündet. Die deutschen Gewerkschaften Verdi, UFO und IGL berichten übereinstimmend gegenüber AviationNetOnline, dass in den letzten Tagen rund 20 festangestellte Lauda-Flugbegleiter aufgrund von Krankenständen fristlos entlassen wurden. Zum Teil befinden sich die Betroffenen momentan im Krankenstand, zum anderen Teil jedoch nicht. Das Unternehmen wollte auf Anfrage keinen Kommentar zu den fristlosen Entlassungen abgeben, betont jedoch, dass es deutlich weniger wären als von den Gewerkschaften behauptet.

Nach Ansicht der deutschen Gewerkschaften Verdi, UFO und IGL ist die Vorgehensweise von Lauda nicht mit deutschem Arbeitsrecht in Einklang zu bringen. Im Gegensatz zu Österreich bedarf es in der Bundesrepublik stets einem Kündigungsgrund, den der Arbeitgeber angeben muss. Krankheit ist nach ständiger Judikatur kein qualifizierter Kündigungsgrund und nach Erklärung der Arbeitnehmervertreter schon gleich gar nicht für fristlose Entlassungen. Doch die Krux liegt wiederum im Detail, denn während Ryanair stets auf irisches Arbeitsrecht pocht, soll Lauda nun auch für die Beschäftigten in Düsseldorf und Stuttgart auf österreichisches Arbeitsrecht pochen. Das so genannte Homebase-Urteil des Europäischen Gerichtshofs wäre nicht anwendbar und obendrein wäre in den Dienstverträgen österreichisches Arbeitsrecht vereinbart worden. Dies sehen die Gewerkschafter allerdings als einen plumpen Versuch an, um die jeweiligen Arbeitgebervorteile der Arbeitsrechte zu Ungunsten der Arbeitnehmer miteinander zu kombinieren.

Fristlose Entlassungen werden explizit mit Krankenständen begründet

In AviationNetOnline vorliegenden Kündigungsschreiben begründet Lauda-Personaldirektor Robert Wall die jeweilige fristlose Entlassung explizit mit der Anzahl der Krankenstandstage und betont, dass sich das Unternehmen bei rund 90 Millionen Euro Jahresverlust so viele „Abwesenheiten“ nicht leisten könne. In jenen Fällen, die AviationNetOnline vorliegen, ist jeweils eine penible Auflistung der Krankenstände enthalten, die jedoch von der Quantität her gesehen nicht auffällig hoch sind.


Ausschnitt aus dem Entlassungsschreiben, das Lauda-Personalchef Robert Wall an die Betroffenen richtete.

Auch in Österreich soll es nach Angaben des Lauda-Betriebsrates zu fristlosen Entlassungen, die analog zu den Betroffenen an den Bases Düsseldorf und Stuttgart mit Krankenständen begründet wurden. Eigentlich ist es vorgesehen, dass bei fristlosen Entlassungen der Betriebsrat zwingend eingebunden wird, doch diese Arbeitgeberverpflichtung wurde nach Angaben des Lauda-Betriebsrats nicht eingehalten. „Keine einzige fristlose Entlassung hat man uns vorgelegt. Die Geschäftsführung ist gesetzlich verpflichtet uns bei jeder fristlosen Entlassung zu informieren, doch das ist nicht erfolgt“, so ein Lauda-Betriebsrat gegenüber AviationNetOnline. Die Lauda-Geschäftsleitung betonte wiederholt in der Öffentlichkeit, dass man die BR-Wahl als „null und nichtig“ betrachtet und die Arbeit des Betriebsrats ignoriert. Auch wurde eine gerichtliche Anfechtung der BR-Wahl beim Landesgericht Korneuburg eingebracht, wobei dieses erst im März über den Fall verhandeln wird.

Sowohl in Österreich als auch in Deutschland wollen die Gewerkschaften nun gegen die fristlosen Entlassungen vorgehen. Verdi, UFO und IGL kündigten gegenüber AviationNetOnline an, dass man vor das jeweils zuständige Arbeitsgericht ziehen wird und die fristlosen Entlassungen gerichtlich anfechten wird. Die Chancen, dass die Verfahren zu Gunsten der Arbeitnehmer ausgehen werden, stehen nach Ansicht der deutschen Gewerkschaften sehr gut, da – wie erwähnt – in Deutschland Krankenstand als Kündigungsgrund unzulässig ist und in weiterer Folge schon gleich gar nicht für eine fristlose Entlassung.

Der Lauda-Betriebsrat in Wien und die österreichische Gewerkschaft Vida wollen ebenfalls gegen die fristlosen Entlassungen vorgehen. Vida erklärte gegenüber AviationNetOnline, dass bereits zahlreiche Fälle vor dem Arbeitsgericht anhängig sind und noch viele weitere durch die Juristen der Gewerkschaft geprüft werden. Somit ist damit zu rechnen, dass es in den nächsten Tagen zur Einbringung weiterer Klagen, die sich gegen die fristlosen Entlassungen seitens Lauda richten könnten. Besonders sauer stößt auch Vida auf, dass die formelle Notwendigkeit der Vorab-Information an den Betriebsrat nicht eingehalten worden sein soll.


Airbus A320 OE-LOI auf dem Flughafen Stuttgart (Foto: Thomas Ramgraber).

„Fristlose Entlassungen sind nur dann zulässig wenn ein Arbeitnehmer den Arbeitgeber bewusst schädigt, also stiehlt oder eben einen Krankenstand vortäuscht und in Wirklichkeit im Urlaub ist. Eine bloße Erkrankung rechtfertigt auf keinen Fall eine fristlose Entlassung“, so Vida-Gewerkschafter Daniel Liebhart. „Wir raten Betroffenen in Österreich sich an uns zu wenden und den Kollegen in Deutschland sich an die deutschen Gewerkschaften zu wenden.“

„Aktuell sind eine Reihe unserer Mitglieder wegen Krankheit fristlos gekündigt worden. Nach deutschen Arbeitsrecht stellt sich das eklatant rechtswidrig dar. Das zeigt, wie wichtig es ist, im Zuge unserer laufenden Tarifverhandlungen, endlich die Anwendung deutschen Arbeitsrechts für alle in Deutschland stationierten Beschäftigten abschließend festzuschreiben", so Bundesfachgruppenleiterin Luftverkehr Mira Neumaier gegenüber AviationNetOnline.

Die Gewerkschaften in Deutschland und Österreich wollen nun grenzüberschreitend zusammenarbeiten und prüfen gemeinsame Aktionen. Im Gegensatz zu Österreich gibt es in Deutschland momentan überhaupt keinen Tarifvertrag für die Lauda-Bediensteten oder gar das für Lauda bestimmte Crewlink-Lauda-Personal. Doch ohne die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften des jeweils anderen Landes, wird man an diesem Zustand kaum etwas ändern können, denn Lauda würde nun jene Methoden, für die Ryanair jahrelang in Medien kritisiert wurde, in Deutschland anwenden „und zwar verschärft, weil es keinen Tarifvertrag gibt“, wie eine Verdi-Gewerkschafterin gegenüber AviationNetOnline erklärte.

Die Fluggesellschaft Lauda wollte auf Anfrage keinen Kommentar zu den fristlosen Entlassungen und der Kritik, die seitens den Gewerkschaften geäußert wurde, abgeben. Das Unternehmen betonte lediglich, dass die Anzahl der fristlosen Entlassungen deutlich niedriger wäre als von den Arbeitnehmervertretern behauptet. Interne Personalangelegenheiten kommentiere man allerdings prinzipiell nicht.

Während sich Lauda offensichtlich zunehmend der festangestellten Belegschaft entledigt, findet im Hahn Training Center, das von der Leiharbeitsfirma Crewlink betrieben wird, bereits ein Ausbildungskurs für angehende Lauda-Flugbegleiter statt. Die Zustände in den desolaten Gebäuden einer ehemaligen Kaserne der U.S.-amerikansichen Streitkräfte sollen katastrophal sein.

800 Euro für Unterkunft in Schimmel-Zimmer mit Urin-Flecken an der Wand

Für stolze 800 Euro müssen derzeit junge Damen und Herren, die über die Leiharbeitsfirma Crewlink für Lauda als Flugbegleiter arbeiten wollen, in Lautzenhausen, nahe dem Flughafen Frankfurt-Hahn, in Zimmern, deren Hygienezustand katastrophal zu sein scheint, hausen. Bis zu vier Menschen werden in den kleinen Räumen unterbracht, wobei die Matratzen beim ersten Betreten nicht einmal bezogen waren, sondern wie ein AviationNetOnline vorliegendes Video belegt, sogar verschimmelt waren. Doch den Gipfel des Ekels dürften deutlich sichtbare Spuren an der Wand, die nach Angaben der Betroffenen von Urin stammen sollen, sein.

Geschäftsführer Andreas Gruber erklärte gegenüber AviationNetOnline, dass die Ausbildung und Unterkunft vom Dienstleister Crewlink durchgeführt wird. Mit diesem arbeite Ryanair seit vielen Jahren erfolgreich zusammen und bislang sei es seinen Informationen nach zu keinen Beschwerden gekommen. Umso verwunderlicher sei es, dass es ausgerechnet beim ersten Lauda-Kurs zu den ersten Beanstandungen kommt. Dahinter vermutet der Manager, dass das Unternehmen gezielt in der Öffentlichkeit "schlecht gemacht" werden soll.


Vom Bett aus haben Teilnehmer des Flugbegleiterkurses, den Crewlink für Lauda im Hahn Training Center abhält, besten Blick auf angebliche Urinspuren an der Wand. (Foto: privat).

Es handelt sich allerdings um keine Notunterkunft oder ein heruntergekommenes Hotel in einem Billigurlaubsland, sondern um eine offiziell für die Ausbildung von Flugbegleitern genutzte Unterkunft nahe dem deutschen Regionalflughafen Frankfurt-Hahn. Hier lässt Ryanair seit vielen Jahren über die Leiharbeitsfirma Crewlink und andere Konstruktionen angehendes Kabinenpersonal schulen. Seit dem vierten Quartal 2019 wird auch die Ausbildung von Lauda-Flugbegleitern von Crewlink durchgeführt. Das Hahn Training Center ist der zweitgrößte Ausbildungsstandort der Ryanair Group. Die Unterbringung erfolgt direkt vor Ort in Gebäuden, die vormals von den U.S.-Streitkräften genutzt wurden und bereits von außen einen desolaten Eindruck machen. Viele Häuser sind mit Bauzäunen abgesichert, um Passanten vor herunterfallenden Hausteilen zu schützen. Innen erwartete die 23 Kursteilnehmer, die für Lauda bestimmt sind, Schmutz und purer Ekel. Der momentan laufende Kurs ist der erste, der für Lauda-Flugbegleiter am Hahn abgehalten wird.


Noch im November 2019 betonte Lauda in einer Pressemitteilung stolz den Kollektivvertrag in Österreich. (Ausschnitt aus der Pressemitteilung vom 18. November 2019).

Auch die Beschäftigung erfolgt über Crewlink, wobei erst kürzlich bekannt wurde, dass für Neueinstellungen – entgegen vorheriger öffentlicher Beteuerungen von Ryanair-Group-Chef Michael O’Leary und der Lauda Geschäftsleitung – der Lauda-Kollektivvertrag nicht mehr angewandt wird. Diese Vorgehensweise wird von der ÖGB-Teilgewerkschaft Vida nicht nur heftig kritisiert, sondern auch als rechtswidrig angesehen. Das österreichische Arbeitsrecht sieht laut Erklärung der Vida vor, dass auch im Falle von Arbeitnehmerüberlassung (Leiharbeit) der jeweilige Kollektivvertrag angewandt werden muss. Auch betont die Gewerkschaft, dass der KV zwischen Wirtschaftskammer und ÖGB abgeschlossen wird und daher ein Unternehmen gar nicht die Möglichkeit habe diesen einfach nicht anzuwenden oder zu kündigen. In Deutschland wurde seitens Verdi heftig kritisiert, dass Crewlink und andere Ryanair-Konstruktionen seit vielen Jahren ohne die notwendige Zulassung als Arbeitskräfteüberlasser tätig waren. Die Lizenz wurde erst nachträglich eingeholt und muss in den nächsten Monaten verlängert werden.

„Dass schon der rudimentäre Minimalkonsens des Anstandes, denn mehr sehen Ryanairs Tarifverträge in Deutschland nicht vor, Herrn O‘Leary zur Tarifflucht unter solch widerwärtigen Bedingungen bewegt, verstört uns. Und es zeigt vor allem eins: Ryanair bleibt Ryanair – der Sweatshop der Lüfte“, so Daniel Flohr, stellvertretender Vorsitzender der UFO.  „Das Management sollte sich was schämen“, so Flohr weiter.


Auf dieser verschimmelten, unbezogenen Matratze sollen die Kursteilnehmer nicht nur schlafen, sondern musste gar 800 Euro für die Unterkunft während der Ausbildungszeit bezahlen (Foto: privat).

Für einen Traumjob nehmen viele Menschen so einiges auf sich, doch den Süd- und Südosteuropäerinnen, die derzeit für die Lauda-Bases Stuttgart, Düsseldorf und Zadar in Lautzenhausen geschult werden, soll bereits mitgeteilt worden sein, dass die Beschäftigung befristet erfolgt. Und diese Befristung hat es insbesondere für die kroatische Basis in sich, denn nach nur sieben Monaten sollen diese nicht mehr weiterbeschäftigt werden. Das Unternehmen erklärt auf Anfrage, dass es keine Befristung auf sieben Monate gibt. Zur Erinnerung: 800 Euro müssen die jungen Menschen in die Hand nehmen, um während dem sechswöchigen Kurs in einer Unterkunft, deren Sauberkeit und Hygiene fragwürdig erscheint ist, wohnen zu dürfen. Noch dazu kommt, dass die 23 Kursteilnehmer hierfür kein Einzelzimmer erhalten, sondern dieses mit bis zu vier Personen, die sie noch nie zuvor gesehen haben, teilen müssen. Einen Staubsauger, Besen oder Putzlappen dürften die Räumlichkeiten, wie auch im Video ersichtlich, vor der Übergabe an die Aspiranten jedenfalls schon länger nicht mehr gesehen haben.

Nach der Wallraff-Doku hat sich „genau gar nichts“ geändert

„Bereits in der Dokumentation von Günther Wallraff wurde die Art und Weise wie der Ryanair-Dienstleister Crewlink seine angehenden Flugbegleiter im Hahn Training Center behandelt aufgezeigt. Umso schockierender ist, dass sich nichts geändert hat, sondern genauso weitergemacht wird. Wir verurteilen dies zutiefst und insbesondere der Sauberkeitszustand der kleinen Zimmer ist menschenunwürdig. Allen Betroffenen raten wir uns, dass sie sich so rasch wie möglich bei uns melden. Wir werden auch mit der österreichischen Gewerkschaft Vida in Kontakt treten, um gemeinsame Aktionen zu besprechen. Diese Zustände müssen sofort unterbunden werden“, erklärt der stellvertretende IGL-Vorsitzende Daniel Wollenberg.

Vor einigen Monaten berichtete bereits der deutsche Investigativ-Journalist Günther Wallraff, der eine junge Dame bei Ryanair bzw. Crewlink undercover einschleuste, über die erschreckenden Zustände in Lautzenhausen. Insbesondere ging aus der Dokumentation hervor, dass die Schulungen in so genanntem „Kasernenhofton“ unter starkem Drill stattfinden. Daran dürfte sich offenbar nichts geändert haben, denn Betroffene, die bei Lauda einen Traumjob erhofften, berichten ebenfalls von äußerst hartem und lautem Ton.  Die Ausbildner, deren „Kasernenstil“ die Betroffenen kritisieren, sollen nicht von Lauda, sondern von der Leiharbeitsfirma Crewlink stammen.


In diesem Wasserkocher sollen sich die Kursteilnehmer Heißgetränke wie Tee zubereiten können (Foto: privat).

„Es ist noch nicht so lange her, da mussten Kursteilnehmer noch bis zu 2.500 Euro für das Training bezahlen. Erst als es schwerer wurde neue Bewerberinnen zu finden und nicht zuletzt aufgrund des öffentlichen Drucks wurde der Betrag auf 800 Euro für die Unterkunft reduziert.  Angesichts des miserablen Zustands der Zimmer, in die bis zu vier Personen einquartiert werden, ist das immer noch viel zu viel “, so Verdi-Bundesfachgruppenleiterin Luftverkehr Mira Neumaier gegenüber AviationNetOnline. „Bislang wurden am Trainings Center Hahn nur für Ryanair bestimmte Flugbegleiter ausgebildet. Nun kommen jene der österreichischen Tochtergesellschaft Lauda dazu. Die Zustände in den Unterkünften sind katastrophal. Darauf weisen wir die Behörden seit Jahren hin. Mindestens genauso lange kritisieren Kursteilnehmer die Qualität der Ausbildung und den, auch in der Wallraff-Doku dargestellten, harten Umgangston während der Ausbildung. Das nehmen wir als Gewerkschaft nicht hin.“

Lauda verweist auf Crewlink, deren Geschäftsführung schweigt allerdings

So berichtet ein Betroffener, dass wenn er nicht die 800 Euro bereits bezahlt hätte, sofort in seine Heimat zurückkehren würde. Angeblich wäre das Geld bei Abbruch des Kurses nicht erstattbar und obendrein sollen sich viele Teilnehmer aus Süd- und Südosteuropa dieses bei Verwandten ausgeliehen haben, um an einen hoffentlich gut bezahlten Job kommen zu können. Mit den Umständen, dass diese Ausbildung in regelrechtem Kasernenstil stattfindet und die Sauberkeit und Hygiene laut vorliegendem Video sehr bedenklich erscheinen und dann für einige der Traumjob auf sieben Monate ohne Verlängerungsmöglichkeit befristet ist, sollen einige Teilnehmer psychisch überfordert sein.

Lauda-Geschäftsführer Andreas Gruber bestätigte im Gespräch mit AviationNetOnline, dass es sich um den ersten Kurs handelt, den Crewlink für angehende Lauda-Flugbegleiter im Hahn Training Center abhält. Er verweist darauf, dass man Synergien innerhalb der Ryanair Group nutzt und zur Ausbildung von Flugbegleitern auf bestehende Infrastruktur von Ryanair zurückgreift. Die Kurse werden von Crewlink, einem Arbeitskräfteüberlasser von Ryanair und Lauda, abgehalten. Aus der Vergangenheit sind dem Manager keinerlei Beschwerden von Ryanair-Kursteilnehmern bekannt, weshalb er sich verwundert zeigte, dass es ausgerechnet beim ersten Lauda-Kurs zu Beanstandungen kommt. Ansonsten verwies er auf den Dienstleister Crewlink, dessen Geschäftsführer Judy Judith Byrne und Frank Whelan auf eine schriftliche Anfrage mit dem Ersuchen um Stellungnahme zu den Vorwürfen der Gewerkschaften und der Betroffenen nicht reagierten. 

Bewerber sollen zu sofortiger Vertragsunterschrift gedrängt werden

Der Geldbetrag von 800 Euro ist nach Informationen der Gewerkschaften übrigens in bar am ersten Kurstag zu bezahlen. Eine entsprechende Quittung über den Empfang des Geldbetrags sollen die Teilnehmer seitens Crewlink nicht ausgehändigt bekommen. Die Summe wäre ausschließlich für die Unterkunft während des sechswöchigen Kurses, wobei die Zustände – wie auch im Video ersichtlich – offenbar katastrophal sind. Auch echte Ausbildungsverträge existieren nicht, wie Verdi gegenüber AviationNetOnline bestätigte. Lediglich die bereits in Österreich in diversen Medienberichten heftig kritisierten Crewlink-Arbeitsverträge, in denen sich eine Passage mit dem Tagesgeld während der Schulung befasst. Sofern die Teilnahme vorzeitig abgebrochen wird, beispielsweise wenn der Teilnehmer das unhygienische Zimmer oder den „Kasernenhofton“ nicht mehr erträgt, gibt es überhaupt kein Geld. Auch die Unterkunftskosten werden nicht erstattet.


Dieses Blatt verteilte Lauda am 18. November 2019 an Journalisten. Der eigens angereiste Konzernchef Michael O'Leary beteuerte, dass die Crewlink-Arbeitsverhältnisse vollständig vom Kollektivvertrag erfasst sind. Weniger als zwei Monate später wurde bekannt, dass Lauda den KV für sämtliche Neueinstellungen seit Jänner 2020 gar nicht mehr anwendet. (Tabelle: Lauda).

Sowohl die deutschen als auch die österreichischen Arbeitnehmervertreter berichten übereinstimmend gegenüber AviationNetOnline, dass die Crewlink-Arbeitsverträge nun bereits an Ort und Stelle beim Casting unterschrieben werden müssen und zwar in einfacher Ausfertigung. Ein zweites Original oder zumindest eine Kopie für den angehenden Flugbegleiter sollen auch auf mehrfache Nachfrage in zumindest mehreren Fällen nicht ausgehändigt worden sein. Generell sollen sich Ryanair, Crewlink und Lauda zieren schriftlich zu kommunizieren. Die Gewerkschafter sind der Ansicht, dass dies Kalkül habe, denn dann habe der Betroffene nichts in der Hand, zum Beispiel falls später mal eine fristlose Entlassung wegen Krankenstands erfolgen sollte.

„Inakzeptabel ist auch, dass die Beschäftigten während des Training über die Laufzeit des sich anschließenden befristeten Arbeitsvertrages im Unklaren gelassen werden. Offenbar wird vielen Flugbegleitern erst am letzten Tag des Trainings mitgeteilt, dass sie nur auf acht Monate oder sogar kürzer befristet beschäftigt werden. Es ist untragbar, dass junge Menschen, die oft aus Regionen Europas mit hoher Jugendarbeitslosigkeit angeworben werden, nur wegen eines kurz befristeten Vertrags unter unhygienischen Bedingungen hausen müssen und beim Training dermaßen hart angegangen werden. Es stellt sich die Frage, ob das Geschäftsmodell von Crewlink nicht immer noch geradezu darauf basiert, eine hohe Fluktuation zu gewährleisten, in der möglichst nur solche Flugbegleiterinnen längerfristig bei den Airlines bleiben, die gezwungen sind, sich mit derartigen Verhältnissen abzufinden und zu eingeschüchtert sind, um sich zu beschweren“, so Verdi-Gewerkschafterin Mira Neumaier.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...
    Autor: Carlo Sporkmann
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    Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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