Krankenstände: Österreichs Pilotenvereinigung kritisiert Lauda heftig

ACA appelliert die momentane Praxis zu überdenken und fordert die Behörden zum Handeln auf.

Airbus A320 (Foto: Thomas Ramgraber).

Die österreichische Pilotenvereinigung ACA äußert in einer Aussendung erhebliche Kritik am Umgang mit Krankenständen seitens der österreichischen Fluggesellschaft Lauda. So erhält derzeit das fliegende Personal während Krankenständen prompt ein E-Mail, in dem die Erkrankungen der letzten 12 Monate penibel aufgelistet werden. Teilweise sollen die Mitarbeiter auch zu persönlichen Gesprächen, die unmittelbar nach Beendigung des Krankenstands stattfinden, vorgeladen werden.

Laut ACA sollen die per E-Mail zugestellten Briefe auch enthalten, dass die „eigene, schlechte Performance“ dem Unternehmen schaden würden. Bereits zehn Krankenstandstage innerhalb eines Jahres sollen ausreichend sein, um ein solches Schreiben samt Auflistung oder gar eine Vorladung zu einem persönlichen Gespräch zu erhalten. Die Pilotenvereinigung schreibt dazu: „Die Briefe, die in ihrem Tonfall durchaus als beängstigend empfunden werden können, sind in der Zwischenzeit zum „Massenphänomen" geworden.“

Vor wenigen Wochen konkretisierte Lauda in einer AviationNetOnline vorliegenden Anordnung die Vorgehensweise im Falle von Erkankungen. Das Personal muss diese so früh wie möglich, spätestens jedoch zwei Stunden vor Dienstbeginn, bekanntgeben. Weiters muss eine ärztliche Krankschreibung per E-Mail an die Personalabteilung geschickt werden. Die ACA kritisiert: „Nicht ganz einfach, an Sonntagen zum Beispiel. Verfehlt man diese Frist, dann gilt das als Dienstverweigerung.“

Weiters führt die Pilotenvereinigung aus: „Jetzt könnte man dagegenhalten, bei Lauda gibt es damit kein „krank-feiern“, die Führung ist eben strenger als der durchschnittliche österreichische Arbeitgeber. Aber Lauda ist kein normaler Arbeitgeber, sondern eine Airline, die Personal beschäftigt, das sicherheitsrelevante Aufgaben erfüllt. Piloten, die ein Flugzeug sicher fliegen und landen müssen, und Flugbegleiter, die für die Sicherheit der Passagiere in der Kabine verantwortlich sind - und das ist ihre Hauptaufgabe, nicht das Verkaufen von Drinks, Essen, und vielem mehr. Gut vorstellbar, dass diese aggressive Anwesenheits-Politik, die die Crews ständig daran erinnert, dass ihre Nicht-Fitness, ihre Krankenstände Ursachen für die schlechte Performance im Unternehmen sind, dazu führen, dass Piloten und Flugbegleiter krank im Dienst erscheinen. Das ist vor kurzem auch passiert. Passagiere konnten beobachten, wie eine kranke Flugbegleiterin auf einem Flug in Ohnmacht fiel. Sie musste nach der Landung ins örtliche Krankenhaus gebracht werden, später wurde bekannt, dass die Mitarbeiterin an einer Lungenentzündung litt.“

Die ACA spielt dabei auf einen Vorfall an, der sich im Oktober auf einem Flug von Wien nach Bukarest ereignet haben soll. Die betroffene Flugbegleiterin musste nach Angaben von Augenzeugen unmittelbar nach der Landung medizinisch versorgt werden. Der örtliche Notarzt soll keine Freigabe für den Rücktransport erteilt haben, so dass eine Einlieferung in ein Krankenhaus in Bukarest erfolgte. Dies hatte auch weitere Konsequenzen, denn dadurch, dass ein Mitglied der Kabinenbesatzung vollkommen unfreiwillig ausgefallen ist, mussten in etwa 30 Passagiere in Rumänien zurückgelassen werden. Hintergrund ist, dass es genaue Vorschriften gibt wie viele Flugbegleiter pro 50 Passagiere an Bord sein müssen. Hat eine Airline – aus welchen Gründen auch immer – weniger Stewards an Bord, so dürfen nur maximal so viele Passagiere mitfliegen wie auch entsprechend den Vorschriften Flugbegleiter an Bord sind. Im konkreten Fall wurde allerdings bereits das Boarding begonnen, so dass nach Angaben von Augenzeugen etwa 30 Reisende wieder aussteigen mussten. Selbstverständlich soll dies zu erheblichem und lautstarkem Unmut geführt haben.

"Die Behörden (in Österreich wie auf EU-Ebene) sind - nicht zum ersten Mal - aufgerufen, diesen Praktiken ein Ende zu bereiten. Kranke Flugzeugbesatzungen sind ein Sicherheitsrisiko. Ganz besonders, wenn sie dazu noch Angst um den Job haben“, fordert Flugkapitänin Isabel Doppelreiter, Präsidentin der ACA „Passagiere, die Billigtickets kaufen, sollten sich bewusst sein, dass der Preis, den man dafür zahlt, möglicherweise ein sehr hoher sein kann." Die betroffene Fluggesellschaft Lauda lehnte bereits in der Vergangenheit jeglichen Kommentar zum Thema Krankenstände ab und verwies stets darauf, dass man interne Angelegenheiten grundsätzlich nicht kommentiere.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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